Auswärts beim 1. FC Saarbrücken

Letzte Chance DFB-Pokal für Eintracht Frankfurt

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Leicht vernebelt: Dino Toppmöller.
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Der Zwischenspurt mit sechs guten bis hochklassigen Spielen im Frühherbst war offenbar nur ein Strohfeuer - nun bekommt der Pokal umso mehr Bedeutung. Ein Kommentar.

Der 1. FC Saarbrücken, der ja inzwischen zum eigenen Vereinsnamen den semioffiziellen Titel „Bayern-Schreck“ trägt, verbreitet in der heimischen Liga, der dritten Deutschlands, nicht gerade Angst und Schrecken. Der FCS hat fünf Partien gewonnen, vier verloren, sich achtmal mit einem Remis vom Gegner getrennt. Macht summa summarum: 23 Punkte, Platz elf. Das klingt nicht nur nach Mittelmaß, das ist Mittelmaß.

Von den letzten vier Punktspielen haben die Saarländer keines verloren, aber die letzten beiden mit drögen Nullnummern abgeschlossen, keine Tore gegen Abstiegskandidat Duisburg und Mittelständler Münster. Topform sieht anders aus. Aber sie sind halt, na logo, der Bayern-Schreck, das Team, das die Münchner Giganten in der zweiten Runde aus dem Pokalwettbewerb gefegt hat. Eine Sensation, und keine kleine.

Am Mittwoch nun nehmen sie einen neuen Anlauf, es einem Großen der Branche zu zeigen, dann kommt Eintracht Frankfurt in den Ludwigspark. Die Chancen für die „Molschder“ stehen trotz eigenen Problemen (siehe Nullnummern) nicht schlecht, der Bundesligist kommt zu einem guten Zeitpunkt für die Mannschaft von Trainer Rüdiger Ziehl. Denn die Eintracht ist nach drei Niederlagen in Serie angeschlagen und angezählt, verunsichert und gewiss nicht vor Selbstvertrauen strotzend. Bei den Hessen ist das Hoch endgültig vorüber, sie sind, spätestens mit der 1:2-Schlappe am Sonntagabend in Augsburg, wieder zurückgefallen in alte Muster, spielen einen ähnlich uninspirierten, tranigen Fußball wie zu Saisonbeginn.

Die Interpretation, wonach der Zwischenspurt mit sechs guten bis hochklassigen Spielen im Frühherbst ein Strohfeuer gewesen sein könnte, ein Ausreißer nach oben, ist absolut zulässig.

Für die Eintracht steht daher im Pokal beim Drittligisten allerhand auf dem Spiel. Es geht darum, einen neuerlichen Stimmungsumschwung herbeizuführen, es geht um Selbstbewusstsein durch ein Erfolgserlebnis, um eine Trendwende und Schwung im Jahresendspurt. Auf all das ist die Eintracht dringend angewiesen, denn sonst könnte es eisig werden im Stadtwald, die nächsten beiden Gegner in der Bundesliga heißen Bayern München und Bayer Leverkusen. Da sind – Stand jetzt und die letzten Leistungen als Maßstab nehmend – null Punkte programmiert.

Verlieren verboten

Ein Pokal-Aus würde den Verein daher ins Mark treffen, vieles infrage stellen und Fragen aufwerfen, der Druck auf Trainer Dino Toppmöller und Sportchef Markus Krösche merklich steigen. Es ist ein brisantes Duell mit Wirkung aufs Hier und Jetzt, aber auch aufs Morgen. Für die Eintracht gilt: verlieren verboten – wenn sie nicht in schwere Turbulenzen geraten will.

Das Spiel ist auch im Hinblick auf eine rein sportliche Bestandsaufnahme von einiger Bedeutung. Der Pokal ist für die Eintracht nämlich offenbar die einzige und letzte Chance, die Saison zu versüßen oder zu vergolden. In Europa und der Liga wird das kaum mehr gelingen, dafür ist die Mannschaft zu unstet, zu inkonstant und nicht stark genug, zumal direkt nach der Winterpause drei Leistungsträger beim Afrika-Cup zugegen sein werden. Die Bundesligaspitze wird die Eintracht nur aus sicherer Entfernung von unten erspähen.

Daher nimmt die Wertigkeit des Pokals für die Frankfurter zu, im Viertelfinale werden maximal noch vier Bundesligisten stehen. Mit einem bisschen (Los-) Glück rückt Berlin schon ein gutes Stück näher. Klar, das ist nichts, worauf man seriös setzen kann. Es ist eine vage Hoffnung. Aber besser eine vage Hoffnung als gar keine. Die Eintracht sollte alles auf die Karte Pokal setzen. Viel mehr bleibt ihr nicht.

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