Eintracht Frankfurt in Köln: Miese Bilanz, na und?!
VonJosef Schmitt
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Trainer Toppmöller setzt auf defensive Stabilität und baut auf Mario Götze, obwohl mehrere Spieler verletzt fehlen.
Frankfurt – Nach vier freien Tagen und zwei Trainingseinheiten sei er nun wieder „voller Tatendrang“, sagt Dino Toppmöller vor dem Auswärtsspiel am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) beim 1. FC Köln. Der Trainer der Frankfurter Eintracht hat die Bundesligapause genutzt, um über die zukünftige Ausrichtung des eigenen Spiels nachzudenken. Weiter in erster Linie auf defensive Stabilität setzen, was sich zuletzt mit wenig Gegentoren und einigen Punkten gelohnt hat, oder doch wieder mehr Risiko gehen, um das Spiel offensiver und ansehnlicher zu gestalten?
Was durchaus damit zusammenhängt, ob er auf eine Dreierabwehrkette, die im beim Spiel „gegen den Ball“ zu einer Fünferkette wird, oder auf eine Viererkette setzt. Für Toppmöller gibt es nicht nur die eine systemische Wahrheit. „Wir haben letzte Saison eindrucksvoll bewiesen, dass wir beides sein können, defensiv stabil, aber auch offensiv erfolgreich“, sagt er, „es liegt in uns allen drin, dass wir gerne offensiv spielen wollen.“ Er sei sehr sicher, „dass das jetzt wieder zurückkommen wird“. Am besten schon in Köln.
Skhiri zurück in Köln
Über die taktische Ausrichtung und die Systemfrage hüllte er freilich noch den Mantel des Schweigens. Am wahrscheinlichsten ist die Variante mit einer Viererkette, wie zu Beginn der Saison auch schon erfolgreich praktiziert. Dann wäre Rasmus Kristensen rechtes Glied dieser Anordnung und wahrscheinlich Gegenspieler des Kölner „Wunderknaben“ Said El Mala. Der U-21-Nationalspieler sei ein „superinteressanter“ Spieler, „sehr schnell, mit einem brutal guten Eins-gegen-Eins.“ Auf ihn müsse sich die Eintracht einstellen, jemanden finden, „der das Tempo und die Zweikämpfe aufnehmen kann.“
Kristensen könnte so einer sein. Auch wenn der Däne unter der Woche mit dem Platzverweis beim WM-Qualifikationsspiel in Schottland und der 2:4-Niederlage eine bittere Stunde erlebt hat. Kristensen hatte danach die Schuld für den zunächst verpassten WM-Platz übernommen. „Es war nie und nimmer eine Gelbe Karte, die zum Platzverweis geführt hat“, sagt der Frankfurter Trainer, „Rasmus war sehr enttäuscht, aber ich denke, er kann sehr gut damit umgehen, er ist ein richtiger Kerl, ein gestandener Profi“. Es mache keinen Sinn, Kristensen in eine „Opferolle“ zu schieben, „unsere Unterstützung aber hat er immer.“
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Die taktische Alternative zu Kristensen wäre ein Dreierkette mit Nnamdi Collins, Robin Koch und Arthur Theate, ergänzt auf den Seiten von Kristensen und Nathaniel Brown. Toppmöller legt Wert darauf, dass auch bei dieser Variante in den letzten Wochen immer vier offensive Spieler auf dem Platz gestanden hätten, nur eben anders angeordnet. „Wir haben keinen Angreifer für einen Verteidiger geopfert“, sagt er. Freilich wurde Außenstürmer Ritsu Doan in eine defensivere Rolle gebracht und damit einer seiner Stärken beraubt.
Die Nationalspieler der Eintracht sind alle gesund von den Länderspielreisen zurückgekehrt, dementsprechend hat der Frankfurter Trainer trotz der Ausfälle von Can Uzun, Oscar Hojlund und Hugo Larsson, alle wegen Muskelverletzungen, immer noch genügend Auswahl. Defensiv wird der ehemalige Kölner Ellyes Skhiri bei seinem zweiten Auftritt im Eintracht-Trikot an alter Wirkungsstätte gesetzt sein. Damals lief es denkbar schlecht, 0:2-Niederlage für die Frankfurter. Wie so oft in Köln.
Der Eintracht fehlen: Uzun, Larsson, Hojlund (alle Muskelverletzungen).
Zudem hat Toppmöller sich auf einen Einsatz von Mario Götze festgelegt. Der Weltmeister von 2014 nehme gerade in diesen Tagen wieder eine „sehr wichtige Rolle ein“. Vom Trainingseifer Götzes ist der Eintracht-Coach begeistert. „Wer ihn in den letzten Wochen erlebt hat, sieht jemanden, der viel Lust auf Fußball hat, jeden Ball haben und Verantwortung übernehmen will“, sagt er, „Mario ist körperlich in einer so guten Verfassung, dass er uns helfen kann.“
Respekt vorm Neuling
Vorm Gegner hat Toppmöller gehörigen Respekt. Die bislang so gute Saison des Aufsteigers wundere ihn überhaupt nicht. „Sie haben sehr gute Transfers getätigt und wirken sehr homogen im gesamten Klub“, sagt er, „sie haben ein tolles Publikum, spielen guten Fußball mit einem spielerischen Ansatz.“
Dennoch könne das Ziel für seine Mannschaft nur der dritte Auswärtssieg der Saison sein. Von der ausgesprochen miesen Bilanz, nur zwei Siege in den letzten 17 Begegnungen in Köln-Müngersdorf, will er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Es sei zwar „keine ganz einfache Aufgabe, aber wir fahren dahin, um drei Punkte zu holen.“