Eintracht und die Störungen

Zu viele Nebengeräusche bei Eintracht Frankfurt

+
Nicht gerade in Bestform: Frankfurts Dribbler Jesper Lindström (li.) bleibt derzeit oft hängen. dpa
  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Manch Wechselkandidat von Eintracht Frankfurt ist derzeit eher ein Wackelkandidat – das hat Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit.

Frankfurt - Man stelle sich vor, das bisher spektakulärste Spiel der Saison steht unmittelbar bevor, womöglich am nächsten Tage, etwa eines in der Champions League, K.o.-Phase, Achtelfinale, eventuell gar gegen fußballspielende Überflieger aus Neapel. Und just in diesem Moment werde man gefragt, ob die eigene Gattin denn bald nach Dubai auswandern wolle und was man davon halte. Unvorstellbar, möchte man meinen, und doch so geschehen. Nicht mal eine Woche ist das her. Mario Götze, der Befragte, moderierte das Thema, das eigentlich keines war, in wenigen Sätzen weg, Profi wie er halt ist, was ihn und seine Familie nicht vor allerhand reißerischen Berichten bewahrte. Irre.

Nun muss sich Götzes Arbeitgeber, der Bundesligist Eintracht Frankfurt, dieser Tage nicht nur mit derart absurden Angelegenheiten befassen, sondern auch mit Nebengeräuschen, die durchaus Einfluss zu haben scheinen auf das sportliche Geschehen, die im Gegensatz zu der Mehrzahl der anderen Klubs auch nicht enden wollen, obzwar das Transferfenster nun schon einen ganzen Monat lang geschlossen ist. Das nächste kommt schließlich bald.

Kaum ein Tag vergeht, da geistert nicht die nächste Personalmeldung umher. Randal Kolo Muani zu Paris Saint-Germain, Evan Ndicka zum FC Barcelona, Daichi Kamada zu Borussia Dortmund, und wieder von vorn. Es ist nicht so, dass die Eintracht diese Themen selbst öffentlich befeuern würde, sie kann sie aber eben auch nicht beenden. Denn es ist in manchen Fällen ja was dran, Ndicka zum Beispiel wird den Klub aus dem Hessischen im Sommer ebenso sicher verlassen wie Kamada. Und dass dann beide Stammspieler seit Wochen - mit positiven Ausreißern - ihrer Topform hinterherlaufen, passt dann so ziemlich ins Bild. Sie spielen sicher nicht absichtlich schwach, diese Behauptung wäre unfair und unangemessen, die Leistungen aber stimmen nun mal oft nicht mit den Erwartungen überein. Vieles, man weiß es, spielt sich im Unterbewussten ab, geistiger Ballast ist störend und kann die Schaffenskraft beeinträchtigen. Und gerade auf diesem Niveau spielen ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger eine große Rolle.

Lindströms Liebäugelei

Ndicka etwa beorderte der Frankfurter Trainer Oliver Glasner am Samstag beim Spiel in Leipzig (1:2-Niederlage) sogar zum zweiten Mal in dieser Runde auf die Ersatzbank (vorher nur im Pokal gegen Fünftligist Stuttgarter Kickers) und probierte es mit Hrvoje Smolcic - was es nicht besser machte, aber das nur am Rande.

Oder Kamada, der Japaner zeigt seit dem Jahreswechsel seine WM-Form, die, man weiß es, eine durchwachsene war und damit auch jetzt ist. In Leipzig lieferte der 26-Jährige gerade im ersten Abschnitt eine desaströse Vorstellung ab, er agierte ohne jegliche Körperspannung in den Zweikämpfen (nur 27 Prozent gewonnene Duelle), war ungenau bei den Zuspielen, was vor dem Hintergrund des in der vergangenen Woche fester gezurrten Wechsels zum BVB (die FR berichtete) einen kausalen Zusammenhang zumindest nicht entkräften kann.

Die Eintracht schleppt die Diskussionen um Ndicka und Kamada schon durch die ganze Saison, lange Zeit waren sie kein Problem, was sich aktuell zu ändern scheint. Sie schleppte auch lange die erst Anfang Februar verwirklichte Vertragsverlängerung mit Torwart Kevin Trapp herum, selbst die langfristige Zukunft des Trainers Oliver Glasner scheint nicht in Stein gemeißelt. Leihprofi Ansgar Knauff weiß noch nicht, wo er kommende Saison spielt, auch Djibril Sow macht sich darüber seine Gedanken, hat er seinen bis 2024 laufenden Vertrag jedenfalls bisher nicht verlängert.

Kolo Muani, Marmoush – und jetzt Ekitiké: Die teuersten Transfer-Abgänge von Eintracht Frankfurt

Randal Kolo Muani erzwang seinen Wechsel zu Paris Saint-Germain im Sommer 2023. Die Fans waren wütend, die SGE erhielt 95 Millionen Euro. Damit ist Kolo Muani noch immer der aktuelle Rekord-Abgang.
Randal Kolo Muani erzwang seinen Wechsel zu Paris Saint-Germain im Sommer 2023. Die Fans waren wütend, die SGE erhielt 95 Millionen Euro. Damit ist Kolo Muani noch immer der aktuelle Rekord-Abgang. © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Stürmte erst an der Seite von Omar Marmoush, dann noch ein halbes Jahr als dessen Nachfolger. Im Sommer 2025 legte dann der FC Liverpool 95 Millionen für Hugo Ekitiké auf den Tisch.
Stürmte erst an der Seite von Omar Marmoush, dann noch ein halbes Jahr als dessen Nachfolger. Im Sommer 2025 legte dann der FC Liverpool 95 Millionen für Hugo Ekitiké auf den Tisch. © IMAGO/ActionPictures
Omar Marmoush hatte bei Eintracht Frankfurt viel Grund zur Freude
Schon im Januar 2025 zog es Omar Marmoush in die Premier League. Ebenso wie bei Etikité lief auch sein Abgang deutlich harmonischer ab als bei Kolo Muani. Manchester City überwies 75 Millionen Euro nach Frankfurt. © IMAGO/Joaquim Ferreira
Luka Jovic verließ die Eintracht 2019 für die Ablöse von 63 Millionen Euro Richtung Real Madrid.
Luka Jovic verließ die Eintracht 2019 für die Ablöse von 63 Millionen Euro Richtung Real Madrid. © Roland Krivec/imago
Sébastien Haller war Teil der Büffelherde. 2019 ging er für 50 Millionen Euro zu West Ham United.
Sébastien Haller war Teil der Büffelherde. 2019 ging er für 50 Millionen Euro zu West Ham United. © DeFodi/imago
Wechselte im Sommer 2024 für 40 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain: Defensivspezialist Willian Pacho.
Wechselte im Sommer 2024 für 40 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain: Defensivspezialist Willian Pacho. © IMAGO/Jürgen Kessler
Jesper Lindström sorgte mit seinen Leistungen für die Eintracht für Aufsehen und so ging es im Sommer 2023 für 30 Millionen Euro zur SSC Neapel nach Italien.
Jesper Lindström sorgte mit seinen Leistungen für die Eintracht für Aufsehen und so ging es im Sommer 2023 für 30 Millionen Euro zur SSC Neapel nach Italien. © IMAGO/Jürgen Kessler
André Silva verließ die Eintracht 2021 und ging für 23 Millionen Euro zu RB Leipzig.
André Silva verließ die Eintracht 2021 und ging für 23 Millionen Euro zu RB Leipzig. © Jan Huebner/imago
Innenverteidiger Tuta etablierte sich erst nach einer Leihe in der Frankfurter Innenverteidigung. Im Sommer 2025 wechselte er für 15 Millionen Euro zu Al-Duhail SC nach Katar.
Innenverteidiger Tuta etablierte sich erst nach einer Leihe in der Frankfurter Innenverteidigung. Im Sommer 2025 wechselte er für 15 Millionen Euro zu Al-Duhail SC nach Katar. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Filip Kostic entpuppte sich für Eintracht Frankfurt als Glücksgriff. Im Sommer 2022 verabschiedete er sich für 14,7 Millionen Euro zur Alten Dame nach Turin.
Filip Kostic entpuppte sich für Eintracht Frankfurt als Glücksgriff. Im Sommer 2022 verabschiedete er sich für 14,7 Millionen Euro zur Alten Dame nach Turin. © IMAGO/Joaquim Ferreira
Der Abgang von Djibril Sow ging lautlos vonstatten. Im Sommer 2023 zahlte der FC Sevilla 10 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler.
Der Abgang von Djibril Sow ging lautlos vonstatten. Im Sommer 2023 zahlte der FC Sevilla 10 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler. © IMAGO/TEAM2sportphoto
Kevin Trapp ging 2015 für 9,5 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain, bevor er drei Jahre später zurückkehrte.
Kevin Trapp ging 2015 für 9,5 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain, bevor er drei Jahre später zurückkehrte. © Rene Traut/Sven Simon/imago
Für Carlos Salcedo bekam die Eintracht 8,8 Millionen Euro. Er wechselte 2019 nach Mexiko zu Tigres UANL.
Für Carlos Salcedo bekam die Eintracht 8,8 Millionen Euro. Er wechselte 2019 nach Mexiko zu Tigres UANL. © Peter Schatz/imago
Für die damalige Wahnsinns-Summe von 8,7 Millionen Euro wechselte der Ungar Lajos Détári 1988 zu Olympiakos Piräus. Zum Abschied gewann er mit der SGE den DFB-Pokal.
Für die damalige Wahnsinns-Summe von 8,7 Millionen Euro wechselte der Ungar Lajos Détári 1988 zu Olympiakos Piräus. Zum Abschied gewann er mit der SGE den DFB-Pokal. © IMAGO/HJS
Trotz mehrmaliger Leihen konnte sich Paxten Aaronson in Frankfurt nie final durchsetzen. Um sich die Chance auf die Heim-WM 2026 zu erhalten, wechselt der offensive Mittelfeldspieler im Sommer 2025 für 7 Millionen Euro zu den Colorado Rapids.
Trotz mehrmaliger Leihen konnte sich Paxten Aaronson in Frankfurt nie final durchsetzen. Um sich die Chance auf die Heim-WM 2026 zu erhalten, wechselt der offensive Mittelfeldspieler im Sommer 2025 für 7 Millionen Euro zu den Colorado Rapids. © IMAGO/HMB Media/Claus
Als Teil der ursprünglichen Büffelherde schrieb Ante Rebic in Frankfurt Geschichte. Nach einer einjährigen Leihe wechselte er 2020 final zur AC Mailand. 6,7 Millionen Euro nahm die SGE mit dem Verkauf ein.
Als Teil der ursprünglichen Büffelherde schrieb Ante Rebic in Frankfurt Geschichte. Nach einer einjährigen Leihe wechselte er 2020 final zur AC Mailand. 6,7 Millionen Euro nahm die SGE mit dem Verkauf ein. © IMAGO/osnapix
Trotz seines Talents konnte sich Igor Matanovic nie so richtig in Frankfurt durchsetzen. Im Sommer 2025 wechselte er für 6,7 Millionen Euro zum SC Freiburg.
Trotz seines Talents konnte sich Igor Matanovic nie so richtig in Frankfurt durchsetzen. Im Sommer 2025 wechselte er für 6,7 Millionen Euro zum SC Freiburg. © IMAGO/Jürgen Kessler
Nach viel hin und her und einer abgebrochenen Leihe zu Werder Bremen wechselte Rafael Borré schlussendlich im März 2024 für 6,5 Millionen zu Internacional nach Brasilien.
Nach viel hin und her und einer abgebrochenen Leihe zu Werder Bremen wechselte Rafael Borré schlussendlich im März 2024 für 6,5 Millionen zu Internacional nach Brasilien. © IMAGO/Malte Ossowski/Sven Simon
Marius Wolf gewann mit der SGE 2018 den DFB-Pokal. Im selben Sommer wechselte er für 5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund.
Marius Wolf gewann mit der SGE 2018 den DFB-Pokal. Im selben Sommer wechselte er für 5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. © Uwe Kraft
Kristijan Jakic verließ die SGE im Sommer 2024 in Richtung FC Augsburg. Zuvor war er bereits ein halbes Jahr an die Schwaben ausgeliehen. Der Eintracht brachte der Verkauf 5 Millionen Euro.
Kristijan Jakic verließ die SGE im Sommer 2024 in Richtung FC Augsburg. Zuvor war er bereits ein halbes Jahr an die Schwaben ausgeliehen. Der Eintracht brachte der Verkauf 5 Millionen Euro. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Axel Kohring
In Frankfurt war für Diant Ramaj kein Vorbeikommen an Kevin Trapp. Und so wechselte er im Sommer 2023 für 5 Millionen Euro zu Ajax Amsterdam.
In Frankfurt war für Diant Ramaj kein Vorbeikommen an Kevin Trapp. Und so wechselte er im Sommer 2023 für 5 Millionen Euro zu Ajax Amsterdam. © IMAGO/Oliver Vogler
Als Bastian Oczipka 2017 für 4,5 Millionen Euro zu Schalke 04 wechselte, herrschten im deutschen Fußball noch andere Kräfteverhältnisse.
Als Bastian Oczipka 2017 für 4,5 Millionen Euro zu Schalke 04 wechselte, herrschten im deutschen Fußball noch andere Kräfteverhältnisse. © imago sportfotodienst
Omar Mascarell kam von Real Madrid zur Eintracht, gewann 2018 den DFB-Pokal und wurde von den Königlichen via Rückkaufoption für 4 Millionen Euro zurückgeholt.
Omar Mascarell kam von Real Madrid zur Eintracht, gewann 2018 den DFB-Pokal und wurde von den Königlichen via Rückkaufoption für 4 Millionen Euro zurückgeholt. © Jan Huebner
Bas Dost konnte keine tiefgreifenden Fußspuren bei der SGE hinterlassen und so wechselte er im Januar 2021 für 4 Millionen Euro zum Club Brügge.
Bas Dost konnte keine tiefgreifenden Fußspuren bei der SGE hinterlassen und so wechselte er im Januar 2021 für 4 Millionen Euro zum Club Brügge. © IMAGO/Eibner
Carlos Zambrano war sich nie für eine Diskussion mit seinen Gegenspielern zu schade. Im Sommer 2016 wechselte er für 3,5 Millionen Euro zu Rubin Kazan.
Carlos Zambrano war sich nie für eine Diskussion mit seinen Gegenspielern zu schade. Im Sommer 2016 wechselte er für 3,5 Millionen Euro zu Rubin Kazan. © imago sportfotodienst
Und auch der legendäre Jay-Jay Okocha findet in dieser Aufzählung noch seinen Platz. Im Sommer 1996 wechselte er von der Eintracht für 3,5 Millionen Euro zu Fenerbahce Istanbul.
Und auch der legendäre Jay-Jay Okocha findet in dieser Aufzählung noch seinen Platz. Im Sommer 1996 wechselte er von der Eintracht für 3,5 Millionen Euro zu Fenerbahce Istanbul. © Uwe Kraft
So wirklich konnte sich der hochveranlagte Dejan Joveljic bei der Eintrach nie durchsetzen. Im August 2021 ging es dann für 3,5 Millionen Euro zu LA Galaxy.
So wirklich konnte sich der hochveranlagte Dejan Joveljic bei der Eintrach nie durchsetzen. Im August 2021 ging es dann für 3,5 Millionen Euro zu LA Galaxy. © IMAGO/Revierfoto
Jens Petter Hauge wechselte im Anschluss an eine einjährige Leihe im Januar 2025 für 3,5 Millionen Euro fest zu Bodo/Glimt.
Jens Petter Hauge wechselte im Anschluss an eine einjährige Leihe im Januar 2025 für 3,5 Millionen Euro fest zu Bodo/Glimt. © IMAGO/Jürgen Kessler

Bei Eintracht Frankfurt ist viel in Bewegung hinter den Kulissen

Und Jesper Lindström, ebenfalls im Leistungsloch, hinterlegte bei den Eintracht-Bossen, dass er sich bei einem Angebot von einem Topklub mit entsprechender hoher Entschädigung für die Eintracht einen Wechsel kommenden Sommer durchaus vorstellen könnte. Premier-League-Spitzenreiter FC Arsenal liebäugelt seit geraumer Zeit mit einer Verpflichtung des angreifenden Dänen. Und zu guter Letzt wollen sie in Frankfurt Kolo Muani zwar gerne noch mindestens ein Jahr halten, Angebote, bei denen der Klub nicht Nein sagen kann, aber sind nicht ausgeschlossen.

Es ist zweifelsohne viel in Bewegung hinter den Kulissen, was in Teilen normal ist in diesem Geschäft, den Leistungen von manch Wechselkandidaten aber offensichtlich eher nicht weiterhilft. (Ingo Durstewitz und Daniel Schmitt)

Kommentare