Toppmöller nutzt im Taktiktalk die Expertise von Altmeister Götze
VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Frankfurt-Trainer Toppmöller muss gegen den SC Freiburg im Training auf 13 Stammkräfte verzichten und setzt auf die Rückkehr von Kristensen.
Nach geschlagenen vier trainingsfreien Tagen, die beispielsweise Altmeister Mario Götze zu einem Kurztrip in sein Lieblingsurlaubsdomizil Dubai nutzte, hat Eintracht-Trainer Dino Toppmöller seine Schützlinge am Mittwoch zur ersten Übungseinheit der neuen Woche um sich geschart. Die Reihen waren noch ganz schön gelichtet im Stadtwald, nur zwei Spieler, die in der letzten Bundesligapartie gegen Branchenführer Bayern München (0:3) in der Startformation standen, fanden sich auf dem Trainingsplatz wieder: Torwart Kaua Santos und Aurelio Buta, für gewöhnlich nun auch nicht unbedingt ein Dauerbrenner in der ersten Elf.
Mit dabei aus dem erweiterten Pool an Stammpersonal nur noch: Mario Götze, Elye Wahi, Ansgar Knauff – und Rasmus Kristensen. Der 28-Jährige ist so etwas wie die personifizierte Hoffnung auf die Wende zum Guten. Der Mentalitätsspieler hat seine Muskelverletzung endgültig auskuriert und brennt auf seine Rückkehr.
Dino Toppmöller setzt auf Meinung von Mario Götze
Schon am Mittwoch im Training lebte er Willen, Leidenschaft und Zweikampfliebe vor. Mit ihm ist ein anderes Feuer und eine andere Lautstärke auf dem Platz. Er soll entscheidend dazu beitragen, die Schwemme an Gegentoren einzudämmen.
Allein seine persönliche Statistik unterfüttert den Glauben an Besserung: Mit dem Dänen auf dem Rasen holte die Eintracht drei Siege bei 12:2 Toren. Ohne ihn setzte es in sechs Begegnungen vier (teils empfindliche) Niederlagen mit sage und schreibe 20 Gegentoren, davon 14 in den letzten vier Bundesligaduellen. Ein beispielloser Torhagel, nie in der Historie schlug es öfter ein im Frankfurter Heiligtum.
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So oder so: Eine gezielte Vorbereitung auf das nächste Bundesligaduell ist mit so wenigen Stammkräften nur schwerlich möglich, mehr als eine ganze Mannschaft fehlte Chefcoach Toppmöller am Mittwoch, genauer gesagt: 13 Akteure, darunter auch die deutschen Nationalspieler Jonathan Burkardt, Robin Koch und Nathaniel Brown. Nnamdi Collins kuriert zudem noch seinen grippalen Infekt aus.
Interessant allemal: Nach der Einheit schnappte sich Chefcoach Toppmöller seinen Chefstrategen Götze zum Taktiktalk auf dem Trainingsplatz an der Wintersporthalle. Eine gute Viertelstunde tauschten sich die beiden Fußballsachverständigen mit Händen und Füßen aus. Was besprochen wurde? Geheimsache, natürlich.
Erst am Freitag wird die Truppe wieder komplett sein, dann werden auch Ritsu Doan, Fares Chaibi und Oscar Hojlund wieder ihren Dienst antreten. Nur zwei Tage vor dem fälligen Bundesligaspiel beim SC Freiburg. Ein gutes Stichwort. Am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) geht es für die Eintracht ausgerechnet dorthin, wo sie sich selbst ihren großen Traum von der Champions League erfüllte, in den Breisgau.
Einztracht Frankfurt steht vor langem Weg an die Spitze
Im Mai trotzten die Hessen am Fuße des Schwarzwalds den düsteren Prognosen für das große Finale und auch einem Spielstand, der so ziemlich das Gegenteil von optimal war: 0:1-Rückstand bis tief in die erste Hälfte, die Königsklasse schien zwischen den Händen zu zerrinnen.
Doch dann, man erinnert sich gar nicht dunkel in Frankfurt, brachte Ansgar Knauff seine Hacke ins Spiel, Philipp Lienhart trat ein astreines Luftloch, zack, 1:1, kurz vor der Pause. Der bärenstarke Kristensen und Ellyes Skhiri machten den Deckel darauf auf den 3:1-Erfolg, den Türöffner zur royalen Kaste Europas. Ein gutes Omen also?
Fakt ist, dass sich die Gefühlslage am Main den herbstlichen Tagen angepasst hat. Nicht alles grau und in grau, aber auch weit weg von einem Goldenen Oktober. Das liegt in erster und zweiter Linie an den beiden ernüchternden Auftritten vor der zweiten durch Länderspiele bedingten Bundesligapause in dieser Saison: 1:5 in der Champions League bei Atletico Madrid, 0:3 gegen die Bayern in der Bundesliga. Schlimmer als die Ergebnisse noch war die Chancenlosigkeit der Eintracht-Mannschaft.
Frankfurt erwartet nach Freiburg das Star-Essemble aus Liverpool
Da haben sehr wohl ein paar Zweifel das schöne Selbstverständnis malträtiert, denn die Erkenntnis ist vielleicht keine exklusive, aber doch eine schmerzhafte: Die wirklichen Großkaliber sind einfach noch sehr viel größer, die wirklichen Schwergewichte noch ungleich schwerer als die Hessen. Der Weg in die absolute Spitze ist ein weiter und steiniger, zumal dann, wenn jedes Jahr die besten Spieler verkauft werden. Vielleicht wähnte sich die Eintracht (und ihre notorisch aufgeregten Begleiter) auch weiter, als sie tatsächlich ist.
Der Partie in Freiburg kommt insofern einige Bedeutung zu, da sie den Auftakt zu zwei knackigen Wochen darstellt. Im Anschluss kommt der FC Liverpool am Mittwoch in der Königsklasse nach Frankfurt, ehe es in der Liga erneut im Waldstadion gegen den FC St. Pauli und danach zu Hause im Pokal gegen Borussia Dortmund geht.
Den Abschluss bildet die Begegnung am Samstag, 1. November, beim 1. FC Heidenheim. Fünf Begegnungen in 13 Tagen. Eine Standortbestimmung. Denn gerade in der Liga muss die Eintracht gegen diese Gegner im Grunde neun, zumindest aber sieben Punkte holen, um ihre Ambitionen zu untermauern. Und kleiner geworden sind diese auch im flatterhaften Herbst nicht.