Champions League

Eintracht Frankfurt in Neapel: Zäh, aber zählbar

  • schließen

Mit einer defensivstarken Leistung stoppt Eintracht Frankfurt auswärts den Negativlauf in der Champions League gegen den italienischen Meister.

Neapel – Unmittelbar vor dem vierten Champions-League-Auftritt in dieser Spielzeit, dieses Mal in Neapel am Fuße des Vesuv, meldete sich Eintracht-Trainer Dino Toppmöller gesund. Zumindest so halbwegs. Infusionen und eine ganze Stange Tabletten haben den 44-Jährigen aufgepäppelt, den heftigen grippalen Infekt in die Defensive gedrängt. Angeschlagen war er immer noch, der Chefcoach, aber er gab am Dienstagvormittag die klare Losung aus: „Wir wollen in der Höhle des Löwen bestehen.“

Auf ihn ist Verlass: Einracht-Torwart Michael Zetterer, ganz in Gelb.

Und das schaffte sein Team dann auch. In einem niveauarmen, aber engagiert geführten Duell in der Königsklasse kamen die Hessen zu einem torlosen Remis beim italienischen Titelträger SSC Neapel und stoppten damit den Negativlauf in diesem Wettbewerb. Die Eintracht verdiente sich den Punkt mit einer disziplinierten und defensivstarken Leistung. „Das ist ein Punktgewinn für uns“, sagte Dino Toppmöller und lobte zu Recht „eine taktisch-defensive herausragende“ Darbeitung. „Es war eine sehr reife, erwachsene Leistung.“ Kein Widerspruch.

Negativlauf gestoppt

Eine gute Nachricht gab es schon weit vor dem Anpfiff: Alle Befürchtungen, die schlimmen Randale von vor zwei Jahren könnten sich wiederholen und die Eintracht-Hools würden trotz des Verbots erst recht in die verbotene Stadt reisen, erwiesen sich als haltlos. Neapel präsentierte sich von seiner schönsten Seite, 21 Grad, sanfter Sonnenschein, und in dem quirligen Zentrum mit seinen engen Gassen pulsierte das Leben. Ganz friedlich. Und überall: Diego Armando Maradona, der Heilige Napolis.

Dino Toppmöller nahm gleich fünf Änderungen in der Startformation vor, Nnamdi Collins, Fares Chaibi, Jean-Matteo Bahoya, Mario Götze und Jonathan Burkardt rotierten in die erste Elf. Erstmals in dieser Saison auf der Bank Platz nehmen musste Ritsu Doan, der in den zurückliegenden beiden Partien auch eher einen verkappten Rechtsverteidiger gab. Seine Stärken blieben da auf der Strecke.

XXL-Blockfahne, Heimatverbundenheit und „ewiger Oka“: Diese Eintracht-Choreos gehen unter die Haut

Choreo der Frankfurter Fans beim Bundesliga-Spiel gegen Nürnberg im Jahr 2009.
Die Frankfurter Fans erinnern beim Bundesliga-Spiel 2009 gegen Nürnberg an die bisher einzige Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte. © imago sportfotodienst
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Duell in der Gruppenphase gegen Maccabi Tel Aviv (2013).
„SGE“ prangt in Rot auf der Nordwestkurve beim Europa-League-Duell gegen Maccabi Tel Aviv im Jahr 2013. © imago sportfotodienst
Die Frankfurter Fans widmen beim Bundesliga-Spiel 2013 gegen Augsburg Oka Nikolov eine große Choreo.
Der „ewige Oka“ (Oka Nikolov) wird 2013 beim Bundesliga-Spiel gegen Augsburg von den Frankfurter Fans gebührend verabschiedet. © imago sportfotodienst
Choreo der Frankfurter Fans in der Nordwestkurve vor dem Bundesliga-Spiel gegen den SV Darmstadt 98 (2015).
„Hessenland mein Königreich“: Die Frankfurter Fans zelebrieren das Hessen-Derby 2015 gegen Darmstadt. © imago sportfotodienst
Choreo der Frankfurter Fans beim Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart in der Saison 2017/2018.
Die SGE-Fans spielen 2017 beim Bundesliga-Spiel gegen Stuttgart auf die Apfelwein-Kultur und die grüne Soße der Stadt Frankfurt an. © DeFodi.de/IMAGO
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Heimspiel 2018 gegen Lazio Rom.
„Hier holten wir den Pokal - auf ihr schwarz-weissen Helden holt ihn noch einmal“ steht auf der Gegengerade geschrieben. Die Nordwestkurve zeigt einen wütenden Adler. Mit dieser Choreo erinnerten die Frankfurter Fans beim Europa-League-Heimspiel 2018 gegen Lazio Rom an den UEFA-Cup-Sieg von 1980. © Jan Huebner/Ulrich/Imago
Choreo der Frankfurt-Fans beim Europa-League-Duell in der Gruppenphase gegen Apollon Limassol (2018).
Imposante Choreo in den Vereinsfarben Schwarz, Weiß und Rot beim Europa-League-Duell 2018 in der Gruppenphase gegen Apollon Limassol. © Jan Huebner/Herkert
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Duell 2018 in der Gruppenphase gegen Olympique Marseille.
Fahnen soweit das Auge reicht, weiße Luftschlangen und mehr: Diese Choreo beim Europa-League-Duell 2018 in der Gruppenphase gegen Olympique Marseille wusste zu gefallen. © Jan Huebner/Herkert/Imago
Choreo der Frankfurt-Fans beim Europa-League-Achtelfinale 2019 gegen Inter Mailand.
„Glorreiche Zeiten, traurige Tage. Wir stehen zur Eintracht, gar keine Frage“ steht auf der Gegentribüne geschrieben. Die Zahl 120 ziert die Nordwestkurve. Eintracht Frankfurt feiert das 120-jährige Vereinsjubiläum beim Achtelfinal-Hinspiel der Europa League im Jahr 2019 gegen Inter Mailand. © rscp - FRANK HEINEN/Imago
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Viertelfinale 2019 gegen Benfica Lissabon.
Das ganze Stadion macht mit: Spektakuläre Choreo in Schwarz und Weiß der Frankfurter Fans beim Europa-League-Viertelfinale 2019 gegen Benfica Lissabon. © Jan Huebner/Scheiber/Imago
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Halbfinale 2019 gegen den FC Chelsea.
Diese Choreo hat Eindruck gemacht: Frankfurts Fans präsentieren 2019 beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea eine riesige selbstgemalte Blockfahne. © rscp - FRANK HEINEN/Imago
Choreo der Frankfurter Anhänger beim Europa-League-Qualifikationsspiel der 2. Runde gegen den FC Flora Tallinn.
Die Nordwestkurve hat sich beim Europa-League-Qualifikationsspiel der 2. Runde (2019) gegen den FC Flora Tallinn ganz in Weiß herausgeputzt. © Jan Huebner/Imago
Choreo der Frankfurter Fans in Runde 3 der Qualifikation für die Europa League gegen den FC Vaduz.
Schön anzusehen: Die SGE-Fans tauchen die Nordwestkurve beim Europa-League-Qualifikationsspiel (2019) gegen den FC Vaduz in Rot. © Revierfoto/Imago
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona anlässlich des Todes von Jürgen Grabowski.
Emotional: Die SGE-Fans gedenken der verstorbenen Vereinslegende Jürgen Grabowski beim Europa-League-Viertelfinale 2022 gegen den FC Barcelona. © osnapix/IMAGO
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Halbfinale 2022 gegen West Ham United.
„Meine Stadt, mein Verein“: Die Frankfurter Fans feiern ihre Heimat beim Europa-League-Halbfinale 2022 gegen West Ham United. © Patrick Scheiber/IMAGO
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Finale 2022 in Sevilla gegen die Glasgow Rangers.
Historisches Spiel, historische Choreo: Die Fans von Eintracht Frankfurt beeindrucken mit einer rund 50.000 Euro teuren Darbietung beim Europa-League-Finale 2022 gegen Glasgow Rangers. © Florian Ulrich/IMAGO
Choreo der Frankfurter Anhänger am 1. Spieltag der Vorrunde in der Champions League gegen Sporting Lissabon.
Teil 1 der Frankfurter Choreo beim Champions-League-Auftakt der SGE gegen Sporting Lissabon in der Saison 2022/2023. © osnapix/IMAGO
Choreo der Frankfurter Fans in der Nordwestkurve am 1. Spieltag der Champions-League-Vorrunde 2022/2023 gegen Sporting Lissabon.
Teil 2 der Frankfurter Choreo beim Champions-League-Auftakt der SGE gegen Sporting Lissabon in der Saison 2022/2023. © Ulrich Hufnagel/IMAGO
Eintracht Frankfurts Fans präsentieren eine Titel-Choreografie beim DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig in der Saison 2022/2023.
Titelsammlung der Eintracht: Die Frankfurter Fans blicken beim DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig in der Saison 2022/2023 auf die großen Triumphe der Klub-Geschichte zurück. © Patrick Scheiber/IMAGO
Choreo beim Bundesliga-Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig am 34. Spieltag der Saison 2023/2024.
Die SGE-Fans feiern am letzten Spieltag der Saison 2023/2024 verdiente Frankfurt-Spieler wie Bernd Hölzenbein und Bruno Pezzey.  © Florian Ulrich/IMAGO
Choreo in der Nordwestkurve von Eintracht Frankfurt beim Europa-League-Spiel gegen Ferencváros Budapest.
Tradition pur: Die Choreo der Eintracht-Fans am vorletzten Spieltag der Ligaphase in der Europa-League-Saison 2024/2025 bildet das Gründungsjahr des Vereins ab.  © osnapix / Marcus Hirnschal/IMAGO
Die Fans von Eintracht Frankfurt präsentieren ihre Choreografie beim Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen.
Emotionale Choreo in Bremen: Die SGE-Fans ehren am 28. Spieltag der Saison 2024/2025 Eintracht-Idole wie Uwe Bein oder Anthony Yeboah. © osnapix / Marcus Hirnschal/IMAGO

Dennoch war die Hereinnahme von Collins und der Bankplatz für Doan ein klares Zeichen, in welche Richtung es gehen würde. Der Plan des Fußballlehrers in Süditalien war relativ klar und leicht zu durchschauen: Seine Mannschaft sollte zunächst einmal gut und massiert stehen, den Neapolitanern den Spaß am Spiel nehmen.

Dino Toppmöller baute auf ein 5-3-2, hinten mit Rasmus Kristensen, Collins, dem starken Kapitän Robin Koch, Arthur Theate und Nathaniel Brown. Davor mit Götze im rechten und Fares Chaibi im linken Mittelfeld, in der Zentrale Hugo Larsson. Und ganz vorne sollten der Wühler Jonathan Burkardt und der schnelle Jean-Matteo Bahoya für Entlastung sorgen. Das klappte nicht so gut. Die Eintracht beschränkte sich aufs Verteidigen. Die Italiener brannten nun auch nicht unbedingt ein Feuerwerk ab, waren aber gerade zu Beginn der Begegnung deutlich agiler und spielfreudiger, sie waren es, die sich überhaupt mal halbwegs gefährlich dem Tor näherten.

Eintracht-Keeper Michael Zetterer musste in der Anfangsphase gleich zweimal hellwach zur Stelle sein, einmal gegen Rasmus Hojlund (6.), den Bruder des verletzten Frankfurter Mittelfeldspielers Oscar. Und dann gegen einen Schuss des anfangs von Kristensen nur schwer zu kontrollierendem Eljif Elmas (13.). Die Gäste aus Deutschland traten im ersten Durchgang offensiv eigentlich nur einmal zutage, sehr früh schon nach drei Minuten: Ein harmloses Schüsschen von Bahoya fing SSC-Torwart Vanja Milinkovic-Savic locker ab. Das war es so ziemlich.

Doan rückt auf die Bank

Und weil auch den Platzherren herzlich wenig einfiel, entwickelte sich ein traniges Fußballspiel, das für neutrale Zuschauer eine echte Herausforderung darstellte. Mit zäh und schwergängig war das Gebotene noch euphemistisch beschrieben. Doch der Zweck heiligt die Mittel.

Für die Eintracht ging es darum, in der Königsklasse mal wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben, auch beim italienischen Meister, und es ging auch darum, einen Punkt mitzunehmen, ganz profan und rein tabellarisch gesehen. Der könnte in der Endabrechnung noch wichtig werden. Und man muss es auch erst einmal schaffen, dem Spitzenreiter der Serie A im Grunde keine echte Torchance zu erlauben – außer in dessen Drangphase zum Schluss.

Im zweiten Abschnitt hatte Ansgar Knauff gar eine gute Möglichkeit, doch seinen unplatzierten Schuss hielt Milinkovic-Savic (74.). Die Eintracht, so viel ist erst recht nach der dreifachen Rettungstat von Keeper Michael Zetterer in der Nachspielzeit klar, hat sich letztlich diesen Punkt redlich verdient.

Rubriklistenbild: © Andreas Solaro/AFP

Kommentare