Mit einer defensivstarken Leistung stoppt Eintracht Frankfurt auswärts den Negativlauf in der Champions League gegen den italienischen Meister.
Neapel – Unmittelbar vor dem vierten Champions-League-Auftritt in dieser Spielzeit, dieses Mal in Neapel am Fuße des Vesuv, meldete sich Eintracht-Trainer Dino Toppmöller gesund. Zumindest so halbwegs. Infusionen und eine ganze Stange Tabletten haben den 44-Jährigen aufgepäppelt, den heftigen grippalen Infekt in die Defensive gedrängt. Angeschlagen war er immer noch, der Chefcoach, aber er gab am Dienstagvormittag die klare Losung aus: „Wir wollen in der Höhle des Löwen bestehen.“
Und das schaffte sein Team dann auch. In einem niveauarmen, aber engagiert geführten Duell in der Königsklasse kamen die Hessen zu einem torlosen Remis beim italienischen Titelträger SSC Neapel und stoppten damit den Negativlauf in diesem Wettbewerb. Die Eintracht verdiente sich den Punkt mit einer disziplinierten und defensivstarken Leistung. „Das ist ein Punktgewinn für uns“, sagte Dino Toppmöller und lobte zu Recht „eine taktisch-defensive herausragende“ Darbeitung. „Es war eine sehr reife, erwachsene Leistung.“ Kein Widerspruch.
Negativlauf gestoppt
Eine gute Nachricht gab es schon weit vor dem Anpfiff: Alle Befürchtungen, die schlimmen Randale von vor zwei Jahren könnten sich wiederholen und die Eintracht-Hools würden trotz des Verbots erst recht in die verbotene Stadt reisen, erwiesen sich als haltlos. Neapel präsentierte sich von seiner schönsten Seite, 21 Grad, sanfter Sonnenschein, und in dem quirligen Zentrum mit seinen engen Gassen pulsierte das Leben. Ganz friedlich. Und überall: Diego Armando Maradona, der Heilige Napolis.
Dino Toppmöller nahm gleich fünf Änderungen in der Startformation vor, Nnamdi Collins, Fares Chaibi, Jean-Matteo Bahoya, Mario Götze und Jonathan Burkardt rotierten in die erste Elf. Erstmals in dieser Saison auf der Bank Platz nehmen musste Ritsu Doan, der in den zurückliegenden beiden Partien auch eher einen verkappten Rechtsverteidiger gab. Seine Stärken blieben da auf der Strecke.
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Dennoch war die Hereinnahme von Collins und der Bankplatz für Doan ein klares Zeichen, in welche Richtung es gehen würde. Der Plan des Fußballlehrers in Süditalien war relativ klar und leicht zu durchschauen: Seine Mannschaft sollte zunächst einmal gut und massiert stehen, den Neapolitanern den Spaß am Spiel nehmen.
Dino Toppmöller baute auf ein 5-3-2, hinten mit Rasmus Kristensen, Collins, dem starken Kapitän Robin Koch, Arthur Theate und Nathaniel Brown. Davor mit Götze im rechten und Fares Chaibi im linken Mittelfeld, in der Zentrale Hugo Larsson. Und ganz vorne sollten der Wühler Jonathan Burkardt und der schnelle Jean-Matteo Bahoya für Entlastung sorgen. Das klappte nicht so gut. Die Eintracht beschränkte sich aufs Verteidigen. Die Italiener brannten nun auch nicht unbedingt ein Feuerwerk ab, waren aber gerade zu Beginn der Begegnung deutlich agiler und spielfreudiger, sie waren es, die sich überhaupt mal halbwegs gefährlich dem Tor näherten.
Eintracht-Keeper Michael Zetterer musste in der Anfangsphase gleich zweimal hellwach zur Stelle sein, einmal gegen Rasmus Hojlund (6.), den Bruder des verletzten Frankfurter Mittelfeldspielers Oscar. Und dann gegen einen Schuss des anfangs von Kristensen nur schwer zu kontrollierendem Eljif Elmas (13.). Die Gäste aus Deutschland traten im ersten Durchgang offensiv eigentlich nur einmal zutage, sehr früh schon nach drei Minuten: Ein harmloses Schüsschen von Bahoya fing SSC-Torwart Vanja Milinkovic-Savic locker ab. Das war es so ziemlich.
Doan rückt auf die Bank
Und weil auch den Platzherren herzlich wenig einfiel, entwickelte sich ein traniges Fußballspiel, das für neutrale Zuschauer eine echte Herausforderung darstellte. Mit zäh und schwergängig war das Gebotene noch euphemistisch beschrieben. Doch der Zweck heiligt die Mittel.
Für die Eintracht ging es darum, in der Königsklasse mal wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben, auch beim italienischen Meister, und es ging auch darum, einen Punkt mitzunehmen, ganz profan und rein tabellarisch gesehen. Der könnte in der Endabrechnung noch wichtig werden. Und man muss es auch erst einmal schaffen, dem Spitzenreiter der Serie A im Grunde keine echte Torchance zu erlauben – außer in dessen Drangphase zum Schluss.
Im zweiten Abschnitt hatte Ansgar Knauff gar eine gute Möglichkeit, doch seinen unplatzierten Schuss hielt Milinkovic-Savic (74.). Die Eintracht, so viel ist erst recht nach der dreifachen Rettungstat von Keeper Michael Zetterer in der Nachspielzeit klar, hat sich letztlich diesen Punkt redlich verdient.