Bundesliga

Eintracht Frankfurt verliert Krimi gegen Union Berlin

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    Ingo Durstewitz
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In einem spektakulären Fußballspiel verliert Eintracht Frankfurt gegen Union Berlin mit 3:4 und muss sich vor allen Dingen über eine vogelwilde Abwehr ärgern

Frankfurt – Nach dem Wildwest-Spektakel im Frankfurter Stadtwald präsentierte sich Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche erstaunlich abgeklärt. Klar, der Mann ist Vollprofi, lässt sich nicht so sehr von Emotionen leiten. Doch dieses aufwühlende, wilde 3:4 (1:2) des hessischen Bundesligisten gegen Union Berlin hätte bei anderen für andere Gemütsregungen gesorgt. Markus Krösche aber resümierte sachlich: „Es ist ärgerlich und unnötig. Aber das gehört zum Prozess dazu, jetzt geht es weiter, dann müssen wir es besser machen.“ Ruhepuls wahrscheinlich 65.

Nichts zu machen für Kaua Santos: Oliver Burke macht sein drittes Tor zum 4:1 für Union.

Der Sportboss erwies sich gleichwohl als fairer Verlierer, räumte „die verdiente Niederlage“ unumwunden ein. Er lobte die Moral und die Einstellung seines jungen Teams, das schon geschlagen am Boden lag und scheinbar hoffnungslos mit 1:4 zurücklag, dann aber noch das 3:4 machte und am Unentschieden schnupperte. Doch es sollte nicht sein. „Wir haben zu viele Fehler gemacht und naiv gespielt“, befand der Manager. Eintracht-Kapitän Robin Koch flankierte: „Es ist sehr enttäuschend, wir haben die Tore hergeschenkt.“

Zweite Niederlage in Folge für Frankfurt

So oder so: Es ist ein herber Rückschlag für die Eintracht, die in der Liga nun zweimal hintereinander verloren hat. Der Saisonstart mit sechs Punkten ist okay, aber nicht mehr wirklich gut. Könnte spannend werden in den kommenden, anspruchsvollen Wochen. „Das sind gebrauchte Tage, die im Fußball vorkommen“, urteilte Trainer Dino Toppmöller. „Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen, sie sind angerannt mit allem, was wir hatten. Sie haben alles investiert, was drin war.“

Die Partie, drei Tage nach dem 5:1-Festakt gegen Galatasaray in der Königsklasse, begann wieder stimmungsvoll, erneut mit einer imposanten Choreografie. Dieses Mal wurde das 100-jährige Bestehen des Waldstadions gefeiert, die Anzeigetafel präsentierte sich im coolen Retrolook, und aus den Boxen klang der Evergreen von früher: „Im Wald, da spielt die Eintracht.“

Europapokal in Frankfurt: Galatasaray-Fans sorgen für prickelnde Atmosphäre – die Fotos des Tages

Am Donnerstagabend startet Eintracht Frankfurt gegen Galatasaray Istanbul in die Champions-League-Saison. Tausende Fans des türkischen Spitzenklubs werden erwartet.
Am Donnerstagabend startet Eintracht Frankfurt im Waldstadion gegen Galatasaray Istanbul in die Champions-League-Saison. Tausende Fans des türkischen Spitzenklubs werden erwartet. © IMAGO/ingo kutsche
Helmut (links) und Erhan fiebern dem Spiel schon entgegen.
Helmut (links) fiebert der Partie an der Konstablerwache schon am Vormittag entgegen. Erhan empfängt am Flughafen Frankfurt befreundete Gala-Fans. © Fritz Landenberger/Felix Fehre
Bernd Rück (links) und Uwe Mägerle am Stand von Bauer Rück‘s „Wetterauer Kartoffel GbR“.
Bernd Rück (links) und Uwe Mägerle am Stand von Bauer Rück‘s „Wetterauer Kartoffel GbR“. Die Paprika in Galatasaray-Farben sind „Zufall“. © Fritz Landenberger
In der ganzen Stadt ist die Vorfreude vor dem Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem türkischen Spitzenklub zu spüren.
In der ganzen Stadt ist die Vorfreude vor dem Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem türkischen Spitzenklub zu spüren. © Fritz Landenberger
Nicht wenige Fanherzen der türkischen Community im Rhein-Main-Gebiet schlagen für beide Vereine.
Nicht wenige Fanherzen der türkischen Community im Rhein-Main-Gebiet schlagen für beide Vereine. Verkäuferin Laura ist aus Kaiserslautern angereist. © Fritz Landenberger
Vahit (links) ist aus Stuttgart angereist.
Vahit (links) ist aus Stuttgart angereist. © Fritz Landenberger
Sonniger Blick nach Frankfurt
Ganz nebenbei ist der Spätsommer mit voller Kraft in Frankfurt angekommen. Bis zum Anstoß herrscht bestes Wetter. Hier der Blick von Oberursel aus auf Frankfurt am Donnerstagvormittag. © Imago/Jan Eifert
Bereits am Nachmittag duellieren sich die U19-Teams von der Eintracht und Galatasaray in der Youth League im Sportpark Dreieich.
Bereits am Nachmittag duellieren sich die U19-Teams von der Eintracht und Galatasaray in der Youth League im Sportpark Dreieich.  © Imago/Joaquim Ferreira
Mehmet, Hadem, Mehmet und Emre (von links nach rechts) haben sich gerade erst auf dem Römerberg kennengelernt.
Mehmet, Hadem, Mehmet und Emre (von links nach rechts) haben sich gerade erst auf dem Römerberg kennengelernt. © Fritz Landenberger
Fan Azat bemalt die Gesichter der Gästefans in den Vereinsfarben.
Fan Azat bemalt die Gesichter der Gästefans in den Vereinsfarben. © Fritz Landenberger
Fans aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der Türkei und Rumänien stimmen sich auf das Spiel ein.
Fans aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der Türkei und Rumänien stimmen sich auf das Spiel ein. © Fritz Landenberger
Trommler Burak heizt am Römer ein. Er lebt seit zwei Jahren in Dortmund, stammt aus Izmir. Karten für das Spiel hat er diesmal nicht ergattert, trotzdem ist die Vorfreude groß.
Trommler Burak heizt am Römer ein. Er lebt seit zwei Jahren in Dortmund, stammt aus Izmir. Karten für das Spiel hat er diesmal nicht ergattert, trotzdem ist die Vorfreude groß. © Fritz Landenberger
Los geht‘s: Der Fanmarsch setzt sich in Bewegung. Vom Römerberg geht es zum Hauptbahnhof. Dann per Bahn weiter ins Stadion.
Los geht‘s: Der Fanmarsch setzt sich in Bewegung. Vom Römerberg geht es zum Hauptbahnhof. Dann per Bahn weiter ins Stadion.  © Fritz Landenberger
Rund 1.000 Fans sind auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof.
Rund 1.000 Fans sind auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof. © Fritz Landenberger
Mit Fangesängen stimmen sich die Anhänger von Galatasaray auf das Spiel ein.
Mit Fangesängen stimmen sich die Anhänger von Galatasaray auf das Spiel ein. © Boris Roessler/dpa
Gefährliche Situation: Immer wieder zünden Fans Böller und Pyros in der Menge.
Gefährliche Situation: Immer wieder zünden Fans Böller und Pyros in der Menge. © Boris Roessler/dpa
Erinnerungsfoto vom Fanmarsch.
Erinnerungsfoto vom Fanmarsch.  © Michael Brandt/dpa
Das Medieninteresse ist groß: Mehrere Journalisten begleiten den Fanzug.
Das Medieninteresse ist groß: Mehrere Journalisten begleiten den Fanzug. © Fritz Landenberger
Immer wieder stockt der Fanzug. Diesmal wurde der Marsch unterbrochen, weil Fans wohl Raketen zündeten.
Immer wieder stockt der Fanzug. Diesmal wurde der Marsch unterbrochen, weil Fans wohl Raketen zündeten. © Fritz Landenberger
Die Galatasaray-Anhänger füllen die Gutleutstraße – mit lautstarken Fangesängen marschieren sie gemeinsam zum Hauptbahnhof.
Die Galatasaray-Anhänger füllen die Gutleutstraße – mit lautstarken Fangesängen marschieren sie zum Hauptbahnhof.  © Fritz Landenberger
Der Fanmarsch wird von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei begleitet.
Der Fanmarsch wird von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei begleitet. © Boris Roessler/dpa
Vorneweg der Wasserwerfer der Polizei.
Vorneweg: Der Wasserwerfer der Polizei. © Fritz Landenberger
Das Spezialfahrzeug mit großen Wassertanks.
Das Spezialfahrzeug mit großen Wassertanks. © Boris Roessler/dpa
Ein weiteres Mal stoppt die Polizei den Fanmarsch wegen gezündeter Pyrotechnik.
Ein weiteres Mal stoppt die Polizei den Fanmarsch wegen gezündeter Pyrotechnik.  © Fritz Landenberger
Die Vorfreude auf das Spiel scheint riesig zu sein.
Die Vorfreude auf das Spiel scheint riesig zu sein. © Boris Roessler/dpa
Fans zünden Pyros auf dem Weg zum Hauptbahnhof.
Fans zünden Pyros auf dem Weg zum Hauptbahnhof. © Michael Brandt/dpa
Die Galatasaray-Fans sind am Hauptbahnhof angekommen. Nun werden am Südeingang die Spieltickets kontrolliert. Nur mit diesen kommen sie mit den Sonderzügen zum Stadion.
Die Galatasaray-Fans sind am Hauptbahnhof angekommen. Nun werden am Südeingang die Spieltickets kontrolliert. Nur mit diesen kommen sie mit den Sonderzügen zum Stadion. © Fritz Landenberger
Viel los am Hauptbahnhof: Mit Polizeibegleitung geht es mit S-Bahnen zum Stadion.
Viel los am Hauptbahnhof: Mit Polizeibegleitung geht es mit S-Bahnen zum Stadion. © Boris Roessler/dpa
Diese S8 ist mit Fans und Polizisten ordentlich gefüllt. Sie bringt die Fußballanhänger nun zum Stadion.
Diese S8 ist mit Fans und Polizisten ordentlich gefüllt. Sie bringt die Fußballanhänger nun zum Stadion. © Fritz Landenberger
Die Fans von Galatasaray Istanbul begrüßen ihre Mannschaft im Waldstadion.
Die Fans von Galatasaray Istanbul begrüßen ihre Mannschaft im Waldstadion. © Uwe Anspach/dpa
Emotionaler Moment vor Spielbeginn: Kevin Trapp verabschiedet sich von den SGE-Fans.
Emotionaler Moment vor Spielbeginn: Kevin Trapp verabschiedet sich von den SGE-Fans. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Konfetti und Choreo der Frankfurter Fans.
Konfetti und Choreo der Frankfurt-Fans. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Die SGE führt zur Halbzeitpause 3:1 – das gefällt den Fans.
Die SGE führt zur Halbzeitpause 3:1 – das gefällt den Fans. © Uwe Anspach/dpa

Die Frankfurter ließen sich von den schönen Bildern offenbar auch gleich mal ein bisschen inspirieren, Linksverteidiger Nathaniel Brown war es, der mit einem fiesen Flatterball Union-Keeper Frederik Rönnow prüfte und auch ein bisschen überraschte. Irgendwie bekam der Ex-Eintracht-Schlussmann aber noch die Faust an den Ball (7.). So sollte es aber nicht weitergehen, analog zum Champions-League-Spiel gegen Gala klingelte es abermals früh im Tor der Hessen.

Rückkehr von Eintracht-Keeper Kaua Santos ohne Wirkung

Den Gegentreffer durch Ilyas Ansah leitete Kapitän Robin Koch mit einem doppelten Fehlpass und Hugo Larsson mit einem unglücklichen Abspiel ein. Kaua Santos im Kasten der Frankfurter war gegen den platzierten Schuss ins lange Eck chancenlos. Der Brasilianer war erwartungsgemäß in die Kiste zurückgekehrt und löste Michael Zetterer ab. Gebracht hat es nichts. Den Beweis, mit dem Ball am Fuß annähernd so gut wie Zetterer zu sein, blieb Santos schuldig. Mehr noch: Man merkte ihm die fehlende Spielpraxis an, oft genug fehlte das rechte Timing, etwa beim 1:4. Zum Ende der Partie kam er auf Betriebstemperatur.

Die Platzherren präsentierten sich in der Folge ganz schön fehleranfällig, vor allem aber spielten sie zu langsam und behäbig. Natürlich standen die Berliner geballt in der eigenen Hälfte, und natürlich ist es die Königsdisziplin, einen tiefen Block auszuhebeln. Aber ein paar Ideen mehr sollten es schon sein, Esprit suchte man vergebens. Stattdessen wurde der Ball zu oft quer und zurück gepasst, das Spieltempo war zu langsam. Entsprechend hatten die Eisernen keine Mühe, die Angriffe der Eintracht locker wegzuverteidigen.

Und sie schlugen nach Kontern eiskalt zu, der schnelle Oliver Burke etwa setzte sich nach einem abgewehrten Einwurf der Eintracht tatsächlich gegen drei Frankfurter durch und schoss eiskalt zum 0:2 ein (32.). Ein Wirkungstreffer für die Gastgeber, die aber nach dem 1:2 durch Nathaniel Brown, dessen Schuss Can Uzun noch leicht abfälschte, wieder Morgenluft witterten (45.). Das Tor fiel, kurz vor dem Pausenpfiff, zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt. Sagt man ja so. Doch dieses Mal war das ein Trugschluss.

Schlagabtausch zum Schluss zwischen Frankfurt und Union

Denn Union machte mit den Hessen nach Wiederanpfiff kurzen Prozess. Der bockstarke Ansah narrte die komplette und völlig neben den Schuhen stehende Eintracht-Deckung, legte ab zum furiosen Andrej Ilic, der flankte auf den überragenden Burke, 1:3 (53.). Drei Minuten später: Ilic auf Burke, 1:4. Drei Treffer Burke, vier Assists Ilic – gibt es auch nicht alle Tage. Der Doppelschlag war scheinbar das Ende für die Eintracht, deren Abwehr einem Torso glich und die vorne jede Durchschlagskraft vermissen ließ.

Doch dann, oh Wunder, die plötzliche sportliche Auferstehung. Der agile Can Uzun verkürzte auf 2:4 (80.). Und plötzlich war das Stadion wieder da, die Frankfurter setzten alles auf eine Karte und berannten mit wilden Angriffen das Union-Tor. Und sie kamen tatsächlich noch einmal zurück: der eingewechselte Jonathan Burkardt verwandelte einen Strafstoß zum 3:4 (87.). Natürlich stand das Stadion dann Kopf, und die Eintracht warf in der Schlussphase und der zehnminütigen Nachspielzeit alles nach vorne, doch reichen sollte es am Ende nicht mehr.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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