Bundesliga

Eintracht Frankfurt: Zu verkopft und zu umständlich

+
Schütze zum Ausgleich, immerhin: Rasmus Kristensen (li.).
  • schließen

Nach dem Remis gegen Heidenheim wächst in Frankfurt der Frust: Die Hessen müssen aufpassen, den Anschluss nach oben nicht zu verlieren.

Vielleicht ist Chefeinpeitscher Rasmus Kristensen am späten Samstagnachmittag an der Ostalb ein klein wenig übers Ziel hinausgeschossen. Der Eintracht-Verteidiger konstatierte nach dem insgesamt enttäuschenden 1:1 des Frankfurter Bundesligisten gegen den 1. FC Heidenheim staubtrocken: „Wir haben insgesamt ein gutes Spiel gemacht, in der zweiten Halbzeit sogar ein super Spiel.“ Eine doch gewagte Analyse. Aber ist ja auch nicht schlimm, wenn die eigene Wahrnehmung von der anderer abweicht.

Objektiv betrachtet hat Eintracht Frankfurt auswärts in Heidenheim kein super Spiel gemacht, nicht mal ein gutes. Es war im zweiten Durchgang ganz passabel, im ersten sehr überschaubar. Und das Unentschieden nicht mal ungerecht. Fand auch Jonathan Burkardt. „Insgesamt geht das Ergebnis in Ordnung“, sagte der Stürmer, dieses Mal aus Gründen der Belastungssteuerung nur eingewechselt. „Wir hatten leichte Vorteile, aber nicht so viele, dass wir das Spiel hätten gewinnen müssen.“

Klar, zweimal flog der Ball an die Querlatte, einmal nach einem Kopfball von Ellyes Skhiri (46.), einmal nach einer Rettungstat von FCH-Verteidiger Marnon Busch (69). Einen fulminanten Schuss von Arthur Theate lenkte der aufmerksame Ex-Eintracht-Keeper Diant Ramaj zudem über die Querlatte (86.) – und, gar keine Frage: Glücklos-Stürmer Elye Wahi hätte kurz vor dem Pausenpfiff den Ausgleich erzielen müssen, doch der Franzose brachte das Kunststück fertig, den Ball nicht im leeren Tor unterzubringen. Solch eine „Rettungstat“ war ihm vor einigen Wochen schon mal beim Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim gelungen (siehe Bericht auf der folgenden Seite). Haarsträubend.

Und dann gab es ja noch die Verwirrung um das schöne Wahi-Tor, das von Schiedsrichter Christian Dingert zurückgepfiffen wurde, weil Arthur Theate zuvor gefoult haben soll (23.). Eine grenzwertige bis falsche Entscheidung, die für Unmut im Eintracht-Lager sorgte. „Extrem ärgerlich“ sei das, sagte Trainer Dino Toppmöller.

Toppmöller kritisiert Schiri – das muss nicht sein

Das Spiel hätte sonst womöglich eine ganz andere Wendung genommen, es wäre schließlich die Führung für den Champions-League-Teilnehmer gewesen, so machte hingegen der Abstiegskandidat zehn Minuten später das 1:0 durch Budu Zivzivadze nach einem feinen Konter. Frappierend und alarmierend: Es war schon der fünfte Treffer nach einem schnellen Gegenstoß des Gegners. Das ist ein bisschen zu viel.

Der sonst so besonnene und auf Ausgleich bedachte Toppmöller haderte mit der Leistung des Referees und machte sie gleich mehrfach zum Thema. „Es zieht sich in den letzten Wochen durch, dass die eine oder andere Entscheidung gegen uns ausfällt“, monierte er. „Das dürfen wir nicht mehr akzeptieren. Das ist definitiv nicht mehr hinnehmbar.“ Wird ihm dennoch nichts anderes übrig bleiben.

Generell gilt: Bei allem verständlichen Frust ist es nie eine gute Idee, die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen – was die Frankfurter Verantwortlichen eigentlich auch nicht machen. Natürlich will der Fußballlehrer in diesem Fall, die Unparteiischen sensibilisieren und sie auf etwas aufmerksam machen. Das mag aus seiner Sicht richtig und wichtig sein, doch es ist gerade in der aufgeheizten Branche grundsätzlich besser, über den Dingen zu stehen und einen staatsmännischen Ansatz zu wählen.

Ärgern sollte sich der Cheftrainer vielmehr über seine Mannschaft, die es nicht schafft, ihre beste Leistung verlässlich auf den Platz zu bringen. Dabei hatte am Dienstag nach dem bravourösen Pokalkampf gegen Borussia Dortmund selbst Vorstandssprecher Axel Hellmann eindringlich appelliert, dass diese Performance jetzt der Maßstab sein müsse. Doch seine Worte verhallten ungehört.

Gerade im ersten Durchgang spielte die Eintracht gegen einen sehr tief stehenden Gegner viel zu langsam und behäbig. Da wurde von rechts nach links, zaghaft vor und wieder zurück gepasst. Quälendes Ballgeschiebe, ohne Ideen, Kreativität, Wucht oder Tempo. Das Ganze erinnerte frappierend an den einschläfernden Fußball von vor zwei Jahren. Da sind keine Prinzipien erkennbar, keine Strategie, das Spiel wirkt mechanisch, schablonenhaft, ja völlig verkopft. Die Eintracht wäre gut beraten, die Dinge wieder einfach zu halten.

Burkardt: „Für unsere Ansprüche zu wenig“

Auch im zweiten Abschnitt, der klar besser war, fehlte der letzte Kick, der Punch. Natürlich hätten die Hessen die Partie auch gewinnen können, nach dem Ausgleich durch Rasmus Kristensen (55.) hatten sie noch rund 40 Minuten Zeit, um die Begegnung für sich zu entscheiden. Doch geschafft haben sie es nicht, weil das Unbedingte, die Entschlossenheit fehlte. Da nutzen auch keine 697 gespielte Pässe etwas (Höchstwert in dieser Saison), keine 72 Prozent Ballbesitz (die zweithöchste Quote in einem Eintracht-Auswärtsspiel seit mehr als 20 Jahren) oder 25 Flanken. „Das ist für unsere Ansprüche zu wenig“, resümierte Angreifer Burkardt. „Wir müssen solche Spiele gewinnen, um am Ende oben dabei sein zu können.“ Die Eintracht hat jetzt nämlich schon einige Punkte liegengelassen, zu Hause gegen Union Berlin verloren, in Freiburg kurz vor Schluss den Ausgleich kassiert und nun wieder zwei Zähler achtlos weggeworfen. Sie muss zusehen, den Anschluss nach oben nicht zu verlieren. „Mit dieser Woche“, bilanzierte daher Sportvorstand Markus Krösche nüchtern, „können wir insgesamt nicht zufrieden sein.“

Kommentare