- VonJosef Schmittschließen
Um den Stürmer halten sich hartnäckig Wechselgerüchte. Sollte er gehen, müsste die Eintracht noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden – genau wie in der Abwehr.
Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da hat die Frankfurter Eintracht in letzter Minute ihren besten Stürmer verkauft, Randal Kolo Muani. Für die stolze Summe von 95 Millionen Euro an Paris St. Germain. Dino Toppmöller, gerade neu im Geschäft als Cheftrainer, hat damals gute Miene zum bösen Spiel gemacht und die offensichtliche Schwächung der Mannschaft fast klaglos hingenommen. Die wirtschaftliche Entscheidung der Klubführung wäre dem Trainer-Rookie in seinem ersten Jahr dann fast auf die Füße gefallen. Ein halbes Jahr lang musste er ohne Mittelstürmer auskommen.
Nun, ein Jahr später, will Toppmöller nicht mehr einfach schweigen, wenn ihm wieder der beste Angreifer verkauft werden sollte. Die Gerüchte um einen Wechsel von Omar Marmoush wollen nicht verstummen, auch wenn die Eintracht versichert, dass es aktuell keine Anfragen oder gar Angebote gibt. Und doch liebäugelt der ägyptische Nationalspieler mit einem Wechsel nach England. Toppmöller will tun, was in seiner Macht steht, um dies zu verhindern. „Ich werde rauskriegen, wo er genau wohnt und ein Schloss an die Tür machen“, sagte er nach dem Freundschaftsspiel beim FSV Frankfurt (5:2) mit einem Augenzwinkern, aber in der Sache durchaus ernst.
Marmoush hatte gerade seine Ausnahmestellung eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er war der beste Spieler auf dem Platz, flinker als die anderen, mutiger, trickreicher, vor allem torgefährlicher. Das konnte jeder der über 10 000 Zuschauer sehen. Zwar hat die Eintracht mit den Neuzugängen Igor Matanovic und Can Uzun weitere Möglichkeiten für die Offensive hinzugewonnen, aber der Verlust von Marmoush würde die Mannschaft und damit den Trainer wieder weit zurückwerfen. Spätestens nach den heftigen Kritiken zu Saisonende weiß auch Toppmöller, dass er als Trainer das schwächste Glied ist, wenn es wieder nicht richtig laufen sollte. Um dies zu verhindern braucht er Marmoush. Hinter den Kulissen hört man bei der Eintracht, dass es zumindest das Versprechen an den Trainer gibt, bei einem Verkauf schnell für Ersatz zu sorgen. Anders als vor einem Jahr, als Muani in letzter Minute verkauft wurde und eben kein Ersatz gekommen war.
Toppmöller jedenfalls will nicht mehr alles über sich ergehen lassen. Und so hat er nach dem FSV-Spiel auch in Bezug auf die Defensivbesetzung Klartext gesprochen. „Da brauchen wir schon noch den einen oder anderen“, lautete die Antwort auf die Frage, wie es denn weitergehen werde in der abwehrenden Abteilung, wenn der Transfer von Willian Pacho nach Paris wie geplant noch in dieser Woche über die Bühne gehen sollte. Der Ersatz ist längst ausgeguckt. Es soll Konstantinos Kouleriakis von PAOK Saloniki sein. Die geforderten zehn Millionen Euro Ablöse würde die Eintracht bezahlen. Was ihr leicht fallen würde, soll Pacho doch mehr als 40 Millionen Euro in die Kasse spülen.
Die Einschätzung des Trainers, dass die Abwehr ohne Pacho längst noch nicht stabil genug für den Ernstfall ist, war nach dem Spiel beim FSV nachvollziehbar. „Da müssen wir stabiler stehen“, sagte er. Als Abwehrchef Robin Koch und Neuzugang Rasmus Kristensen ausgewechselt waren, wackelte die Eintracht selbst gegen einen Viertligisten bedenklich. Zumal Tuta nach Krämpfen auch bald gehen musste und Neuling Aurele Amenda eine bedenkliche Leistung ablieferte. „Bei ihm sollten wir gnädig sein“, bat Toppmöller um Geduld für den 21 Jahre jungen Schweizer, der nach einer schweren Verletzung erst seit wenigen Tagen wieder im Training steht. Wie auch immer, nach Pachos Abgang besteht dringender Handlungsbedarf.
Warten auf Kouleriakis
Toppmöller muss in jedem Fall schon wieder improvisieren. Kouleriakis wird ja für die ersten Spiele in Pokal und Liga noch nicht zur Verfügung stehen, ist doch Teil der bislang nur mündlichen Vereinbarung mit Saloniki, dass der Nationalspieler PAOK noch helfen soll, in die Champions League zu kommen. Der 20 Jahre alte Linksfuß wird keine körperlichen Defizite aufweisen, steht er doch schon ein paar Tage länger in Training und Spielbetrieb. Aber eine Eingewöhnung an das Abwehrspiel der Eintracht und das Kennenlernen der Kollegen wird ziemlich sicher eine paar Tage in Anspruch nehmen. Mit ihm ist also wahrscheinlich erst so richtig im September zur rechnen, wenn die Bundesliga nach den ersten beiden Spieltagen und einer ersten Länderspielpause wieder den Betrieb aufnimmt.
Bei der Saison-Generalprobe am Samstagabend beim FC Valencia wird Toppmöller weiter auf Nachwuchsspieler Nnamdi Collins zurückgreifen und hoffen, dass Tuta seine muskulären Problemen überwunden hat. Die kleineren Engpässe in der Defensive wollen die Frankfurter mit Spaßfußball in der Offensive wettmachen. „Die Jungs haben richtig Bock drauf zu zocken“, sagt Toppmöller. Vor allem auch Omar Marmoush.