Bundesliga

Eintracht-Gegner Freiburg: Schwer in Ordnung

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Nicht zu fassen: Der Freiburger Maximilian Eggestein (rechts) hadert mit seiner vergebenen Großchance in Lens. imago images
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Eintracht-Gegner Freiburg steht gut da, sucht aber die Leichtigkeit der vergangenen Saison.

Max muss hoch schießen.“ Was auch der schöne Titel einer Fußballgeschichte für Kinder sein könnte, war zumindest die Zwischenüberschrift für den Donnerstagabend des SC Freiburg. Im rauen Norden Frankreichs, Region Hauts-de-France, waren die Bundesliga-Fußballer aus dem Breisgau im Europapokal angetreten, Zwischenrunde der K.o.-Phase in der Europa League, und in diesem Hinspiel beim RC Lens hatten sie allem getrotzt, womit sie so konfrontiert wurden, den frenetischen Fans in der alten Bergbauregion, dem guten, formstarken Gegner, den eigenen Problemen. Doch der Ball wollte nicht ins Tor.

„Max muss hoch schießen“, sagte der Freiburger Trainer Christian Streich also, denn hätte Max (Mannschaftskapitän Maximilian Eggestein) hoch geschossen in der 58. Spielminute, wäre der SC Freiburg mit 1:0 in Führung gegangen, nach Lage der Dinge wäre es auch der Siegtreffer gewesen. Aber Max hat flach geschossen, drei Meter vor dem Lenser Tor, und da unten flog dann blöderweise noch der Verteidiger Kevin Danso in die Szenerie und wehrte den Ball ab. 0:0 am Ende.

Es war die beste Chance des SC Freiburg an einem flirrenden Europacupabend, nicht aber die einzige, weshalb er ein bisschen zwischen den Gefühlen steckte. Zufrieden sein mit der starken Leistung? Oder doch unzufrieden, weil man sich „nicht belohnt“ hatte, wie Eggestein im Branchensprech formulierte?

Gestiegene Erwartungen

Trainer Streich war vor allem erleichtert. Seine Mannschaft hatte die erhoffte Reaktion gezeigt aufs vorangegangene Spiel in der Bundesliga, als sie sich bei der 0:3-Niederlage bei Borussia Dortmund phasenweise willfährig in ihr Schicksal zu ergeben schien. Es fehlte an den Basics, es fehlte am Einsatz, und da kriegt einer wie Streich natürlich die Krise.

„Ich bin noch verärgert über den Freitag, aber es wird besser mit dem Ärger“, sagte er in Lens. „Es geht einfach darum, wie man gegen den Ball arbeitet, wie aufopferungsvoll und diszipliniert man spielt, das war in Dortmund nicht der Fall, weil manche Spieler nicht alles auf dem Platz gelassen haben, was mich maßlos ärgert. Heute haben sie es gemacht.“

Ach ja, die Freiburger. Sie spielen wieder eine gute, ein stabile Saison, aber manchmal fühlt es sich nicht so an. Sie schweben nicht durch die Monate wie im vergangenen Jahr, als sie im Kampf um die erstmalige Champions-League-Teilnahme am Ende nur knapp Union Berlin den Vortritt lassen müsste. Es gibt mehr Schwankungen, das hat auch mit wiederkehrenden Verletzungsproblemen zu tun und mit einer sowieso eher dünnen Personaldecke, weil die sommerliche Transferperiode nicht lief wie erhofft. Die Erwartungen sind gestiegen, innen und außen. So ist das auch im genügsamen Freiburg, wenn man zweimal in Folge die Europa League erreicht.

Die geübten Bedenkenträger des SCF sind – selbstredend – in erster Linie froh, dass der Abstieg kein Thema ist in einer Spielzeit mit diversen Belastungen. Und je nach weiterem Verlauf könnte es dann doch wieder ein außergewöhnliches Jahr werden. Das Achtelfinale in der Europa League ist greifbar, und in der Bundesliga könnte Freiburg am Sonntag bis auf einen Punkt an Platz sechs heranrücken, sollte er das direkte Duell gegen Eintracht Frankfurt für sich entscheiden. Dafür allerdings wird der SC Freiburg aus Lens auftauchen müssen, nicht der aus Dortmund.

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