VonThomas Kilchensteinschließen
Eintracht Frankfurt will gegen Union Saint-Gilloise mit maximaler Disziplin das Minimalziel Achtelfinale erreichen: „Alle sind scharf“.
Frankfurt – Zuweilen sagen ein paar Worte mehr als ganze Kaskaden von Bandwurmsätzen, und so war es auch, als Dino Toppmöller am Tag vor dem Playoff-Rückspiel in der Conference League gefragt wurde, welche Bedeutung er dieser Partie im heimischen Stadtwald für Eintracht Frankfurt beimesse. Der Frankfurter Trainer, längst fokussiert auf diese Begegnung, wollte die Wichtigkeit dieses Spieles nicht in Prozente ausdrücken, er sagte statt dessen nur einen Satz: „Wir wissen, dass es wichtig ist.“
Eintracht Frankfurt muss gegen Royale Union Saint-Gilloise ran
Tatsächlich steht eine Menge auf dem Spiel, wenn die Hessen am Donnerstagabend (21 Uhr/ RTL) den belgischen Vertreter Royale Union Saint-Gilloise zu Gast haben und nach einem 2:2 im Hinspiel nun ins Achtelfinale dieses europäischen Wettbewerbs einziehen wollen. Es ist ein Spiel, das maßgeblich über die Stimmung der nächsten Wochen entscheidet und darüber, ob sich womöglich ein atmosphärisches Tief über den Klub senkt, sollte das Minimalziel verpasst werden. So furchtbar grandios hat sich Eintracht Frankfurt in der Gruppenphase der Conference League bekanntlich nicht geschlagen, drei Siege, drei Niederlagen haben ein bisschen am Selbstverständnis der Hessen genagt, die doch das ausgeleuchtete Parkett des europäischen Fußballs als ihre ureigene Domäne begreifen.
Aus einem Weiterkommen würde Eintracht Frankfurt andererseits viel Honig saugen. Die Frankfurter sind gerade so in einer Phase, in der nicht so klar ist, in welche Richtung das Pendel ausschlägt, nach oben oder nach unten. Es gibt ein paar positive Fingerzeige, aber stabil ist die Befindlichkeit keinesfalls. Und da wäre aus psychologischer Sicht der Einzug ins Achtelfinale, das im Übrigen am Freitag ausgelost und Anfang März (7. und 14. März) gespielt wird, allemal erstrebenswert. Finanziell hingegen weniger: Für das Erreichen der letzten 16 Teams schüttet die Uefa an Prämien lediglich 600 000 Euro aus, bislang hat Eintracht Frankfurt in diesem Wettbewerb an Prämien rund fünf Millionen Euro kassiert, ein - inzwischen - bei Eintracht Frankfurt überschaubarer Betrag.
Toppmöller vor Conference-League-Auftritt der Eintracht: „Alle sind jetzt scharf“
Dass es jetzt noch einmal spannend, womöglich eng werden könnte, hat sich das Team mit einer erstaunlichen Wankelmütigkeit selbst zuzuschreiben, eine 2:0-Führung aus dem Hinspiel ist leichtfertig verspielt worden. Das hat nicht nur Kapitän Sebastian Rode „enttäuscht“ zurückgelassen, der 33-Jährige, der das Gefühl eines internationalen K.o.-Spiels aus der Vergangenheit zur Genüge kennt und schätzt, findet, dass diese Nachlässigkeit auch ein Gutes habe: „Alle sind jetzt scharf.“
Und ganz so dramatisch schlecht, wie viele in den letzten Tagen das Remis von Brüssel empfanden, ist ein Unentschieden nach dem Hinspiel auch wieder nicht, mit einem einfachen Sieg vor heimischer Kulisse, dem „zwölften Mann“, wie Toppmöller sagte, wäre die Messe ja schon gelesen. Und gerade Seppl Rode kennt sich mit weitaus komplizierteren Rückspielen im Waldstadion gut aus, etwa jenes gegen Benfica Lissabon, in dem er nach einer 2:4-Hinspielniederlage das alles entscheidende 2:0 persönlich erzielte. Oder das Rückspiel in der Champions League bei Sporting Lissabon, das er nach seiner Einwechselung praktisch im Alleingang zum Guten drehte.
Eintracht-Trainer Toppmöller fordert „maximalen Fokus und maximale Disziplin“
Aus leidiger Erfahrung heraus appelliert Trainer Toppmöller in erster Linie daran, individuelle Bolzen tunlichst zu vermeiden. „Wir brauchen maximalen Fokus und maximale Disziplin“, sagt er, denn er weiß: „Jeder Fehler wird bestraft.“ Bekanntlich leisteten sich die Hessen in den Partien gegen Darmstadt (Trapp, Tuta), 1. FC Köln (Smolcic), Saint-Gilloise (Ellyes Skhiri) und zuletzt in Freiburg vor dem 2:2 eklatante Aussetzer, ohne die, und diese Prognose sei gewagt, der Gegner nie und nimmer zum Erfolg gekommen wäre. Da waren die Opponenten, wie es im Fußballdeutsch heißt, zu sehr billigen Toren gelangt.
Eintracht Frankfurt wird die richtige Mischung finden müssen zwischen einer gesunden Stabilität und Sicherheit in der Defensive und andererseits einer gewissen Risikobereitschaft im Spiel nach vorne. Oder, wie Toppmöller sagte: „Wir müssen die ersten 35 Minuten vom Hinspiel über 90 Minuten auf den Platz bringen und die totale Kontrolle im Spiel behalten.“ Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Immerhin ist Wadenbeißer Robin Koch dabei, auch Makoto Hasebe sei immer eine Option, selbst wenn der Japaner alle drei Tore vom vergangenen Sonntag selbstkritisch auf seine Kappe genommen hatte, was indes nicht der Wahrheit entsprach. Das habe Toppmöller seinem Methusalem mitgeteilt, „dies zeigt aber seinen Charakter“.
Weiterhin kein Kandidat für die Startelf ist Neuzugang Hugo Ekitiké, mit dessen Entwicklung Toppmöller zufrieden ist. Offenbar hat sich der Franzose auf ein Fitness-Level gebracht, nach dem es möglich sei, ihn „eventuell schon am Sonntag“ im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg beginnen zu lassen, eine Halbzeit dürfte er durchhalten können. Mit seinen Kurzeinsätzen war der Coach weitgehend zufrieden, mit Ausnahme des Hinspiels in Saint-Gilloise. Aber bereits gegen Freiburg hat der 21-Jährige in wenigen Momenten eine gute Reaktion gezeigt. Eine Reaktion, die Toppmöller auch am Donnerstagabend von seinem Team erwartet.
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