VonChristopher Michelschließen
Ein Punkt für Eintracht Frankfurt wurde durch Can Uzun gegen den VfL Wolfsburg gesichert. Der 19-Jährige will nicht länger nur die Ersatzbank wärmen.
Frankfurt - Bei fünf seiner insgesamt 20 Einsätze stand Can Uzun in der Startelf von Eintracht Frankfurt. Der 19-Jährige kam mit anderen Ansprüchen vom 1. FC Nürnberg in die Mainmetropole. Er wollte sofort durchstarten und sein Können eine Etage höher zeigen. Doch Trainer Dino Toppmöller trat beim „Juwel“ der Hessen immer wieder auf die Bremse und mahnte zur Geduld. Nach dem Remis gegen den VfL Wolfsburg (1:1) sieht er das große Talent allerdings auf „einem guten Weg“.
Uzun stand im Fokus nach seinem wichtigen Tor
Natürlich gebe es weiterhin Dinge im Spiel, der er noch verbessern könne. Doch Uzun habe Zug zum Tor, er suche den Weg in die Box: „Das macht ihn schon sehr wertvoll.“ Der Offensivmann setzt seinen Körper in direkten Duellen immer besser ein, er gewann gegen die Niedersachsen zwei seiner drei auf dem Boden geführten Zweikämpfe. Besonders stark war sein erster Kopfballtreffer in dessen Karriere. Er startete zum perfekten Zeitpunkt durch und köpfte in Minute 81 die präzise Flanke von dem ebenfalls eingewechselten Kollegen Jean-Matteo Bahoya ein.
„Ich bin gücklich über mein Tor. Aber natürlich hätten wir gerne gewonnen“, so Uzun nach Schlusspfiff. Toppmöller gab ihm vor seiner Einwechslung in Minute 68 einen Ratschlag mit auf den Weg: „Der Trainer hat mir gesagt, dass ich mein Spiel machen und mir etwas zutrauen soll. Ich möchte das immer umsetzen. Aber diesmal ist es mir ganz gut gelungen.“ Rund um Uzun gibt es immer etwas mehr Aufmerksamkeit.
Eintracht hatte sich im Sommer gegen große Konkurrenz durchgesetzt
Sportvorstand Markus Krösche hatte im Frühjahr 2024 hart um diesen Transfer gekämpft. Uzun zählt zu den europäischen Toptalenten seines 2005er-Jahrgangs. Sich in einem solchen Rennen durchzusetzen, ist nur möglich, wenn das Gesamtpaket aus Finanzen und Perspektive stimmt. Da ist die Erwartungshaltung im Umfeld etwas größer, wenn für einen damals noch 18-Jährigen im Gesamtpaket 14 Millionen Euro an den Zweitligisten 1. FC Nürnberg fließen.
Vier Tore und zwei Vorlagen in 616 Pflichtspielminuten sind trotz aller Startprobleme eine Ansage von Uzun. Er rettete mit seinen Treffern in der Bundesliga bereits zwei Punkte und leitete mit einem Traumtor den Sieg gegen Ferencvaros in der Europa League ein. Der Abgang von Superstar Omar Marmoush zu Manchester City bietet die Chance, diese Lücke unter anderem mit Uzun zu schließen. Er sollte bei den Überlegungen von Toppmöller Teil der Lösung sein.
Uzun will häufiger spielen
Der Spieler selbst jedenfalls geht mit gesundem Selbstvertrauen voran: „Wenn ich Minuten und Spiele bekomme, dann bin ich bereit dazu, meine Qualitäten zu zeigen.“ Er fügte an: „Ich will einfach mehr spielen. Hoffentlich kann ich mehr spielen, wenn ich noch mehr Tore erziele.“ Lob gab es von Krösche: „Can hat seine sehr gute Entwicklung genommen. Wir haben schon häufiger über ihn gesprochen. Er hat in den vergangenen Monaten große Schritte nach vorne gemacht. Can musste sich an die Intensität in der Bundesliga gewöhnen. Das hat er sehr gut gemacht.“
Wie groß ist das Vertrauen von Toppmöller in Uzun? Bislang hat der türkische Nationalspieler nach schwächeren Leistungen sofort seinen Platz verloren. Uzun hat diese persönlichen Enttäuschungen jedoch abgeschüttelt und sich Schritt für Schritt angepasst. Er ist körperlich stabiler geworden, seine Arbeit gegen den Ball findet inzwischen auf einem höheren Niveau statt. Es wird bei ihm stets eine gewisse Gratwanderung bleiben, aus dem Künstler wird kein Grätscher oder knallerharter Arbeiter.
Sonderlob von Kumpel Collins
Dennoch kann Uzun mit einer Performance, wie er sie ihn knapp 35 Minuten gegen Wolfsburg gezeigt hat, begeistern. Und wäre sein Schlenzer in der vierten Minute der Nachspielzeit in den rechten Winkel geflogen, hätte ihm den Titel „Matchwinner“ niemand mehr genommen. So blieb zum Abschluss noch ein Lob von Kumpel Nnamdi Collins: „Can ist ein enger Kollege von mir. Es freut mich, wenn er so ein wichtiges Tor erzielt. Aber es war diesmal nicht nur das Tor. Er kam rein und hat Impact auf das Spiel gehabt und uns Energie gegeben. Das brauchen wir.“ Und zwar bestenfalls auch im Duell am kommenden Samstag (18.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach.
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