- VonKatja Sturmschließen
Ohne Olympiateilnehmerinnen starten die Eintracht-Spielerinnen in die Vorbereitung.
Sophia Kleinherne trabt voran. Die neuen Fußballschuhe hat die 24-Jährige nach dem Balltraining abgestreift, barfuß übernimmt sie die Spitze beim Auslaufen der Auswahl der Frankfurter Eintracht, die sich am Mittwoch zum Trainingsauftakt am Waldstadion versammelt hat. Ein Bild, das Symbolcharakter besitzt. Während sieben Bundesligaspielerinnen Cheftrainer Niko Arnautis zu Beginn der Vorbereitung fehlen werden, weil sie wegen der Olympischen Spiele in Frankreich weilen, will die nicht in den Kader für das Großereignis berufene Verteidigerin im Verein möglichst viel Verantwortung tragen.
Mit ihrer Nichtnominierung hat sie sich abgefunden, versucht, das Positive daran zu sehen. „Endlich kann ich mal wieder eine komplette Vorbereitung absolvieren“, sagt Kleinherne. „Das hatte ich die vergangenen drei Jahre nicht.“ In dieser Zeitspanne fehlte sie jeweils eine Weile wegen der Teilnahme an Turnieren wie der Europameisterschaft 2022 in England, bei der sie mit dem Nationalteam Silber gewann. Diesmal kann sie im Sommer intensiv an Form und Technik feilen und voraussichtlich topfit und frisch in die neue Saison starten, die für die Hessinnen am 1. September mit dem Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena beginnt.
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Die anfängliche Frustration hat sich in zusätzliche Motivation verwandelt; die Defensivspezialistin, die bei der Eintracht verlässliche Stammkraft ist, will mit neuer Energie so bald wie möglich wieder einen Platz im Nationalteam angreifen. „Natürlich hätte ich es ihr gewünscht, dass sie schon diesmal wieder dabei ist“, sagt Arnautis. Aber der 44-Jährige weiß auch zu schätzen, dass er die Führungsspielerin mit dabei hat in der knapp sechs Wochen dauernden Vorbereitung.
Anfang Juli hatten sich die Frankfurterinnen schon einmal für eine Woche getroffen und ein Testspiel gegen den Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen absolviert, das mit 1:1 endete. Wegen der Fußball-Europameisterschaft mussten die Adlerträgerinnen dabei zum Üben auf ihr früheres Trainingsgelände am Rebstock ausweichen.
Arnautis war diese Woche wichtig, weil die Auszeit seit dem Ende der Saison im Mai lang war und die vielen Auswahlspielerinnen keinen Kaltstart in die Länderduelle vor sich haben sollten. Es sei ein guter Einstand gewesen, allerdings mit einem bitteren Beigeschmack: Nach ihrer Schwester Ilayda, die dieses Schicksal Anfang Mai erlitt, zog sich auch Dilara Acikgöz einen Kreuzbandriss zu. Ob die Eintracht nachbessern wird im Kader, steht laut Arnautis nicht fest. Man werde das bis Ende August entscheiden. Der Coach sieht sein Team „gut aufgestellt“. Die sechs Abgänge, darunter der von Shekiera Martinez zum englischen Erstligisten West Ham United, habe man gut kompensieren können. Zu den vier Neuverpflichtungen zählt Nina Lührßen von Werder Bremen, Carlotta Wamser kehrt nach ihrer Leihe vom 1. FC Köln an den Main zurück.
Abhängig vom DFB-Team
Bei der erneut „heterogenen Vorbereitung“ helfe die Erfahrung der vergangenen Jahre. Die Olympiateilnehmerinnen Sara Doorsoun, Laura Freigang und Neuzugang Elisa Senß werden so lange in Frankreich bleiben, wie die DFB-Elf im Turnier verbleibt. Nicole Anyomi, Pia Wolter und Stina Johannes, die auf Abruf in Marseille mittrainieren, sollen nach der Vorrunde zurückkehren. Auch die Japanerin Remina Chiba hält sich im Nachbarland für einen möglichen Einsatz bereit. Jella Veit und Sophie Nachtigall werden in der zweiten August-Hälfte zur U20-WM nach Kolumbien abreisen.
Die Daheimgebliebenen haben fünf Testspiele vor sich. Direkt nach dem ersten Ligaspiel wartet das Miniturnier der Champions League in Island, bei dem die SGE zuerst am 4. September auf Sporting Lissabon trifft. „Eine spannende Reise“, wie Arnautis sagt, ohne das erhoffte Happy End erwähnen zu müssen.