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Eintracht: Tauziehen um Kolo Muani

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Und ab die Post: Randal Kolo Muani ist nicht zu stoppen. Foto: imago Images
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Der Stürmerstar soll mit Paris Saint-Germain handelseinig sein. Das lanciert zumindest sein berüchtigter Berater, der den Druck auf die Eintracht erhöht – die bleibt aber entspannt.

Selbst Ansgar Knauff durfte nach dem torlosen Remis gegen Nottingham Forest nicht unbehelligt von dannen ziehen, sondern wurde noch rasch um eine kurze Einschätzung gebeten zum Dauerbrennerthema rund um Eintracht Frankfurt: Ob die Mannschaft das Theater um Stürmerstar Randal Kolo Muani mitbekomme? Klar, sagte der Spieler, der eigentlich nur froh ist, nach seinem Schlüsselbeinbruch schneller als gedacht wieder am Start zu sein, wer könne sich dem entziehen, aber das Ganze belaste die Kabine so mal gar nicht.

Coach Dino Toppmöller flankierte: „Natürlich ist das ein Thema, aber es hat keinen Einfluss auf die Leistung der Jungs. Kolo ist topmotiviert, gibt extrem viel Gas.“ Er spüre nicht, dass den 24-Jährigen seine (ungeklärte) Zukunft umtreibe. Und generell gelte ja: „Ich befasse mich nur mit Themen, die ich selbst in der Hand habe.“ Die Personalie Kolo Muani liegt nicht in der Hand des Trainers. Sondern fällt in das Hoheitsgebiet der Sportlichen Leitung der Eintracht – und der Berateragentur des Spielers.

Krösche: „Kein neuer Stand“

Nachdem die Gerüchteküche in den zurückliegenden Wochen abgekühlt war, flammt die Debatte um einen Wechselwunsch des französischen Nationalstürmers wieder auf, in bisher selten erlebter Vehemenz sogar. Erst ploppte eine Meldung aus Frankreich des Senders RMC Sport auf, wonach sich Kolo Muani Paris Saint-Germain anschließen wolle, anschließend legte TV-Sender Sky nach: Es gebe eine mündliche Übereinkunft zwischen PSG und dem Spieler, der unbedingt nach Paris wolle und seinen Wechselwunsch schon bei der Eintracht hinterlegt habe.

Sportvorstand Markus Krösche hält sich auf Nachfrage verbal im Ungefähren auf, bestätigt und dementiert nichts, sondern zieht sich auf Allgemeinplätze zurück. „Je näher der Tag kommt, desto wilder und aggressiver sind die Spekulationen“, sagt der 42-Jährige. Mit dem Tag ist natürlich der 1. September gemeint, der Tag, an dem das sommerliche Transferfenster schließt. „Es gibt keinen neuen Stand, der Stand ist, dass er unser Spieler ist und sich bei uns wohl fühlt. Das ist für uns entscheidend.“

Die Eintracht hat in dem Fall Kolo Muani alle Trümpfe in der Hand, sie kann bestimmen, ob und wenn ja, zu welchen Bedingungen der Senkrechtstarter geht. Längst hat sich der Preis herumgesprochen, zu dem der Klub ihn gehen lassen würde, ja gehen lassen müsste, weil es sonst alle kaufmännischen Grundsätze ad absurdum führen würde: 100 Millionen Euro. Das ist ein Haufen Geld.

Damit würde der Franzose in den Orbit der absoluten Weltstars katapultiert, nach nur einer – zweifelsfrei herausragenden – Saison in der Bundesliga. Für viel weniger würde die Eintracht ihren Stürmerstar nicht gehen lassen, vorstellbar ist höchstens noch eine Summe um die 90 Millionen, die mit ein paar netten Boni wachsen könnte. Drunter geht nichts. Diese Summe hält die Kolo-Muani-Seite für unrealistisch, will den Preis drücken.

Doch wer Sportchef Krösche kennt, der weiß, dass er davon nicht abrücken wird. Zumal Kolo Muani einen langfristigen Vertrag unterschrieben hat, bis 2027, ohne Ausstiegsklausel. Das macht ihn so teuer.

Klar ist aber auch, dass nun der Poker begonnen hat und sehr viel rücksichtsloser wird. Lancierte und bewusst platzierte Geschichten wie jene über RMC oder Sky gehören dazu, sie sind Teil des Geschäfts. Das große Säbelrasseln hat begonnen.

Streik wie bei Dembelé?

In diesem Fall kommt erschwerend hinzu, dass der Spieler Anfang des Jahres seine Berateragentur gewechselt hat und nun von Vater Louis, Bruder Kevin – und Moussa Sissoko vertreten wird. Gerade Sissoko hat in der Branche einen Ruf wie Donnerhall, er kümmert sich unter anderem um die Belange von Ousmané Dembelé, der gerade dabei ist, den FC Barcelona zu verlassen und sich Paris Saint-Germain anzuschließen. Der Wechsel geht mit einer ordentlichen Schlammschlacht einher. Bei Dembelé und Berater Sissoko keine Seltenheit, der Stürmer streikte sich schon vor einigen Jahren von Borussia Dortmund zum FC Barcelona. Wird es jetzt auch bei der Eintracht schmutzig? Sportchef Krösche hat diese Befürchtung nicht, weil er an die Charakterstärke des Spielers glaubt: „Niemals würde er streiken. Er ist bescheiden, ein guter Junge, hochintelligent, er ist Eintracht Frankfurt dankbar.“

Das wiederum heißt nicht, dass er zwingend bleiben wird. Letztlich ist es relativ einfach, nämlich eine Frage des Preises. Wenn der stimmt, wird Kolo Muani woanders seine Tore schießen. Und die Eintracht einen Nachfolger holen. Immer noch ganz dick im Geschäft: Elye Wahi von HSC Montpellier. Der 20-Jährige stand beim 2:2 der Franzosen gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag nicht mehr im Kader.

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