Eintracht-Neuzugang

Eintracht-Zugang Wahi: „Ich bin hier, um Tore zu schießen“

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Selbstbewusst: Elye Wahi.
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Eintracht-Zugang Elye Wahi hinterlässt bei seiner Vorstellung einen selbstbewussten Eindruck, ist aber noch nicht voll belastbar. Und was wird aus Dina Ebimbe?

Die Begrüßung meisterte Elye Wahi stilecht auf Hessisch. „Gude“, bedeutete der neue Eintracht-Stürmer, grinste die vor ihm sitzenden Pressemenschen fröhlich an und hob beide Daumen. Lachend fragte er nach: „Ist gut?“ Ja, ist gut und ganz cool. Für den Anfang allemal.

Fortan übersetzte Sacha Gempek aus dem Französischen, doch dieser aufgeweckte Bursche will das nicht zu einem Dauerzustand werden lassen. „Meine nächste Pressekonferenz gebe ich hoffentlich auf Deutsch“, sagte der 22-Jährige frohgemut. Das soll auch kein Lippenbekenntnis sein, Wahi will die fremde Sprache schnell erlernen. „Denn das ist wichtig, um mich hier einzuleben.“

Noch wichtiger ist in der multikulturellen Frankfurter Mannschaft sicherlich sportlicher Erfolg, denn der erleichtert alles, der macht alles einfacher. Die Stimmung ist eine andere, wenn es läuft. Und auch dazu will der Angreifer seinen Beitrag leisten, die Eintracht-Mannschaft soll durch ihn besser werden, sie soll mit ihm dort weitermachen, wo sie mit Omar Marmoush aufgehört hat. Die famosen Leistungen des zu Manchester City gewechselten Vorgängers sind auch in Frankreich nicht unbemerkt geblieben. „Omar hat eine unfassbare Saison gespielt“, sagt Wahi über den Überflieger der Hinrunde. „Ich habe ihn verfolgt und wünsche ihm jetzt viel Glück in England.“ Die Fußstapfen, in die der Franzose tritt, sind entsprechend groß. Doch davor fürchtet er sich nicht. „Marmoush ist Marmoush, Wahi ist Wahi“, sagt er. Und hat einiges vor.

Der junge Mann, der in Frankfurt die Rückennummer 17 von Ex-Kapitän Sebastian Rode tragen wird, ist selbstbewusst. Daran ändern auch die vergangenen eineinhalb Jahre nichts, die eher suboptimal liefen. In Lens ging es noch einigermaßen, aber zuletzt bei Olympique Marseille lief nicht mehr viel zusammen: 13 Spiele, drei Tore, keinen Stammplatz. Das ist wenig für einen, der mal als eines der größten Talente des französischen Fußballs gehypt wurde.

Das war zu der Zeit, als er 89 Treffer erzielte in der Jugend des SM Caen, einem Klub aus der Normandie. Und auch als Profi machte er schon in jungen Jahren von sich reden, als 20-Jähriger schoss er für den Mittelklasseklub Montpellier 19 Tore in einer Saison. Das weckte Begehrlichkeiten, auch bei der Eintracht, die ihn schon vor eineinhalb Jahren gerne verpflichtet hätte.

Letztlich scheiterte Transfer an den finanziellen Vorstellungen seines Ex-Vereins. Und auch Wahi selbst war, wie er jetzt sagt, noch nicht so weit für ein Auslandabenteuer. „Ich wollte lieber in Frankreich bleiben“, sagt er. „Heute bin ich aber bereit, ein neues Land und eine neue Kultur zu entdecken.“

Im Herzen von Europa will er seine Karriere wieder in Schwung bringen. Er weiß, dass die Eintracht dafür eine ideale Plattform bietet. Für ganz, ganz viele Stürmer war der Klub ein Sprungbrett, für Sebastien Haller, Luka Jovic, Ante Rebic oder André Silva, zuletzt für Randal Kolo Muani und eben Omar Marmoush. Das spielt für die Spieler und ihre Agenten inzwischen eine große Rolle, die Eintracht hat sich europaweit einen herausragenden Ruf erarbeitet und untermauert ihn mit Glaubwürdigkeit.

Wahi hat sich schon damals intensiv mit den Hessen beschäftigt, sich mit Kolo Muani ausgetauscht, der nur Gutes berichtet habe. Auch jetzt fragte er noch mal nach bei Niels Nkounkou und Hugo Ekitiké. Mit Letzterem soll er ein Sturmduo bilden, er freut sich drauf: „Wir können uns ergänzen, das könnte gut funktionieren.“

Und es kann sogar sein, dass er noch einen Landsmann kennenlernt, nämlich Eric Dina Ebimbe. Danach sah es eigentlich nicht aus, weil der 24-Jährige kurz vor einem Wechsel zu Adi Hütters AS Monaco stand. Der Spitzenklub hätte Ebimbe ausgeliehen und ihn im Sommer für mehr als zehn Millionen Euro kaufen können. Doch nun heißt es aus Frankreich, Monaco habe von einer Verpflichtung erst einmal Abstand gekommen, weil beim Medizincheck eine Wadenverletzung diagnostiziert worden sei. Zuletzt war Ebimbe tatsächlich verletzt ausgefallen. Ob der Deal doch noch zustande kommt, sollen weitere Untersuchungen zeigen.

Natürlich weiß auch Wahi, dass die zurückliegenden 18 Monate nicht das Gelbe vom Ei waren. Die Verteidiger, glaubt er, hätten sich besser auf ihn eingestellt und die Erwartungen an seine Person seien sprunghaft gestiegen. Doch mit dem Brustton der Überzeugung sagt er auch: „Ich kenne meine Fähigkeiten und mein Potenzial. Ich zweifele nicht. Ich bin ein starker Stürmer, und das werde ich beweisen. Ich bin hier, um Tore zu schießen.“ Trainer Dino Toppmöller glaubt daran: „Er hat Hunger auf Tore, er ist ein klassischer Neuner.“

Der eigenen Aussage zufolge ist er flott zu Fuß und geht gerne ins Dribbling. Er ist ein Stürmer, der die Tiefe attackiert. Vom Profil her passt er ziemlich perfekt ins Frankfurter System. Allerdings wird er sich noch ein wenig gedulden müssen. Denn er ist von seinem alten Klub mit einer leichten Oberschenkelverletzung nach Frankfurt gekommen.

Zurzeit wird er behutsam zu einem Einsatz hingeführt, der wird aber noch nicht am Sonntag gegen Wolfsburg erfolgen, sondern eher eine Woche später in Mönchengladbach. Beim Europa-League-Spiel in Rom am Donnerstag (21 Uhr/RTL+) wäre er sowieso keine Option, da er logischerweise noch nicht gemeldet ist für den Wettbewerb. Das wird nach der Ligaphase nachgeholt. Während die Mannschaft am Mittwoch nach Italien fliegt, wird er mit Nathaniel Brown und Oscar Hojlund im Stadtwald individuell trainieren.

Während seiner Vorstellung ist er auch auf seine turbulente Jugendzeit angesprochen worden, etwa, als er als 15-Jähriger drei Jugendliche auf der Schultoilette zu erniedrigenden Handlungen nötigte, weil diese seinen verstorbenen Vater beleidigt hatten. Er flog von der Schule und auch aus der Fußballakademie des SM Caen.

Wahi, geboren in Courcouronnes, einem Ort im Speckgürtel der Metropole Paris, umschiffte das Thema am Dienstag. „Ich habe mit niemandem Probleme, ich mag jeden Menschen“, sagte er allgemein. „Eines Tages werde ich darüber reden, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“

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