Eintracht vor dem Endspiel

Eintracht Frankfurts Millionenspiel im Breisgau

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Triumvirat: Hat Eintracht Frankfurt mit Chaibi, Bahoya und Ekitiké (von links) auch nach dem letzten Spieltag Grund zum Jubeln?
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Wie Eintracht Frankfurt das Endspiel beim SC Freiburg angehen will, um die Königsklasse klarzumachen.

Nach Ansicht des Frankfurter Fußballlehrers Dino Toppmöller wird die Sache mit dem Druck im Leistungssport ein bisschen überhöht. Der Eintracht-Trainer ist daher auch nicht der Meinung, dass sensible Spieler wie Ellyes Skhiri oder gerade junge Akteure wie Jean-Matteo Bahoya, Nathaniel Brown oder auch Hugo Larsson im Endspurt der Bundesliga mental an ihre Grenzen stoßen und deshalb womöglich verkrampfen würden.

„Wir hatten in vielen Spielen Druck“, sagt der 44-Jährige, vor wenigen Wochen erst gegen Leipzig habe der Kessel ganz schön gedampft, was stimmt. Da hieß es, das Duell sei ein Endspiel um die Champions League (was ja dann doch nicht stimmte). Und was ist passiert? „Die Mannschaft hat befreit aufgespielt und 4:0 gewonnen.“

Ausgiebiges Lob für gescholtenen Chaibi

Daher, sagt Dino Toppmöller, „würde ich einzelne Leistungen zu nullkommanull auf Druck schieben, sondern auf die Tagesform – das ist Sport, das ist Fußball.“

Insofern wird der Chefcoach, dessen Vertragsverlängerung bis 2028 ihm rund drei Millionen Euro per annum (inklusive Boni) bringen wird, im Training vor dem großen Finale am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in Freiburg sehr genau hingesehen haben, wer sich aufdrängt und wer vielleicht besser eine Pause bekommt.

Jean-Matteo Bahoya wäre gewiss so ein Kandidat. Der junge Kerl hat in den letzten beiden Spielen quasi gar nicht stattgefunden, auch Hintermann Nene Brown schwächelt ein wenig. Nun ist aber Bahoya ein verdammt schneller Spieler, der schnellste der gesamten Bundesliga gar (37,16 km/h ), und auf Tempo wird es im Endspiel um die Königsklasse sicherlich auch ankommen.

Denn gemeinhin wird angenommen, dass die Breisgauer etwas mehr ins Spiel investieren müssen, schließlich treten sie zu Hause an und müssen unbedingt gewinnen, um sich sicher für die Champions League zu qualifizieren; den Frankfurtern reicht ein Punkt. Das könnte Räume geben für die Eintracht, die im Konterspiel ihre Stärken, bereits zwölf Treffer nach schnellen Gegenstößen erzielt hat – mehr als jedes andere Team.

Oder aber Toppmöller bewertet abseits der beschriebenen Vorzüge eben ganz nüchtern die aktuelle Form, und dann müsste ein Spieler wie Bahoya erst einmal draußen bleiben. Und wer käme dann rein? Toptalent Can Uzun? Stürmerfuchs Michy Batshuayi? Techniker Fares Chaibi? Alle drei haben als Einwechsler im letzten Spiel gegen St. Pauli für frischen Wind und den Ausgleich zum 2:2 gesorgt, es war ein wunderbar herausgespielter Treffer, „Top-Top-Level“, wie der Trainer sagt. Vollstrecker Batshuayi habe den Ball gar „Weltklasse“ mitgenommen. Und auch der Steckpass von Chaibi war perfekt temperiert, ein Ball, den nicht viele spielen können.

„Solche Momente wollen wir von Fares häufiger sehen“, sagt der Cheftrainer, der den Algerier ausgiebig lobt und gegen Kritik von außen verteidigt. „Er hat definitiv einen Schritt nach vorne gemacht, er bringt immer eine tolle Intensität und eine megagute Aggressivität im Anlaufen auf den Platz“, sagt Toppmöller. „Bei ihm ist Konstanz das Thema. Wenn er das auf den Platz bringt, was er kann, dann ist er ein herausragend guter Spieler.“

Zuweilen aber wirkt Chaibi arg phlegmatisch, wurde zudem häufiger mal am Flügel eingesetzt, was gewiss nicht seinen Fähigkeiten entspricht, als Achter oder Zehner ist er besser aufgehoben. Und als Startelfspieler hat Chaibi, wie zuletzt in Augsburg, öfter mal nicht seine Leistung gebracht.

Das Pikante am letzten Spieltag ist aber: Wenn es in diesem Finale, in dem es um alles oder nichts geht, nicht funktioniert, gibt es keine zweite Chance mehr. Danach ist Feierabend. Hopp oder top. Friss oder stirb. Königsklasse oder Europa League. Es gibt nichts mehr zu korrigieren.

Von daher sollte jeder Spieler seine persönlichen Ambitionen zurückstellen und sich aufs Große und Ganze konzentrieren, „den Tank komplett leer fahren“, wie es der Trainer nennt. Und dann schauen, was dabei herauskommt. Die Nerven sind gespannt im Millionenspiel um die Königsklasse. Sie würde den Klub endgültig in die Phalanx der Topklubs katapultieren, in die absolute Spitze der Bundesliga. Sie wäre fürs Renommee und auch im Hinblick auf potenzielle neue Spieler mit nichts aufzuwiegen. Und auch wirtschaftlich würde sie der Eintracht einen gewaltigen Boost geben, es geht um Einnahmen in Höhe von 60, 70, 80 Millionen Euro.

In Frankfurt hat sich die Stimmung wieder ein wenig gedreht, sich aufgehellt, die Enttäuschung aus dem Pauli-Spiel ist einem gewissen Kribbeln gewichen, der Vorfreude darauf, „in einem geilen Auswärtsspiel“ (Toppmöller) etwas zu gewinnen, etwas Großes zu erreichen. „Wir spüren, dass alle hinter uns stehen und auch erkennen, was wir bis hierhin geleistet haben“, sagt der Fußballlehrer, der selbst einen aufgeräumten und energetischen Eindruck macht.

Die Hessen haben auch alles probiert, um den Umschwung herbeizuführen. Vorstandssprecher Axel Hellmann schwor den Klub eigens ein, auch die Vertragsverlängerung von Toppmöller gilt als wichtiges Signal nach außen. Es wird alles versucht, jeder Kniff genutzt, jede Rhetorik bemüht, um den letzten Schritt zu machen. Das ist nachvollziehbar. Vielleicht wirkt sogar ein von der Medienabteilung geführtes Interview mit Joachim Löw motivierend.

Freiburg und die Opferläufe

Der Ex-Bundestrainer, in Freiburg zu Hause und einst kurz auch mal mit dem Adler auf der Brust unterwegs, lobt die Eintracht über den grünen Klee. „Die Mannschaft besitzt eine sehr hohe Spielkultur und agiert fußballerisch auf einem sehr hohen Niveau“, sagt der 65-Jährige, der auch Coach Toppmöller adelt: „Er hat die Mannschaft spielerisch auf das nächste Level gehoben; die Spielweise trägt ganz klar seine Handschrift.“ Toppmöller habe ein hohes taktisches Verständnis und Führungsstärke, sei innovativ, auch den Abgang von Omar Marmoush habe der Coach durch „einen Systemwechsel abgefedert“.

Egal, welche Formation der Belobigte ins Rennen schicken wird, sie wird sich auf einen heißen Tanz einstellen müssen. „Die Freiburger haben die Bereitschaft, sogenannte Opferläufe für ihre Mitspieler zu machen, um Räume zu schaffen“, sagt Toppmöller, der auf Verteidiger Tuta (Oberschenkel) verzichten muss. „Vorne sind sie brutal gefährlich bei Standards und auch bei weiten Einwürfen – es herrscht immer Stress in der Box.“ Toppmöller hat sein Team darauf vorbereitet und auch darauf hingewiesen, Einwürfe oder Standards rund um den Strafraum besser zu vermeiden.

Für den Saarländer gilt es jetzt ohnehin, alles, was war, auszublenden und nur noch dem Finale entgegenzublicken. „Was war, können wir nicht mehr beeinflussen, aber das Spiel am Samstag liegt in unserer Hand“, sagt der Coach. „Wir wollen alle unbedingt in die Champions League, das ist doch kein Geheimnis. Dafür werden wir eine Topleistung brauchen, und die werden wir zeigen.“

Zum Spiel

Freiburg: Atubolu - Rosenfelder, Ginter, Lienhart, Makengo - M. Eggestein, Osterhage - Doan, Manzambi, Grifo - Adamu.

Frankfurt: Trapp - Collins, Koch, Theate - Kristensen, Skhiri, Larsson, Brown - Knauff, Chaibi - Ekitiké.

Der Eintracht fehlen: Götze (Muskelfaserriss), Santos (Kreuzbandriss), Ebimbe (suspendiert).

Arrhov kommt

Eintracht Frankfurt verstärkt sich ab Januar 2026 mit dem schwedischen Mittelfeldjuwel Love Arrhov. Die am Samstag 17 Jahre alt werdende Offensivkraft spielt zurzeit noch bei seinem Heimatklub IF Brommapojkarna und wird diese Saison in Skandinavien auch zu Ende spielen. Arrhov, der im Februar mit 16 sein Profidebüt feierte, unterschreibt einen langfristigen Vertrag in Frankfurt.

„Love Arrhov ist sehr talentiert, legt für sein junges Alter bereits eine bemerkenswerte Intensität an den Tag und besitzt zudem besondere Fähigkeiten am Ball“, sagt Sportdirektor Timmo Hardung über den Spieler, der auch als hängende Spitze oder Linksaußen eingesetzt werden kann. Eines der größten schwedischen Talente hat seinen Preis, kostet rund 4,5 Millionen Euro. FR

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