VonIngo Durstewitzschließen
Der Stürmer soll mit dem FC Chelsea klar sein und könnte der Eintracht die außerordentliche Summe von 100 Millionen Euro bringen – vielleicht geht es jetzt sogar ganz schnell.
Es ist rund um den Frankfurter Stadtwald längst kein Geheimnis mehr, dass Eintracht-Stürmerstar Hugo Ekitiké nicht nur Verkaufskandidat Nummer eins, sondern ein Abgang des 22-Jährigen sehr, sehr, sehr wahrscheinlich ist. Die Frage ist inzwischen nicht mehr, ob, sondern nur noch, wann und wohin er wechselt. Mittlerweile hat sich der FC Chelsea in die Poleposition geschoben. Ganz klar. Die Londoner drücken aufs Tempo, arbeiten mit Hochdruck an einer zeitnahen Verpflichtung. Mit dem Spieler soll bereits Einigkeit bestehen. Mit der Eintracht nicht.
Interessant: Die Blues sind neben Manchester City der einzige englische Teilnehmer an der bevorstehenden Klub-WM – Meister FC Liverpool etwa hat die Kriterien nicht erfüllen können. Und vieles spricht dafür, dass Chelsea einiges daran setzen wird, den französischen Angreifer noch vor Turnierbeginn am 15. Juni zu holen – wenngleich dieser wegen einer Verletzung für die am 11. Juni beginnende U-21-EM ausfallen wird. Oder ist er gar nicht wegen eines maladen Rückens aus dem französischen Quartier abgereist, ist die Blessur nur vorgeschoben?
Die Möglichkeit ist gegeben, dass der Transfer Ekitikés recht schnell über die Bühne geht. Die Fifa hat für die 32 Teilnehmer eigens ein Transferfenster eingerichtet: Vom 1. bis 10. Juni haben sie die Möglichkeit, neue Spieler zu holen. Und natürlich hätten die Engländer Verstärkungen dann schon gerne an Bord.
Für die Eintracht wäre ein schneller Abgang, rein wirtschaftlich gesehen, absolut zu begrüßen. Dass sie ihren Topmann, der in seiner Altersklasse auch von den statistischen Werten her der mit Abstand beste Angreifer Europas war, nicht halten können, ist sowieso klar. Und: Die Frankfurter hätten dann sehr schnell sehr viel Handlungsspielraum, der Stürmerstar soll um die 90 Millionen Euro bringen, bestenfalls gar die 100-Millionen-Schallmauer knacken. Die Hessen könnten bei der Nachfolgersuche aufs Tempo drücken. Neben Jonathan Burkardt von Mainz 05 (und Ritsu Doan vom SC Freiburg) soll noch ein weiterer Angreifer kommen.
Skandinavier im Fokus
Genau wie der Däne Victor Froholdt vom FC Kopenhagen. Der 19-Jährige ist im zentralen Mittelfeld zu Hause, könnte als Ersatz für Schweden-Juwel Hugo Larsson aufgebaut werden. Die Verhandlungen sollen recht weit gediehen, Sportvorstand Markus Krösche in Dänemark vorstellig geworden sein. Günstig wäre Froholdt nicht, Kostenpunkt: zehn Millionen Euro.
Zudem buhlen die Hessen um den 23 Jahre alten Sebastian Nanasi von Racing Straßburg. Der achtfache schwedische Nationalspieler, im linken Mittelfeld oder am Flügel angesiedelt, wechselte vor einem Jahr für elf Millionen Euro von Malmö FF nach Frankreich.
Auffällig: Der skandinavische Markt ist bei Sportvorstand Markus Krösche klar in den Mittelpunkt, der französische an den Rand gerückt. Nicht verwunderlich, fast alle nordischen Spieler bringen eine Top-Mentalität mit.
Keine große Zukunft am Main hat indes Mittelstürmer Igor Matanovic. Der 22-Jährige würde sich gerne verändern, er soll verkauft werden, würde rund zehn Millionen Euro in die Kasse spülen. Der SC Freiburg ist interessiert. Auch Niels Nkounkou und Eric Dina Ebimbe sollen gehen.
Michy Batshuayi, der eiskalte Joker, hat die Verantwortlichen in seinen Kurzeinsätzen hingegen überzeugt. Der Belgier soll als Backup bleiben – wenn er sich mit seiner definierten Rolle auch anfreunden kann.
Und dann ist da ja noch die Sache mit Jobe Bellingham, dem kleinen Bruder des brillanten Jude. Der 19-Jährige weilte kürzlich in Frankfurt, um sich mit dem Eintracht-Kosmos im Herzen von Europa vertraut zu machen. Nun aber hat sich der gerade mit dem AFC Sunderland in die englische Premier League aufgestiegene Jungprofi offenbar für einen Wechsel nach Dortmund entschieden, wo Bruder Jude ja große Fußstapfen hinterlassen hat.
In Frankfurt nehmen sie die neuste Entwicklung emotionslos zur Kenntnis. Die Chancen eines Transfers des Engländers zur Eintracht stuften die Verantwortlichen als nicht sonderlich hoch ein, was in erster Linie an den Finanzen liegt. Die Ablöse wird auf rund 30 Millionen Euro taxiert, Sunderland pocht zurzeit sogar noch auf 40 Millionen.
Die Eintracht hält eine solche Summe für einen Spieler, der bislang nur in der zweiten englischen Liga spielte, für zu viel.
Und zum anderen ist die mutmaßliche Preisentwicklung des Fußballers für Eintracht-Verhältnisse gemessen an der Ausgabe nicht so furchtbar attraktiv. Bellingham müsste seinen Marktwert (zurzeit 22 Millionen) signifikant steigern, um dem Geschäftsmodell der Eintracht zu entsprechen. Bei einer Investition von 30 Millionen Euro müsste er in zwei, drei Jahren das Dreifache auf dem Markt bringen. Schwer vorstellbar. Zumal der jüngere Bruder von Experten nicht so hoch eingeschätzt wird. Er habe sicher das Zeug, ein 50-Millionen-Spieler zu werden – aber ein 100-Millionen-Mann? Eher nicht. Insofern wäre ein Deal in dieser Größenordnung mit eher beschränkter Aussicht auf eine fette Rendite mit einem Risiko verbunden.
Signal des Klubs
Und doch ist das Werben um Bellingham für die Eintracht wichtig, auch um ein Signal auf dem umkämpften Transfermarkt zu setzen und die eigenen Ambitionen zu untermauern. Das Fußball-Establishment soll wahrnehmen, dass der Klub nun als Champions-League-Teilnehmer an den Start geht und durchaus gewillt ist, in andere Sphären vorzustoßen. Dass ein begehrter Spieler wie Bellingham sich überhaupt ernsthaft mit der Eintracht befasst, ist für sie kein schlechtes Zeichen – und ein Fingerzeig an die Konkurrenz.


