VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt zurrt die ersten Deals fest: Wolves-Mittelstürmer wird ausgeliehen, beim PSG-Angreifer ist das große Interesse hinterlegt – und aus Bern kommt Verteidiger Amenda
Das Engagement, das als eines der größten Missverständnisse der jüngeren Vergangenheit in die Geschichte von Eintracht Frankfurt eingehen wird, ist beendet. Unwiederbringlich. Lucas Alario verlässt den hessischen Fußball-Bundesligisten mit sofortiger Wirkung und schließt sich dem brasilianischen Erstligisten Inter Porto Alegre an.
Die Südamerikaner greifen für den Glücklos-Stürmer sogar noch relativ tief in die Tasche. Zwei Millionen Euro plus Boni bringt der Deal der Eintracht. Das ist nicht schlecht für einen, der eine kümmerliche Ausbeute im Frankfurter Dress vorzuweisen hat: 26 Pflichtspiele, zwei Startelfeinsätze, zwei Törchen. In dieser Spielzeit stand der Argentinier nicht ein einziges Mal im Kader. Das nennt man wohl Flop. Immerhin streicht die Eintracht einen Gutverdiener von der Gehaltsliste, der 31-Jährige kassierte gut zwei Millionen Euro, gekostet hatte der Ex-Leverkusener 2022 fünf Millionen Euro Ablöse. Nun wurde er in einer kargen Pressemitteilung in acht Zeilen verabschiedet. Das emotionslose Ende einer verkorksten Beziehung.
Dafür wird ein anderer Angreifer sehr zeitnah in Frankfurt erwartet, und er trägt einige Hoffnung auf seinen schmalen Schultern: Sasa Kalajdzic von den Wolverhampton Wanderers wird noch am Wochenende oder spätestens zu Wochenbeginn einen Vertrag bei der Eintracht unterschreiben. Der österreichische Nationalspieler wird zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis in den Stadtwald übersiedeln.
Keine Kaufoption für Eintracht Frankfurt
Was danach passiert, ist offen. Eine explizite Kaufoption wird der Kontrakt nicht enthalten. Die Zukunft des Zwei-Meter-Riesen über den Sommer hinaus wird maßgeblich von seiner Performance in den kommenden sechs Monaten abhängen. Danach ist vieles vorstellbar: Ein fester Wechsel nach Frankfurt mit einer dann frei verhandelbaren Ablöse, eine Rückkehr zu den Wolves oder ein Transfer zu einem anderen Klub. Es liegt an Kalajdzic selbst, er hat es in seinen Füßen und – bei seiner Größe – auch auf seinem Kopf.
Der Mittelstürmer, der in England auch aufgrund eines Kreuzbandrisses gleich in seinem ersten Spiel im September 2022 nie Fuß fassen konnte, gilt als Instinktfußballer, unkonventionell, einer, der ein gutes Gespür für die torgefährlichen Räume hat. Er hat sich vieles selbst angeeignet, aneignen müssen, denn eine klassische Ausbildung in einer Fußballakademie hat er nie durchlaufen. Und er hat in jungen Jahren schon so manchen Rückschlag wegstecken müssen: zwei Kreuzbandrisse, einen Mittelfußbruch, einen Syndesmosebandriss und eine schwere Schulterverletzung. Aufgestanden ist er bisher immer wieder.
Seine beste Zeit erlebte er beim VfB Stuttgart, in der Corona-Saison 2020/21 schoss er 16 Tore und legte für sechs weitere auf. Spätestens nach dieser Spielzeit galt er als heißes Eisen, gejagt von halb Europa. Er wechselte aber erst ein Jahr später auf die Insel, die Wolves blätterten 18 Millionen hin. Eine Investition, die sich nicht rechnen sollte. Das erste Jahr verpasste der Wiener aufgrund der schweren Knieverletzung komplett, in der aktuellen Spielzeit kommt er auf elf Einsätze, nur einen von Beginn an, machte aber zwei wichtige Tore, die zu zwei Siegen führten.
Kalajdzic steht voll im Saft, ist topfit – das ist für die Eintracht von entscheidender Bedeutung, denn der Angreifer ist als Soforthilfe gefragt, soll sofort funktionieren. Er ist schon für das erste Ligaspiel in einer Woche in Leipzig fest eingeplant.
Das gilt für Hugo Ekitiké nicht. Ob der französische Stürmer überhaupt nach Frankfurt kommen wird, ist unklar. Klar ist hingegen, dass die Eintracht starkes Interesse an einer Verpflichtung des 21 Jahre alten Angreifers von Paris Saint-Germain hat. Bereits im Sommer buhlte sie um den schnellen Mann, der ein gänzlich anderer Spielertyp als Kalajdzic ist, nämlich kein Wandstürmer, sondern einer, der die Tiefe attackiert und enorm flink auf den Beinen ist. Er erinnert von seiner Spielweise ein bisschen an den nach Paris abgewanderten Eintracht-Senkrechtstarter Randal Kolo Muani.
Ekitiké als Sturmjuwel gefeiert
Der in Reims ausgebildete und auch dort geborene Akteur galt vor noch nicht allzu langer Zeit als eines der größten Talente Frankreichs, als Sturmjuwel. PSG ließ sich die Verpflichtung einiges kosten, zahlte 2022 fast 30 Millionen an Stade Reims. Doch der Durchbruch blieb dem 1,89 Meter großen Rechtsfuß verwehrt. In dieser Saison läuft es für ihn hundsmiserabel. Nur ein Einsatz steht zu Buche, gleich am ersten Spieltag für acht Minuten. Seitdem sitzte er draußen, in den vergangenen 21 Pflichtspielen stand er nicht im Aufgebot. So einer kann kaum eine Direkthilfe sein, er würde gewiss Zeit benötigen, um sich einzufinden.
Ekitiké wäre eine Investition in die Zukunft, Sportvorstand Markus Krösche gilt als großer Fan des Spielers, um den er sich schon im Sommer bemühte. Doch damals forderte PSG mehr als 30 Millionen Euro, der Spieler war auch nicht bereit, großartige Abstriche von seinem 7,5-Millionen-Euro-Salär zu machen. Das wäre jetzt, wie man hört, anders. Nach einem halben Jahr als Randfigur steigt der Leidensdruck.
Die Frankfurter haben in ihrem Bemühen um den Spieler aber Konkurrenz aus der Bundesliga, der VfL Wolfsburg mit Ex-Eintracht-Trainer Niko Kovac sucht als Pendant zu Torjäger Jonas Wind einen eher in die Tiefe gehenden Stürmer – und die Niedersachsen sind ebenfalls bei Ekitiké gelandet. Der VfL hätte mehr Finanzkraft, für die Eintracht spricht ihre Strahlkraft, der Hype um den Verein und der Standort an sich.
Sicher ist zudem: Von den Young Boys Bern kommt Innenverteidiger Aurele Amenda. Der 20-Jährige soll acht bis zehn Millionen Euro kosten und gilt in der Schweiz als großes Talent. Die 1,97-Meter-Kante, der einen Vertrag bis 2028 (plus Option auf ein weiteres Jahr) unterschreiben wird, soll schon jetzt im Winter anheuern und sich bis zum Sommer in Ruhe entwickeln können.
Das könnte das Ende der Zeit von Hrvoje Smolcic in Frankfurt bedeuten. Und bei Paxten Aaronson sowie Jessic Ngankam denkt die Eintracht über Leihgeschäfte nach. Doch da wird sich, wenn überhaupt, wohl erst gegen Ende der Transferperiode etwas tun. (dur)

