3:1 gegen Augsburg

Die Frankfurter Eintracht gewinnt ihr erstes Endspiel

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Sein erstes Tor für die Eintracht: Hugo Ektiké.
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    Thomas Kilchenstein
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Aufatmen im Stadtwald: Die Frankfurter schlagen den FC Augsburg und setzen sich im Kampf um Platz 6 ab. Das könnte entscheidend sein im Kampf ums europäische Geschäft.

Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg. Das ist kein Bundesligaklassiker, kein Duell mit nationaler Strahlkraft. Doch an diesem Freitagabend im April bei echtem Hundewetter, Wind und Kälte, war das anders, ganz anders. Denn die Partie der Tabellennachbarn war eine mit Endspielcharakter, ein Kräftemessen im Kampf um Rang sechs, der ja auf einmal so sexy und begehrlich geworden ist, „ein Schlüsselspiel“, wie Eintracht-Kapitän Kevin Trapp befand. Und eine Begegnung, in der es um Willen, Bereitschaft, Widerstandskampf, Emotion, Leidenschaft und Adrenalin gehen sollte. Reaktion zeigen und so. Klare Sache.

Der Rahmen passte, er war würdig: In Gedenken an die am Montag verstorbene Eintracht-Ikone Bernd Hölzenbein tauchten die Fans das Waldstadion mit ihren Schals während der Schweigeminute in ein Farbenmeer aus schwarz und weiß – man hätte tatsächlich eine Stecknadel fallen hören können. Gänsehaut. Zuvor richtete Vorstandssprecher Axel Hellmann salbungsvolle Worte an die Fans, adelte den großen Eintrachtler nicht nur als überragenden Fußballer, sondern auch als „besonderen Menschen“. Die dem Ehrenspielführer gewidmete Vereinshymne „Im Herzen von Europa“ verfolgte Hellmann einträchtig Seite an Seite auf dem Spielfeld mit Hölzenbeins Ehefrau Jutta und den Kindern Sabrina sowie Sascha; Torwart Trapp hatte im Mittelkreis ein Hölzenbein-Trikot mit der Rückennummer sieben ausgelegt. Ehre, wem Ehre gebührt, und dem „Holz“ gebührt sie. Gar keine Frage. Drei Punkten sollten, wie Coach Dino Toppmöller sagte, natürlich auch zu Ehren Hölzenbeins eingefahren werden.

Und das klappte tatsächlich. Nach einer Energieleistung und einer signifikanten Steigerung im zweiten Abschnitt stand am Ende ein hart erkämpfter 3:1 (0:1)-Arbeitssieg gegen den FC Augsburg, den Fares Chaibi (55.), Neuzugang Hugo Ekitiké (61.) und Omar Marmoush (90+5.) mit ihren Toren sicherten. Ruben Vargas hatte die bayerischen Schwaben in Führung gebracht (13.). Es war ein ungeheuer bedeutender Erfolg für die Eintracht. Kollektives Aufatmen im Stadtwald. Aber war es auch der erhoffte Befreiungsschlag? Das weiß man nicht, aber in jeden Fall haben die Frankfurter ihre Chance erhöht, Platz sechs am Ende zu halten. Der Vorsprung auf den FCA beträgt nun sechs Punkte. Das war ein verdammt wichtiger Sieg. „Die Erleichterung ist schon groß“, sagte Sportvorstand Markus Krösche, der einen Sieg der Moral gesehen haben will. Auch Trainer Dino Toppmöller war erleichtert:Wir sind mega-happy. Das war ein wichtiger Schritt.“

Die Eintracht begann die enorm wichtige Begegnung, wie es die Spieler und ihr Trainer angekündigt hatten: mit Wucht und Power. Es war zu spüren, dass sich da eine Mannschaft eine Menge vorgenommen hatte. Sie zündete kein Feuerwerk, das nicht, aber mühte sich doch sehr, zu gefährlichen Situationen zu kommen. Doch das gestaltete sich dann doch ziemlich schwierig. Einmal schoss Omar Marmoush aufs Tor oder, besser gesagt, neben das Tor (11.). Das war es aber erst einmal, dann kam das, was unbedingt verhindert werden sollte, das 1:0 für die Gäste aus Augsburg. Und das fiel so: Willian Pacho hatte seinen Nebenmann Philipp Max mit einem Hoppelpass arg in die Bredouille gebracht, Routinier Max konnte die Kugel nicht richtig festmachen und kontrollieren, zwei Augsburger luchsten ihm den Ball ab – und Sekunden später zappelte er im Frankfurter Kasten; Ruben Vargas war so frei (14.). Dieser Gegentreffer geht mit Philipp Max nach Hause. Tja, genau so sollte es aus Sicht der Hessen eigentlich nicht laufen.

Die Eintracht ließ sich zunächst nicht entmutigen, doch die Anfangs-Power war verflogen. Alles war wieder verkrampft und rumpelig. Auch die taktische Umstellung auf zwei Spitzen sowie Fares Chaibi dahinter verfing nicht. Überraschend war auch, dass Schweden-Talent Hugo Larsson zunächst nur auf der Bank saß. Er sei, so hieß es, noch nicht 100-prozentig fit.

Viel fiel den Platzherren aber nicht ein, Schüsse von Eric Dina Ebimbe (15.) und Aurelio Buta (24.), ein Kopfball von Chaibi (20.) – das war es schon. Bis auf eine wirklich gute Gelegenheit von Omar Marmoush. Doch sein Schuss zischte Zentimeter am Pfosten vorbei (44.).

Da hatten die anfangs sehr positiv gestimmten Fans aber bereits ihre Geduld verloren. Nach gut einer halben Stunde pfiffen sie erstmals lautstark, als Max einen Ball zurückspielte. Das wiederholte sich dann regelmäßig, und es war nicht so, dass es spurlos an den Spielern vorbeiging. Die Verunsicherung wuchs von Minute zu Minute, nichts ging mehr zusammen. Auch fußballerisch fiel das Team in alte Muster zurück, die Angriffe verliefen planlos und nach Schema F. Keine Ideen, kein Esprit, kein Tempo, nur langatmiges Ballgeschiebe, das sich problemlos wegverteidigen lässt. Ein Pfeifkonzert zur Halbzeit war die Konsequenz. Für die Unmutsbekunden hatten nicht alle Spieler Verständnis. Torwart Trapp fragte sich, „woher die Pfiffe in der ersten Halbzeit kamen. Ich kann das nur schwierig nachvollziehen.“

Aber: Das Spiel sollte sich, wie so oft bei Heimspielen, in der zweiten Halbzeit ändern. Und wie. Die Eintracht kam mit viel mehr Zug aus der Kabine, und es dauerte nicht lange, ehe sie sich selbst belohnte. Ebimbe hatte sich am rechten Flügel nach einem Doppelpass mit Aurelio Buta durchgesetzt und nach innen gepasst, wo Chaibi einnetzte (55.), 1:1. Alles wieder offen. Und so ging es weiter, die Frankfurter legten jetzt den nächsten Gang ein, der wuselige Marmoush bediente den lange bedenklich schwachen Ekitiké, der sich erst verhaspelte, dann aber mit Hilfe des Innenpfostens zum 2:1 traf (61.). Und das Stadion bebte in seinen Grundfesten. „Man sieht, was dann in dem Stadion für eine Energie entstehen kann“, sagte Keeper Trapp. Es war das erste Tor für den viel gescholtenen Neuzugang Ekitiké, und eine doppelte Erlösung – für ihn persönlich und die gesamte Gruppe.

Wie viele Steine da von den Herzen gepurzelt sind, erkannt man am Torjubel: Sogar Ersatztorwart Jens Grahl und Chefcoach Toppmöller sprinteten zum Gratulieren an die Eckfahne. Die kollektive Befreiung. Genauso wie nach dem Abpfiff, den Marmoush noch schön garnierte, in bester Mijat-Gacinovic-Manier sprintete er mit dem Ball ins leere Augsburger Tor, 3:1. Nach 95 Minuten. Das erste Endspiel hat die Eintracht gewonnen.

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