Transfer lässt FCB nicht los

Englische Presse spottet nach Wirtz-Wechsel über FC Bayern

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Liverpools Coup löst auf der Insel Schadenfreude aus: Britische Medien bejubeln den Wirtz-Transfer der „Reds“ und verhöhnen den FC Bayern.

Liverpool – Wenn ein Fußballstar den Verein wechselt, ist das normalerweise eine Meldung wert. Wenn aber Florian Wirtz für bis zu 140 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool wechselt und dabei dem FC Bayern eine Abfuhr erteilt, wird daraus ein Spektakel mit internationaler Reichweite. Die englische Presse jedenfalls lässt keine Gelegenheit aus, den deutschen Rekordmeister für den verpassten Transfer zu verspotten – und das mit einer Mischung aus Schadenfreude und britischem Humor.

Englische Presse lästert und lacht nach Wirtz-Wechsel über den FC Bayern

Die Reaktionen der britischen Medien fallen unterschiedlich aus, haben aber eines gemeinsam: Sie alle sehen in Liverpools Coup eine Niederlage für die Bayern. Der renommierte Guardian bezeichnete den Transfer als „echten Coup“ für Liverpool und gleichzeitig als „unangenehme Überraschung“ für die Münchner, deren erklärter Wunschspieler bekanntlich Wirtz war.

Das Boulevardblatt Sun ging deutlich weiter und schrieb, die Bayern seien durch den verpassten Transfer „blamiert“ worden. Bereits vor der offiziellen Verkündung des Transfers hatte die Sun davon berichtet, dass die Bayern „gedemütigt“ zurückgelassen worden seien. Die Wortwahl zeigt deutlich, wie sehr die englischen Medien offenbar den Misserfolg der Münchner genießen.

Tränen, Trauer und Unmut: Die emotionalsten Abschiede beim FC Bayern München

Am 23. Mai 2015 absolvierte Bastian Schweinsteiger gegen Mainz 05 sein letztes Pflichtspiel für den FC Bayern. Es war gleichzeitig sein 500. Bundesligaspiel.
Am 23. Mai 2015 absolvierte Bastian Schweinsteiger gegen Mainz 05 sein letztes Pflichtspiel für den FC Bayern. Es war gleichzeitig sein 500. Bundesligaspiel. © IMAGO / photoarena/Eisenhuth
Rund drei Jahre später wurde Schweinsteiger dann auch mit einem offiziellen Abschiedsspiel verabschiedet. In einem Freundschaftsspiel trat der FCB gegen Schweinsteigers damaliges Team Chicago Fire an.
Rund drei Jahre später wurde Schweinsteiger dann auch mit einem offiziellen Abschiedsspiel verabschiedet. In einem Freundschaftsspiel trat der FCB gegen Schweinsteigers damaliges Team Chicago Fire an. © Philippe Ruiz
Gleich mehrere Bayern-Abschiede erlebte Claudio Pizarro. Der Peruaner verließ den FCB 2017 nach sechs Jahren in Richtung FC Chelsea. Nach einem Zwischenstopp in Bremen kehrte er 2012 zum FC Bayern zurück.
Gleich mehrere Bayern-Abschiede erlebte Claudio Pizarro. Der Peruaner verließ den FCB 2007 nach sechs Jahren in Richtung FC Chelsea. Nach einem Zwischenstopp in Bremen kehrte er 2012 zum FC Bayern zurück. © IMAGO / Lackovic
2015 war dann aber endgültig Schluss. Nach mehr als 200 Spielen und 87 Toren sagte Pizarro den Bayern-Fans „adios“.
2015 war dann aber endgültig Schluss. Nach mehr als 200 Spielen und 87 Toren sagte Pizarro den Bayern-Fans „adios“. © IMAGO / MIS
2017 gab es einen weiteren emotionalen Bayern-Abschied. Kapitän Philipp Lahm beendete seine Karriere beim deutschen Rekordmeister.
2017 gab es einen weiteren emotionalen Bayern-Abschied. Kapitän Philipp Lahm beendete seine Karriere beim deutschen Rekordmeister. © IMAGO/Zoonar.com/Joachim Hahne
Der Weltmeister von 2014 verabschiedete sich auch beim FCB mit einem Titel. Mit seiner Mannschaft sicherte er sich die Deutsche Meisterschaft. Es war die achte Meisterschaft seiner Karriere.
Der Weltmeister von 2014 verabschiedete sich auch beim FCB mit einem Titel. Mit seiner Mannschaft sicherte er sich die Deutsche Meisterschaft. Es war die achte Meisterschaft seiner Karriere. © IMAGO/Zoonar.com/Joachim Hahne
Mit seinem Abschied war Lahm an diesem Tag nicht alleine. Auch Xabi Alonso sagte dem Rekordmeister an diesem Tag Lebewohl.
Mit seinem Abschied war Lahm an diesem Tag nicht alleine. Auch Xabi Alonso sagte dem Rekordmeister an diesem Tag Lebewohl. © photoarena / Thomas Eisenhuth
Gemeinsam gewannen die beiden Weltstars beim FCB drei Meisterschaften, den DFB-Pokal und den Supercup. Zwei grandiose Karrieren, die ein gemeinsames Ende fanden.
Gemeinsam gewannen die beiden Weltstars beim FCB drei Meisterschaften, den DFB-Pokal und den Supercup. Zwei grandiose Karrieren, die ein gemeinsames Ende fanden. © photoarena / Thomas Eisenhuth
Ein Abschied, der zu Tränen rührte. 2019 war nach 12 Jahren beim FCB für Franck Ribéry Schluss. Der Franzose wechselte in die Serie A zum AC Florenz.
Ein Abschied, der zu Tränen rührte. 2019 war nach 12 Jahren beim FCB für Franck Ribéry Schluss. Der Franzose wechselte in die Serie A zum AC Florenz. © IMAGO / Nordphoto
Gemeinsam mit David Alaba bildete der Flügelspieler auf der linken Seite ein europaweit gefürchtetes Duo. Der Abschied des Fanlieblings war daher besonders emotional.
Gemeinsam mit David Alaba bildete der Flügelspieler auf der linken Seite ein europaweit gefürchtetes Duo. Der Abschied des Fanlieblings war daher besonders emotional. © Imago/photoarena / Thomas Eisenhuth
Vor allem auch, weil am selben Tag eine weitere Bayern-Legende in den Ruhestand ging. Arjen Robben verabschiedete sich damals in den vorübergehenden Ruhestand.
Vor allem auch, weil am selben Tag eine weitere Bayern-Legende in den Ruhestand ging. Arjen Robben verabschiedete sich damals in den vorübergehenden Ruhestand. © Imago/ photoarena / Thomas Eisenhuth
Robben war genau wie Ribéry eine Identifikationsfigur der Münchener. Unvergessen: Sein Siegtor im Champions-League-Finale 2013 gegen den BVB.
Robben war genau wie Ribéry eine Identifikationsfigur der Münchener. Unvergessen: Sein Siegtor im Champions-League-Finale 2013 gegen den BVB. © Imago/ photoarena / Thomas Eisenhuth
Aller guten Dinge sind drei: Mit Rafinha wurde am selben tag noch ein weiterer Akteur offiziell verabschiedet. Der Brasilianer lief von 2011 bis 2019 für den FCB auf.
Aller guten Dinge sind drei: Mit Rafinha wurde am selben Tag noch ein weiterer Akteur offiziell verabschiedet. Der Brasilianer lief von 2011 bis 2019 für den FCB auf. © IMAGO / Bernd Müller
Besonders traurig: Rafinha kam bei seinem letzten Spiel nicht zum Einsatz, saß 90 Minuten nur auf der Bank. Eine harte Entscheidung des damaligen Trainers Niko Kovac.
Besonders traurig: Rafinha kam bei seinem letzten Spiel nicht zum Einsatz, saß 90 Minuten nur auf der Bank. Eine harte Entscheidung des damaligen Trainers Niko Kovac. © IMAGO / photoarena/Eisenhuth
2021 sagte ein weiteres Bayern-Urgestein Adieu. Nach 13 Jahren und unzähligen Titeln zog es David Alaba zu Real Madrid.
2021 sagte ein weiteres Bayern-Urgestein Adieu. Nach 13 Jahren und unzähligen Titeln zog es David Alaba zu Real Madrid. © Frank Hoermann / SVEN SIMON
Alaba konnte sich zwar mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vom Rekordmeister verabschieden. Allerdings musste diese vor leeren Corona-Rängen gefeiert werden.
Vor leeren Corona-Rängen konnte sich auch Alaba mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vom Rekordmeister verabschieden. © Imago/ Frank Hoermann / SVEN SIMON
Das gleiche Schicksal ereilte Jérôme Boateng und Javi Martinez. Der langjährige deutsche Nationalspieler und der Spanier wurden ebenfalls ohne Zuschauer verabschiedet.
Das gleiche Schicksal ereilte Jérôme Boateng und Javi Martinez. Der langjährige deutsche Nationalspieler und der Spanier wurden ebenfalls ohne Zuschauer verabschiedet. © IMAGO / Poolfoto
Der Gewinn der Meisterschaft dürfte ihnen aber wohl dennoch Trost gespendet haben. Javi Martinez sagte bei seiner Verabschiedung: „Ich habe diesen Verein gelebt, immer alles für ihn gegeben.“
Der Gewinn der Meisterschaft dürfte ihnen aber wohl dennoch Trost gespendet haben. Javi Martinez sagte bei seiner Verabschiedung: „Ich habe diesen Verein gelebt, immer alles für ihn gegeben.“ © IMAGO / Sven Simon
Einen etwas unrühmlicheren Abschied erlebte Robert Lewandowski. Am 14. Mai 2022 stand er das letzte mal für den FC Bayern auf dem Platz. Nach dem Spiel sagte er: „Es ist gut möglich, dass das mein letztes Spiel für die Bayern war.“
Einen etwas unrühmlicheren Abschied erlebte Robert Lewandowski. Am 14. Mai 2022 stand er das letzte mal für den FC Bayern auf dem Platz. Nach dem Spiel sagte er: „Es ist gut möglich, dass das mein letztes Spiel für die Bayern war.“ © IMAGO/Teresa Kröger
Wenige Wochen später verkündete er dann: „Meine Geschichte beim FC Bayern ist vorbei.“ Das sorgte für Spannungen mit der Vereinsführung. Lewandowski wechselte daraufhin zum FC Barcelona.
Wenige Wochen später verkündete er dann: „Meine Geschichte beim FC Bayern ist vorbei.“ Das sorgte für Spannungen mit der Vereinsführung. Lewandowski wechselte daraufhin zum FC Barcelona.  © IMAGO/Alexander Pohl

Englische Medien huldigen auch Jürgen Klopp für Transfer von Wirtz

Auch der Mirror stimmte in den Jubel ein und titelte „Kaiser of the Kop“ in Anlehnung an die berühmte Tribüne im Liverpooler Stadion. Der London Standard wertete die Verpflichtung sogar als Kampfansage mit Blick auf die Titelverteidigung in der Premier League.

Ein besonderes Augenmerk legen die englischen Medien auf die Rolle von Jürgen Klopp bei diesem Transfer. Wie die Sun berichtete, habe der ehemalige Liverpool-Trainer bereits 2020 den Grundstein für Wirtz‘ Wechsel gelegt. Damals schickte Klopp den heutigen Geschäftsführer Michael Edwards zur Familie Wirtz, um den jungen Spieler für einen Wechsel auf die Insel zu begeistern.

Die britische Presse feiert den Wirtz-Transfer der „Reds“ und spottet dabei auch über den FC Bayern.

Bayerns verzweifelte Versuche blieben bei Florian Wirtz erfolglos

Diese frühe Kontaktaufnahme erwies sich als entscheidend. Während die Bayern wohl erst später konkret um Wirtz warben, hatte Liverpool bereits eine Beziehung zu dem Spieler und seiner Familie aufgebaut. Klopp habe seinem ehemaligen Verein damit ein wahres „Abschiedsgeschenk“ gemacht, kommentierte die Sun spöttisch.

Die englische Presse berichten auch über die verzweifelten Bemühungen der Bayern, Wirtz doch noch nach München zu locken. Die Sun behauptet, der 22-Jährige hätte in München sogar mehr Geld verdienen können als in Liverpool. Doch selbst finanzielle Anreize reichten nicht aus.

Fest steht: Der Transfersommer der Bayern verläuft nach dem Wirtz-Korb und der vermeintlichen Absage von Nico Williams bislang ganz offensichtlich nicht nach Plan. Auch FCB-Legende Lothar Matthäus vermag bei den Bayern-Verantwortlichen eine gewisse Nervosität ausgemacht haben. (kus)

Rubriklistenbild: © IMAGO / imagebroker / Sven Simon

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