VonPeter Gradschließen
Fußball-Deutschland quittiert die Rückkehr des FC Bayern auf den Meisterthron mit gewohnter Zurückhaltung. In England konzentriert sich die Presse wenig überraschend auf Harry Kane.
München – Nach der sensationellen Meisterschaft von Bayer Leverkusen in der vergangenen Saison ist der deutsche Profi-Vereinsfußball fast schon zur „Normalität“ zurückgekehrt. Auch wenn die Bayernspieler die 34. Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte - fast in Mannschaftsstärke in einem Lokal - ausgelassen gefeiert haben, löst diese im restlichen Fußball-Deutschland nicht die große Begeisterung aus.
Harry Kane wechselte mit „Makel der Titellosigkeit“ zum FCB
Die Reaktionen in England waren da schon emotionaler, was natürlich daran liegt, dass der Kapitän der Three Lions, Harry Kane, seit zwei Jahren beim Rekordmeister seine Fußballschuhe schnürt. Der 31-jährige Toptorjäger, mit zahlreichen individuellen Auszeichnungen geehrt, war 2023 mit dem „Makel der Titellosigkeit“ von Tottenham Hotspur an die Säbener Straße gewechselt. Zu dem Zeitpunkt gab es beim FC Bayern fast so etwas wie eine „Titelgarantie“: Elf nationale Meisterschaften in Serie - Rekord für alle europäischen Topligen.
Unglaublicherweise oder soll man sagen „wie zu erwarten war“, importierte Kane diesen „Titelfluch“ scheinbar nach München. Die grandiose FCB-Serie riss in seiner ersten Bundesligasaison, es wurden zahlreiche - nicht immer geschmackvolle - Witze über Kanes bittere Situation gerissen. In England sogar noch nach dem 3:3 in Leipzig, welches er gelb-gesperrt verpasste und das rein rechnerisch noch nicht zu 100,0000000 Prozent den Titel bedeutete: „Harry Pain“!
Nach Bayer Leverkusens Patzer in Freiburg steht der FCB-Titel aber fest, die Stimmung der Medien auf der Insel hat auch sofort umgeschlagen. The Telegraph knöpft sich dabei sogar die Kane-Peiniger und Spötter ziemlich heftig vor.
Die englischen Pressestimmen zu Kanes erstem großen Mannschaftstitel
The Sun: „Kane you believe it? Kane gewinnt endlich seine erste Trophäe. Es war eine sehr lange Zeit des Wartens für den englischen Kapitän.“
BBC: „Nach sechs verlorenen Endspielen hat sich die Beharrlichkeit des bescheidenen, aber unerbittlichen Torjägers ausgezahlt.“
The Telegraph: „Das sollte all die Idioten zum Schweigen bringen, die behaupten, Harry Kane habe noch nie etwas gewonnen. Nun hat er auch die Siegermedaille, um seinen Platz unter den Größten seiner Generation zu festigen.“
Daily Mail: „Harry Kane gewinnt mit 31 Jahren ENDLICH den ersten Titel seiner Karriere.“
ESPN: „Das lange Warten auf die erste große Trophäe hat ein Ende.“
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