Bundestrainer fassungslos

„Kämpfe mit den Tränen“: Nagelsmann gibt emotionales Interview nach EM-Aus

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Deutschland scheidet bei der Heim-EM dramatisch aus. Bundestrainer Julian Nagelsmann gibt danach emotionale Einblicke in seine Gefühlswelt.

Update vom 05. Juli, 21:44 Uhr: Deutschlands EM-Traum platzt in der letzten Minute einer nervenaufreibenden Verlängerung gegen Spanien. Das lässt auch den sonst so coolen Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht kalt. „Ich kämpfe auch ein bisschen mit den Tränen“, startet der sichtlich gerührte Nagelsmann sein ARD-Interview nach dem Spiel.

Das Ende einer besonderen Zeit, während der seine Mannschaft echt viel reingeschmissen habe, und das unverdiente Aus im Viertelfinale mache ihn besonders emotional, sagte Nagelsmann. Gegen Spanien sah er sein Team „nicht zwingend viel besser“, aber doch „einen Tick klarer im letzten Drittel, was die Abschlusssituationen angeht.“

Fassungslos zeigte er sich außerdem über den nicht gegebenen Handelfmeter gegen Cucurella in der 106. Spielminute. Auch die Fans toben nach der Schiedsrichter-Entscheidung.

Bundestrainer Julian Nagelsmann kämpft im ARD-Interview nach dem Spiel mit den Tränen.

Erstmeldung vom 5. Juli, 16:42 Uhr: Stuttgart – Die Parallelen zwischen dem Sommermärchen bei der WM 2006 und der EM 2024 sind aus deutscher Sicht unverkennbar. Damals hauchte Jürgen Klinsmann einer völlig verunsicherten deutschen Nationalmannschaft neues Selbstvertrauen ein. Und auch beim Heim-Turnier 18 Jahre später setzt Bundestrainer Julian Nagelsmann neben der zweifelsfrei vorhandenen Qualität des Kaders auf eine besondere Motivations-Strategie. Jetzt wurden Details einer Kabinen-Ansprache enthüllt.

Nagelsmanns Kabinen-Rede an DFB-Stars vor EM-Viertelfinale gegen Spanien enthüllt

Deutschland schaffte es beim Sommermärchen bis ins Halbfinale. So weit will die DFB-Elf bei der Europameisterschaft im eigenen Land auch kommen – mindestens. Davon hat Nagelsmann seine Spieler nach dem 2:0-Sieg gegen Dänemark in einer Kabinen-Ansprache versucht, zu überzeugen. Im EM-Viertelfinale wartet Spanien.

„Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr seid!“, soll Nagelsmann dem Team laut Sport Bild gesagt haben. Demnach erinnerte der Bundestrainer die Mannschaft, welchen Weg sie hinter sich hätte und, dass auch ihr Erfolg kein Glück sei, sondern der Lohn harter Arbeit. „Ihr habt viel Kritik abbekommen. Aber schaut einmal, wozu ihr imstande seid.“ Aussagen, die unter die Haut gehen.

Julian Nagelsmann wendet sich mit einer besonderen Kabinen-Ansprache an die deutsche Mannschaft um Dribbelkönig Leroy Sané.

DFB-Zeugwart wartet seit über 30 Jahren auf Sieg gegen Spanien

Nagelsmann und seinen Assistenten um Co-Trainer Sandro Wagner ist offenbar bewusst, dass die DFB-Stars vor dem Viertelfinal-Duell gegen Spanien Selbstvertrauen brauchen.

Passend dazu erklärte Vize-Kapitän Joshua Kimmich: „Unser Zeugwart Thomas Mai hat mir gesagt, dass er in einem Turnier noch nie gegen Spanien gewonnen hat.“ Zeugwart Mai ist bereits seit 32 Jahren beim DFB-Team, also seit 1992. Der letzte Sieg einer deutschen Mannschaft gegen Spanien in einem Pflichtspiel ist tatsächlich schon 36 Jahre her. Bei der Heim-EM 1988 siegte Deutschland dank eines Doppelpacks des heutigen DFB-Sportdirektors Rudi Völler mit 2:0.

Welcher ist Ihr Favorit? Alle EM-Bälle der Geschichte

EM 1968: Beim Turnier in Italien werden erstmals dokumentiert, Design und Name des Spielballs vorgestellt. Der „Telstar“ von Adidas wird mit dem Namenszusatz „Elast“ bestückt. Ihn Anlehnung an einen Kommunikations-Satelliten, der der eine Kugelform aufwies und durch seine Form so Inspirationsquelle für die Namensgeber war.
EM 1968: Beim Turnier in Italien werden erstmals dokumentiert, Design und Name des Spielballs vorgestellt. Der „Telstar“ von Adidas wird mit dem Namenszusatz „Elast“ bestückt. Ihn Anlehnung an einen Kommunikations-Satelliten, der der eine Kugelform aufwies und durch seine Form so Inspirationsquelle für die Namensgeber war. © Picture Alliance
EM 1972 und 1976: Es war „Telstar“-Jahrzehnt und das Modell „Durlast“ kam gleich dreimal zum Einsatz. Zweimal wurde das DFB-Team mit ihm Turniersieger, Europameister 72 und Weltmeister 74. Seine Ära als Glücksbringer endet im Belgrader Nachthimmel nach einem Elfmeter von Uli Hoeneß.
EM 1972 und 1976: Es war „Telstar“-Jahrzehnt und das Modell „Durlast“ kam gleich dreimal zum Einsatz. Zweimal wurde das DFB-Team mit ihm Turniersieger, Europameister 72 und Weltmeister 74. Seine Ära als Glücksbringer endet im Belgrader Nachthimmel nach einem Elfmeter von Uli Hoeneß. © IMAGO
EM 1980: Der erste „Tango“-Ball bei einer EM. Dabei ist die Variante „River Plate“ ein Erbstück der WM 1978, die passenderweise in Argentinien stattfand.
EM 1980: Der erste „Tango“-Ball bei einer EM. Dabei ist die Variante „River Plate“ ein Erbstück der WM 1978, die passenderweise in Argentinien stattfand. © Picture Alliance
EM 1984: Trotz des Namens „Tango Mundial“ kam die Gerätschaft bei der EM in Frankreich zum Einsatz. Gleichbedeutung mit der Abkehr vom reinen Lederball endete mit dem aus DFB-Sicht enttäuschenden Turnier die Amtszeit von Jupp Derwall.
EM 1984: Trotz des Namens „Tango Mundial“ kam die Gerätschaft bei der EM in Frankreich zum Einsatz. Gleichbedeutung mit der Abkehr vom reinen Lederball endete mit dem aus DFB-Sicht enttäuschenden Turnier die Amtszeit von Jupp Derwall. ©  Sven Simon/Imago
EM 1988: Etwas zurückhaltend präsentiert Eike Immel den „Tango Europa“ für die bevorstehende Heim-EM. Trotz „Tango Europa „besserer Imprägnation und hochwertiger Nähte“ des Spielgeräts, reicht es für die DFB-Elf für das Halbfinale, wo man gegen die Niederlande unterlag.
EM 1988: Etwas zurückhaltend präsentiert Eike Immel den „Tango Europa“ für die bevorstehende Heim-EM. Trotz „Tango Europa „besserer Imprägnation und hochwertiger Nähte“ des Spielgeräts, reicht es für die DFB-Elf für das Halbfinale, wo man gegen die Niederlande unterlag. © Ferdi Hartung/Imago
EM 1992: Im Finale bezwingt Überraschungsteam Dänemark die deutsche Mannschaft mit 2:0 und ist neuer Europameister: „Etrusco Unico“ ist jedoch ein alter Bekannter. Er kam bereits bei der WM in Italien und bei Olympia 92 in Barcelona zum Einsatz.
EM 1992: Im Finale bezwingt Überraschungsteam Dänemark die deutsche Mannschaft mit 2:0 und ist neuer Europameister: „Etrusco Unico“ ist jedoch ein alter Bekannter. Er kam bereits bei der WM in Italien und bei Olympia 92 in Barcelona zum Einsatz.  © Bernd Weissbrod/Picture Alliance
EM 1996: Samt Rosen und Löwen im Design, kehren das Turnier und „Questra Europa“ in das Mutterland des Fußballs zurück. Am Ende ist es jedoch das DFB-Team, das in Wembley den Pokal überreicht bekommt.
EM 1996: Samt Rosen und Löwen im Design, kehren das Turnier und „Questra Europa“ in das Mutterland des Fußballs zurück. Am Ende ist es jedoch das DFB-Team, das in Wembley den Pokal überreicht bekommt. © TEAM2/Imago
EM 2000: Der „Terrestra Silverstream“ sollte sprachlich für die zahlreichen Wasserstraßen in den Niederlanden und Belgien stehen. Seine weiche Oberfläche galt damals als revolutionär.
EM 2000: Der „Terrestra Silverstream“ sollte sprachlich für die zahlreichen Wasserstraßen in den Niederlanden und Belgien stehen. Seine weiche Oberfläche galt damals als revolutionär. © Imago / Werek
EM 2004: „Roteiro“, was auf Portugiesisch mit „Straßenkarte“ übersetzt werden kann, weist der DFB-Elf den kürzesten Weg nach Hause. Nach der Vorrunde ist für das Team von Rudi Völler Schluss.
EM 2004: „Roteiro“, was auf Portugiesisch mit „Straßenkarte“ übersetzt werden kann, weist der DFB-Elf den kürzesten Weg nach Hause. Nach der Vorrunde ist für das Team von Rudi Völler Schluss.  © Imago/Sven Simon
EM 2008: Passend zum Ambiente der gastegebenden Länder, trug der Ball den Namen „Europass“. Die DFB-Elf trägt die Kugel erfolgreich durch das Alpen-Turnier bevor sie sich im Finale gegen Spanien geschlagen geben muss.
EM 2008: Passend zum Ambiente der Gastegeber, trug der Ball den Namen „Europass“. Die DFB-Elf trägt die Kugel erfolgreich durch das Alpen-Turnier bevor sie sich im Finale gegen Spanien geschlagen geben muss. © Picture Alliance/Barbara Gindl
EM 2012: Beim Turnier und Polen und der Ukraine geht „Tango 12“ an den Start. Wie seine Vorgänger aus den 80er-Jahren kommt er klassisch daher, jedoch mit leichten Farbakzenten der Gastgeberflaggen.
EM 2012: Beim Turnier und Polen und der Ukraine geht „Tango 12“ an den Start. Wie seine Vorgänger aus den 80er-Jahren kommt er klassisch daher, jedoch mit leichten Farbakzenten der Gastgeberflaggen. © Thomas Eisenhuth/Picture Alliance
EM 2016: „Beau Jeu“ (dt. „schönes Spiel“) in den Farben der französischen Trikolore ist der Begleiter des Turniers. Im Halbfinale setzten sich ebenjene Gastgeber mit 2:0 gegen die DFB-Elf durch.
EM 2016: „Beau Jeu“ (dt. „schönes Spiel“) in den Farben der französischen Trikolore ist der Begleiter des Turniers. Im Halbfinale setzten sich ebenjene Gastgeber mit 2:0 gegen die DFB-Elf durch. © Picture Alliance/Christian Charisius
EM 2020: Erstmals fand das EM Turnier in mehreren Ländern statt. Passen dazu soll „Uniforia“ in einer Mischung aus Kunst und Fußball sinnbildlich für das grenzenlose Europa stehen.
EM 2020: Erstmals fand das EM Turnier in mehreren Ländern statt. Passen dazu soll „Uniforia“ in einer Mischung aus Kunst und Fußball sinnbildlich für das grenzenlose Europa stehen. © Imago/Anthony Bibard
EM 2024: Beim Turnier in Deutschland wird der Ball mit dem klangvollen Namen „Fußballliebe“ zum Einsatz kommen. Als Extra enthält er Darstellungen aller Turnierstadien mit dem Namen der entsprechenden Stadt.
EM 2024: Beim Turnier in Deutschland wird der Ball mit dem klangvollen Namen „Fußballliebe“ zum Einsatz kommen. Als Extra enthält er Darstellungen aller Turnierstadien mit dem Namen der entsprechenden Stadt. © Picture Alliance/Bernd von Jutrczenka

Nagelsmann ruft spezielles Motto vor Deutschland-Spielen aus

Um den Glauben in der deutschen Mannschaft fest zu verankern, eine Top-Nation wie Spanien zu besiegen, lassen sich Nagelsmann und seine Kollegen vor den Spielen immer ein spezielles Motto einfallen.

„Wir haben Hunger und sind heiß“, lautete die Botschaft vor dem EM-Eröffnungsspiel gegen Schottland (5:1). „Auch der zweite Schritt wirkt“, hieß es gegen Ungarn (2:0). Zum Gruppenfinale wurde einfach das Ziel „Siegen“ ausgerufen, das gelang beim 1:1 gegen die Schweiz zwar nicht ganz, der Last-Minute-Treffer von Niclas Füllkrug bescherte dem DFB-Team aber den Gruppensieg.

Deutschland auf dem Weg zurück zur Turniermannschaft – Sieg im EM-Viertelfinale gegen Spanien?

„Jeder weiß: Mit Deutschland ist wieder bis zur letzten Minute zu rechnen. Das ist der Ruf, den wir früher hatten und der bei den Gegnern für Respekt sorgt“, erklärte Völler den neuen Geist in der deutschen Nationalmannschaft. „Wir können den EM-Titel holen“, hatte Nagelsmann, der vor einigen Jahren eine Schönheits-OP durchführte, bereits bei den beiden Testspielen im März gegen Frankreich (2:0) und die Niederlande (2:1) in einer Ansprache verlauten lassen. Gegen Spanien will Deutschland nun den nächsten Schritt zum großen Ziel gehen. (ck)

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