Er will Planungssicherheit vermitteln

Trotz Neuer-Rückschlag: Nagelsmann nimmt ter Stegen Hoffnungen auf EM-Tor

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Julian Nagelsmann setzt bei der EM auf Manuel Neuer. Damit will er früh ein klares Zeichen setzen. Doch für den Schlussmann wird die Zeit knapp.

Lyon – Jetzt steht es fest: Manuel Neuer wird bei der Fußball-EM im Sommer das Tor der deutschen Nationalmannschaft hüten. Das bestätigte Bundestrainer Julian Nagelsmann im Rahmen des Testspiels gegen Frankreich (am 23. März). Konkurrent Marc-André ter Stegen hat somit das Nachsehen. In den kommenden Partien steht der Schlussmann des FC Barcelona dennoch zwischen den Pfosten – weil Neuer verletzt ausfällt.

Trotz Neuer-Rückschlag: Nagelsmann nimmt ter Stegen Stammplatzhoffnungen für EM

Dass Neuer bei der EM die Nummer eins sein würde, hatte sich zuletzt bereits angedeutet. Auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen „Les Bleus“ kommunizierte Nagelsmann seine Wahl zugunsten des Weltmeisters von 2014 nun erstmals. Und obwohl der Bayern-Keeper für die beiden anstehenden Länderspiele aufgrund einer muskulären Verletzung ausfällt, rückt der DFB-Coach nicht davon ab – zum Leidwesen ter Stegens.

Nach seinem Comeback im Herbst habe Neuer „jetzt extrem lange sehr stabil gespielt, sowohl in der Champions League, als auch in der Bundesliga. Die Entscheidung steht. Die werde ich nicht wegen eines Muskelfaserrisses, der in acht Tagen ausgestanden ist, revidieren“, machte der 36-jährige Nationaltrainer klar. Und obwohl ter Stegen durch den Neuer-Rückschlag gegen Frankreich und die Niederlande die deutsche Nummer eins sein wird, gelte das nicht für die EM. Dadurch nahm Nagelsmann dem 31-Jährigen die Hoffnungen auf einen Stammplatz im Sommer.

Hat das Nachsehen: Torhüter Marc-André ter Stegen (l.), dem Bundestrainer Julian Nagelsmann (r.) Manuel Neuer vorzieht.

„Würde keinem Sicherheit geben“: Nagelsmann erklärt EM-Entscheidung im Tor

Der öffentlichen Bekanntgabe seien „Rollengespräche mit allen Spielern“ vorausgegangen, schilderte der DFB-Coach. Seine Intention dahinter sei, allen Akteuren frühzeitig „Sicherheit und Klarheit zu geben“, dahingehend, welche Rolle sie beim Turnier im eigenen Land einnehmen werden. „Es würde keinem Spieler Sicherheit geben, wenn ich bei jeder kleinen Verletzung sagen würde: Jetzt bist du wieder raus“, verteidigte Nagelsmann seinen Entschluss trotz Neuers kurzfristigen Ausfalls.

Eine kleine Hintertür ließ er ter Stegen dennoch offen: „Ich habe aber auch im Gespräch mit Marc gesagt, dass ich gottfroh bin, dass wir noch einen zweiten Weltklasse-Torhüter haben.“ Der frühere Gladbacher habe „versichert bekommen, dass immer etwas passieren kann auf dieser Position“, sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz und verwies auf die Verletzungshistorie der beiden Schlussmänner. Diese hatten in der jüngeren Vergangenheit jeweils mehrere Monate pausieren müssen.

Nagelsmanns Vorgänger: Das sind alle deutschen Fußball-Bundestrainer

Der neue Bundestrainer Julian Nagelsmann vor einem Bundesliga-Spiel des FC Bayern
Julian Nagelsmann: Bundestrainer seit 22. September 2023; 0 Spiele © IMAGO/Revierfoto
Hansi Flick: Bundestrainer 2021 bis 2023; 25 Spiele (12 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen)
Hansi Flick: Bundestrainer 2021 bis 2023; 25 Spiele (12 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen) © IMAGO
Joachim Löw: Bundestrainer 2006 bis 2021; 198 Spiele (124 Siege, 40 Remis, 34 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 2014
Joachim Löw: Bundestrainer 2006 bis 2021; 198 Spiele (124 Siege, 40 Remis, 34 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 2014 © Laci Perenyi
Jürgen Klinsmann: Bundestrainer 2004 bis 2006; 34 Spiele (20 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen)
Jürgen Klinsmann: Bundestrainer 2004 bis 2006; 34 Spiele (20 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen) © imago sportfotodienst
Rudi Völler: Teamchef 2000 bis 2004; 53 Spiele (29 Siege, 11 Remis, 13 Niederlagen)
Rudi Völler: Teamchef 2000 bis 2004; 53 Spiele (29 Siege, 11 Remis, 13 Niederlagen) © Imago
Erich Ribbeck: Teamchef 1998 bis 2000; 24 Spiele (10 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen)
Erich Ribbeck: Teamchef 1998 bis 2000; 24 Spiele (10 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen) © imago sportfotodienst
Berti Vogts: Bundestrainer 1990 bis 1998; 102 Spiele (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen); Europameister-Trainer 1996
Berti Vogts: Bundestrainer 1990 bis 1998; 102 Spiele (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen); Europameister-Trainer 1996 © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
Franz Beckenabuer: Bundestrainer 1984 bis 1990; 66 Spiele (34 Siege, 20 Remis, 12 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1990
Franz Beckenabuer: Bundestrainer 1984 bis 1990; 66 Spiele (34 Siege, 20 Remis, 12 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1990 ©  via www.imago-images.de
Jupp Derwall: Bundestrainer 1978 bis 1984; 67 Spiele (44 Siege, 12 Remis, 11 Niederlagen); Europameister-Trainer 1980
Jupp Derwall: Bundestrainer 1978 bis 1984; 67 Spiele (44 Siege, 12 Remis, 11 Niederlagen); Europameister-Trainer 1980 © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Helmut Schön: Bundestrainer 1964 bis 1978; 139 Spiele (87 Siege, 31 Remis, 21 Niederlagen); Europameister-Trainer 1972 und Weltmeister-Trainer 1974
Helmut Schön: Bundestrainer 1964 bis 1978; 139 Spiele (87 Siege, 31 Remis, 21 Niederlagen); Europameister-Trainer 1972 und Weltmeister-Trainer 1996 © imago sportfotodienst
Sepp Herberger: Bundestrainer 1936 bis 1942 und 1950 bis 1964; 162 Spiele (92 Siege, 26 Remis, 44 Niederlagen)
Sepp Herberger: Bundestrainer 1936 bis 1942 und 1950 bis 1964; 162 Spiele (92 Siege, 26 Remis, 44 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1954 © IMAGO/United Archives / kpa / Grimm
Otto Nerz: Bundestrainer 1926 bis 1936; 75 Spiele (44 Siege, 11 Remis, 20 Niederlagen)
Otto Nerz: Bundestrainer 1926 bis 1936; 75 Spiele (44 Siege, 11 Remis, 20 Niederlagen) © picture alliance

„Traurig“: Deutsche Fans reagieren auf Torhüter-Hierarchie bei EM

Die Reaktionen der deutschen Fans auf die jetzt feststehende Torhüter-Hierarchie fielen unterschiedlich aus. Angesichts der starken Leistungen ter Stegens in Barcelona bezeichnete ein Anhänger Nagelsmanns Wahl auf der Online-Plattform X (ehemals Twitter) als „traurig“, andere unterstellten gar ein fehlendes Leistungsprinzip in der Nationalmannschaft. Ter Stegen war nach der vergangenen LaLiga-Spielzeit als Spieler der Saison ausgezeichnet worden, er hatte Barca mit 26 Partien ohne Gegentor zum Meistertitel geführt.

Trotzdem hoben weitere Fans auf X die fehlenden Verdienste des 31-Jährigen in der Nationalelf hervor. „Beim DFB hat Ter Stegen bisher nie die Leistung gezeigt, die er auf Vereinsebene immer bringt“, schrieb ein Nutzer. Neuer hingegen überzeuge mit einer größeren Ausstrahlung und sei in Länderspielen konstanter.

Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht

Gerd Müller erzielte im klassischen Schwarz und Weiß gehalten im Finale der EM 1972 in Belgien einen Doppelpack – die BR Deutschland gewann mit 3:0 gegen die Sowjetunion. Uli Hoeneß trägt hier das Auswärtsdress, grün mit weißem Kragen, weißer Hose und grünen Stutzen.
Gerd Müller erzielte im klassischen Schwarz und Weiß im Finale der EM 1972 in Belgien einen Doppelpack – die BR Deutschland gewann mit 3:0 gegen die Sowjetunion. Uli Hoeneß trägt hier das Auswärtsdress, grün mit weißem Kragen, weißer Hose und grünen Stutzen. © Bildmontage IMAGO / Colorsport + IMAGO / Colorsport
Die EM 1976 im ehemaligen Jugoslawien hatte die DFB-Stars wieder im schlichten Schwarz-Weiß empfangen. Gegen die Tschechoslowakei verlor man im Final-Elfmeterschießen 3:5.
Die EM 1976 im ehemaligen Jugoslawien hatte die DFB-Stars wieder im schlichten Weiß-Schwarz empfangen. Gegen die Tschechoslowakei verlor man im Final-Elfmeterschießen 3:5. © imago sportfotodienst
Farblich blieben die Akzente weiterhin aus: Bei der EM 1980 in Italien sorgte aber immerhin der Kragen für Aufsehen. Sportliches Resümee: Europameister.
Farblich blieben die Akzente weiterhin aus: Bei der EM 1980 in Italien sorgte aber immerhin der Kragen für Aufsehen. Sportliches Resümee: Europameister. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Jetzt aber: Auf dem DFB-Trikot zeichneten sich leichte Querstreifen ab, die modische Revolution hat begonnen. Tatort: EM 1984 in Frankreich.
Jetzt aber: Auf dem DFB-Trikot zeichneten sich leichte Querstreifen ab, die modische Revolution hat begonnen. Tatort: EM 1984 in Frankreich. Sportlich lief es überhaupt nicht, Aus bereits in der Gruppenphase. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Deutschland erstrahlte bei der EM 1988 im eigenen Land erstmals in Schwarz-Rot-Gold. Aus im Halbfinale gegen die Niederlande.
Deutschland erstrahlte bei der EM 1988 im eigenen Land erstmals in Schwarz-Rot-Gold. Brachte fast den ganz großen Erfolg, Aus im Halbfinale gegen die Niederlande. © imago sportfotodienst
EM 1992 in Schweden: Schwarz-Rot-Gold auf den Schultern und ansatzweise im Kragen. Finalniederlage gegen Dänemark.
EM 1992 in Schweden: Schwarz-Rot-Gold auf den Schultern und ansatzweise im Kragen. Finalniederlage gegen Dänemark. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Herbert Rudel
Mehmet Scholl und Co. trugen bei der EM 1996 in England wieder eher schlicht, aber mit landesfarblichem Touch am Ärmelende sowie im Kragen. Finalsieg über Tschechien durch Golden Goal.
Mehmet Scholl und Co. trugen bei der EM 1996 in England wieder eher schlicht, aber mit landesfarblichem Touch am Ärmelende sowie im Kragen. Finalsieg über Tschechien durch Golden Goal. © Laci Perenyi via www.imago-images.de
Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlagen als Letzter der Gruppenphase – und auch die Trikots waren eher weniger der Hingucker. Das Heimtrikot war schlicht gehalten, auswärts lief das DFB-Team wieder mal in Grün auf.
Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlagen als Letzter der Gruppenphase. Das Heimtrikot war schlicht gehalten, auswärts lief das DFB-Team wieder mal in Grün auf. © Bildmontage Rolf Kosecki/Imago + IMAGO / Horstmüller
Sportlich glich auch die EM 2004 in Portugal einem Horrorszenario – Aus in der Gruppenphase zum zweiten Mal in Folge. Das Auswärtsgrün wich einem Auswärtsschwarz, das Heimtrikot war dem zur vorherigen Europameisterschaft ziemlich ähnlich.
Sportlich glich auch die EM 2004 in Portugal einem Horrorszenario – Aus in der Gruppenphase zum zweiten Mal in Folge. Das Auswärtsgrün wich einem Auswärtsschwarz, das Heimtrikot war dem der vorherigen Europameisterschaft ziemlich ähnlich. © Bildmontage IMAGO / Camera 4 + IMAGO / Pixsell
Schwarz-Rot-Gold war in Österreich und der Schweiz bei der EM 2008 wieder mitten auf der Brust zu sehen – erst dick in Schwarz, dann in Rot und Gold schmal darunter. Beim Auswärtstrikot setzte der DFB auf ein ungewohnt schrilles Rot, garniert mit einem schwarzen Balken in der Mitte. Finalniederlage gegen Spanien.
Schwarz-Rot-Gold war in Österreich und der Schweiz bei der EM 2008 wieder mitten auf der Brust zu sehen – erst dick in Schwarz, dann in Rot und Gold schmal darunter. Beim Auswärtstrikot setzte der DFB auf ein ungewohnt schrilles Rot, garniert mit einem schwarzen Balken in der Mitte. Finalniederlage gegen Spanien. © Bildmontage IMAGO / Bernd König + IMAGO / Sven Simon
Polen und die Ukraine waren Gastgeber der EM 2012, bei der die DFB-Elf wieder auf eher schlichte Trikots setzte. Das Heimjersey war fast komplett in Weiß gehalten, hatte dazu leichte schwarze Streifen. Auswärts war ein knalliges Grün ziemlich auffällig. Fast wie die Leistungen: Halbfinalniederlage gegen Italien.
Polen und die Ukraine waren Gastgeber der EM 2012, bei der die DFB-Elf wieder auf eher schlichte Trikots setzte. Das Heimjersey war fast komplett in Weiß gehalten, hatte dazu leichte schwarze Streifen. Auswärts war ein knalliges Grün ziemlich auffällig. Fast wie die Leistungen: Halbfinalniederlage gegen Italien. © Bildmontage IMAGO / Sportimage + IMAGO / DeFodi
Der zwei Jahre zuvor geholte WM-Pokal zierte beim Heimtrikot die deutsche Brust, das Auswärtsleibchen wurde bei der EM 2016 in Frankreich in Grau und Grün gehalten. Grau für die Hinterhöfe und Bolzplätze, Grün für die Rasenplätze der Vereinsmannschaften. Wieder Niederlage im Halbfinale, diesmal gegen Frankreich.
Der zwei Jahre zuvor geholte WM-Pokal zierte beim Heimtrikot die deutsche Brust, das Auswärtsleibchen wurde bei der EM 2016 in Frankreich in Grau und Grün gehalten. Grau für die Hinterhöfe und Bolzplätze, Grün für die Rasenplätze der Vereinsmannschaften. Wieder Niederlage im Halbfinale, diesmal gegen Frankreich. © Bildmontage IMAGO / Fotostand + IMAGO / Fotoarena
Das Grün im Auswärtstrikot wich bei der kontinental ausgetragenen EM 2021 wieder dem schwarzen Grund. Ansonsten spielte das DFB-Team in Weiß mit länglichen schwarzen Streifen. Die Ära Jogi Löw endete, Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus.
Das Grün im Auswärtstrikot wich bei der kontinental ausgetragenen EM 2021 wieder dem schwarzen Grund. Ansonsten spielte das DFB-Team in Weiß mit länglichen schwarzen Streifen. Die Ära Jogi Löw endete, Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus. © Bildmontage IMAGO / Sven Simon + IMAGO / ULMER Pressebildagentur

DFB-Comeback Anfang Juni: Neuer kommt erst kurz vor EM-Beginn zurück

Der dann 38-jährige Neuer wird somit sein Nationalmannschaftscomeback erst am 3. Juni im Test gegen die Ukraine in Nürnberg feiern – also lediglich elf Tage vor dem EM-Eröffnungsspiel gegen Schottland in München. Letztmals stand er im November 2022 beim letzten Gruppenspiel der WM in Katar gegen Costa Rica zwischen den Pfosten, als Deutschland bitter ausschied. Danach setzte ihn eine Unterschenkelverletzung bis zum Oktober des Folgejahres außer Gefecht.

Julian Nagelsmann hingegen verriet zu seiner eigenen Zukunft auf der Pressekonferenz nichts Neues. Allerdings bleiben dem Bundestrainer über den Sommer hinaus wohl nur zwei Optionen. (wuc)

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