Erneut steht der Video-Schiedsrichter nach einem Bundesliga-Spieltag im Fokus. Ein Klub fühlt sich wegen einer strittigen Elfmeter-Szene besonders benachteiligt.
Köln – Am Sonntagabend (29. September) lieferten sich der 1. FC Köln und der VfB Stuttgart ein packendes Duell – mit dem besseren Ende für die Schwaben, die sich nach einem frühen Treffer von Kölns Jakub Kaminski (4. Minute) durch ein Elfmetertor von Ermedin Demirovic (28.) und Josha Vagnoman (81.) mit 2:1 durchgesetzt haben. Allen voran der Strafstoß sorgte im Nachgang der Partie für Wirbel und auf Seite der Kölner für mächtig Frust.
So holte Köln-Trainer Lukas Kwasniok nach der Partie zum Rundumschlag gegen den Video-Schiedsrichter aus. „Es ist seit Jahren so, dass ich da keine Sinnhaftigkeit sehe. Der VAR hat sich gemeldet, weil er das in der Slow-Mo gesehen hat. Und dann wird das als richtige Entscheidung dargestellt“, wütete er bei DAZN und ergänzte scherzhaft: „Gott sei Dank haben wir den VAR, um den Fußball gerechter zu machen – er wird immer fragwürdiger. Das ist mein Problem.“
VfB-Elfmeter sorgt für Wirbel – Köln erhebt VAR-Vorwürfe
Doch was war überhaupt passiert? Köln-Keeper Marvin Schwäbe erwischte den heranstürmenden Demirovic im Strafraum am Fuß, doch der VfB-Stürmer ließ sich nicht fallen, sondern lief sogar noch weiter und kämpfte mit einer Grätsche um den Ball. Dennoch meldete sich der VAR und schickte Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck nach draußen an den Monitor, um sich die Videobilder anzuschauen. Letztlich entschied dieser dann auf Elfmeter.
„Ich sehe keinen einzigen Stuttgarter, der sich in irgendeiner Form beschwert. Es gibt den Kontakt, (...) aber nicht jeder Kontakt ist ein Foul“, rätselte Kwasniok über die Entscheidung. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Unparteiische sehr glücklich ist, dass er so unter Druck gesetzt wird, für so eine Aktion rausgeschickt zu werden.“
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Abschließend stellte er klar, dass es durch den VAR „nicht gerechter“ wird und sich ihm die „Sinnhaftigkeit des VAR nach wie vor nicht erschließt.“ Kölns Sportdirektor Thomas Kessler pflichtete seinem Trainer bei und monierte: „Wenn ich das Standbild und die Berührung sehe, muss ich den Elfmeter geben. Aber die Frage, die hier gestellt werden muss, ist: Warum wird auf dem Rücken des 1. FC Köln so eine Situation so bewertet?“
Anschließend präzisierte er seine Aussagen und vermutete fast schon eine Art Verschwörung: „Es würde mich sehr interessieren, ob so eine Situation auch so bewertet würde, wenn Bayern München gegen Borussia Dortmund spielt und es dort um die Meisterschaft geht. Dann gibt es keinen Videoassistenten auf der Welt, der den Schiedsrichter dafür rausschickt“, vermutete Kessler, der daher heute „sehr große Fragezeichen habe.“
Die Schuld sah er übrigens nicht bei Schiedsrichter Jöllenbeck, der sei durch den VAR-Einsatz „mehr oder weniger gezwungen worden“ den Elfmeter zu pfeifen. „Das muss man ganz klar Deutz zuordnen und dem zuständigen Videoschiedsrichter. Das ist Günter Perl. Dass so ein erfahrener Schiedsrichter so in dieser Situation interveniert, wundert mich extrem.“
Demirovic erklärt Elfmetersituation aus seiner Sicht
Mit Demirovic hat sich auch der Gefoulte selbst zu Wort gemeldet. „Das ist mein Problem. Mein Naturell ist leider, nicht zu fallen. Ich kann es nicht, ich habe es nie beigebracht bekommen“, erklärte er die Situation aus seiner Sicht. Er sei ein „fairer Sportsmann und versuche da, mich nicht zu drehen und theatralisch zu fallen und zu schreien.“ Daher freue es ihn umso mehr, „dass es dann so gewertet worden ist.“ (dwe)