Paul Nebel sollte bereits in Bratislava die ersten Einsatzminuten bekommen, damit sich die Option Irland endgültig erledigt.
Herzogenaurach – Sicherlich kein Zufall, dass Paul Nebel fast als Vorhut den gepflegten Trainingsplatz in Herzogenaurach betrat, um im Kreis der Nationalmannschaft mitzumischen. Die Berufung in den elitären Zirkel hat der edle Techniker vom FSV Mainz 05 als Auszeichnung begriffen, bei der keine Zeit zu verlieren ist. Beim Mediengespräch nach der ersten Übungseinheit betonte der Neuling gleich mal, dass sich mit dem Auftakt der WM-Qualifikation der DFB-Auswahl gegen die Slowakei in Bratislava (20.45 Uhr/ARD) gerade für ihn ein Kreis schließe: „Ich habe schöne Erinnerungen an Stadt und Land.“
Genau wie Nick Woltemade und Nnamdi Collins kennt der gebürtige Bad Nauheimer die slowakische Hauptstadt von der U21-EM aus dem Sommer bestens. Die Endspielniederlage gegen England (2:3 n.V.) sei zwar „ein bitterer Moment“ gewesen, aber vielleicht wird die Heimstätte von Slovan Bratislava jetzt zum Schauplatz seiner ersten Einsatzminuten im A-Team. Alle Spekulationen wären dann hinfällig, dieser wendige Dribbler mit dem riesigen Aktionsradius könnte sich noch für die irische Nationalmannschaft entscheiden, weil die Großmutter aus Irland kommt. Und in jedem Urlaub hat es ihm bekanntlich auf der grünen Insel bestens gefallen.
Nagelsmann kennt Nebels Potential
„Wenn das beim DFB irgendwann nicht mehr klappen sollte, dann muss man sich auch Gedanken machen, weil auch Irland in meinem Herzen ist“, sagte der 22-Jährige vor knapp drei Monaten. Nagelsmann weiß natürlich, welches großes Potenzial in dem kleinen Mann (1,69 Meter) schlummert. Viele hielten ihn und nicht das ewige Spekulationsobjekt Woltemade für die Schlüsselfigur im deutschen Nachwuchsensemble. Nebel begreift den gerade zu Newcastle United transferierten Kollegen Woltemade weniger als Vorbild sondern „als Ansporn“. Die Auszeichnung zum besten Spieler des Nachwuchsturniers habe er ihm genauso gegönnt wie den Megatransfer in die Premier League.
Es könnte irgendwann auch der Weg für das Mainzer Eigengewächs werden. Bei Brajan Gruda sagten die Nullfünfer vor einem Jahr nicht Nein, als das Angebot von Brighton & Hove Albion über 40 Millionen Euro Entschädigung hereinkam. Nun scherzte Trainer Bo Henriksen, Nebel müsse noch ein Jahr in Mainz spielen, „dann können wir ihn für 80 Millionen Euro verkaufen.“ Vielleicht ist das im WM-Sommer 2026 weniger abwegig als der Däne bei diesem Statement dachte.
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Nebel versicherte im DFB-Kreise artig, den Fokus auf die aktuellen Herausforderungen legen zu wollen. Schon die Qualifikation für die Conference League sei für seinen Klub „ein großes Ding: Für mich ist es gut, die Dreifachbelastung zu erleben“. Dumm, dass er gleich zum Bundesligaauftakt gegen den 1. FC Köln (0:1) die Rote Karte sah und deshalb beim VfL Wolfsburg (1:1) zusehen musste. Er wäre also bestens ausgeruht, um dem Nationalteam auf der allerersten Etappe zur WM 2026 zu helfen. Nach eigenem Bekunden käme er im neuen System „für zwei Positionen“ infrage: entweder auf der Halbposition im Mittelfeld oder als Flügelstürmer. Sein Credo: „Ich will mich zeigen.“ Nicht nur beim Kreisspielchen auf dem Trainingsplatz.