Surreale Momente bei Weltfußballer-Wahl: Messi-„Skandal“ und peinliche Stille
VonAlexander Kaindl
schließen
Lionel Messi ist einmal mehr FIFA-Weltfußballer, er setzt sich gegen Erling Haaland durch. Die Wahl sorgt für überraschte Gesichter – und peinliche Momente der Stille.
London – Beklemmender hätte die Szenerie kaum sein können. Am Montagabend wurde Lionel Messi zum FIFA-Weltfußballer des Jahres 2023 gekürt. Der Superstar selbst war bei der Zeremonie in London nicht anwesend – und nicht nur dieser Umstand sorgte im Publikum der Gala für ungläubige Gesichter.
Weltfußballer-Wahl: Messi gewinnt, ist aber nicht da – und alle schweigen
Denn dass Messi einmal mehr den „The Best“-Award – nicht zu verwechseln mit dem Ballon d‘Or – einheimste, irritierte sehr viele Ehrengäste. Allen voran natürlich Alf-Inge Haaland, den Vater von Manchester-City-Superstar Erling Haaland. Unmittelbar nach der Verkündung schwenkte die Kamera auf ihn. Sein Gesichtsausdruck? Milde überrascht wäre wohl noch untertrieben.
Nach dem schnell verklungenen Applaus folgten dann peinliche Momente der Stille. Kein Messi, der die Trophäe entgegennehmen könnte. Und ohnehin: Was hat der in die Jahre gekommene Argentinier 2023 schon groß erreicht? Diese Frage stellten sich am Abend Fans, Journalisten und Experten.
Etliche Ehemalige äußerten nach der Wahl ihr Unverständnis. Lothar Matthäus übte deutliche Kritik: „Er darf dieses Mal nicht der Sieger sein“, sagte der 62-Jährige bei Sky: „Ich finde, dass er der beste Fußballer der letzten 20 Jahre war, aber er hat mit Paris und Miami, wo er jetzt für einen Hype sorgt, keine großen Titel gewonnen.“
Viel eher hätte er Haaland als verdienten Gewinner gesehen: „Wenn man nach den großen Erfolgen geht, führt kein Weg an Manchester City und – bei der Wahl des besten Spielers – an Erling Haaland vorbei. Er hat mit ManCity die wichtigsten Titel geholt, seine Trefferquote war beeindruckend. Das sollte entscheidend sein, wenn man den besten und wichtigsten Spieler kürt – und der war Haaland.“
Norwegen-Frust nach Entscheidung für Messi und gegen Haaland
Auch in Haalands Heimat saß der Frust tief. Der ehemalige Bundesligaprofi Jan Aage Fjörtoft echauffierte sich bei X: „Wie kann Erling Haaland nicht der beste Spieler im Jahr 2023 sein? Wenn Auszeichnungen wie diese bei den Spielern Anerkennung erlangen wollen, müssen sie damit aufhören. Die Preise werden am Ende wertlos sein.“
Ex-Profi und TV-Experte Carl-Erik Torp ging sogar noch weiter: „Ich muss mich erstmal etwas beruhigen. Ich bin überrascht. Ich würde sagen, das ist ein Skandal.“
Champions-League-Sieger seit 1992/93 – bekommen Sie noch alle zusammen?
FIFA-Weltfußballer 2023: Entscheidend war der Zeitraum vom 19. Dezember 2022 bis 20. August 2023
Entscheidend für die Wahl, bei der alle Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften sowie Fachjournalisten und Fans stimmberechtigt waren, war offiziell der Zeitraum vom 19. Dezember 2022, dem Tag nach Argentiniens WM-Sieg, bis 20. August 2023 – da spielte Messi noch zusammen mit Kylian Mbappé bei PSG.
Die Entscheidung fiel denkbar knapp: Messi und Haaland lagen im komplizierten Punktesystem gleichauf, den Ausschlag gaben nur die Stimmen der Teamkapitäne. Ilkay Gündogan stimmte da beispielsweise für seinen Ex-Kollegen Haaland. Bayern-Star Harry Kane hingegen für Messi.
Thierry Henry versucht peinliche Stille mit Tottenham-Witz aufzulockern
So oder so: Thierry Henry, der die Gala zusammen mit Reshmin Chowdhury moderierte, versuchte, den peinlichen Augenblick der Stille noch zu retten. Als niemand auf die Bühne kam, um die Messi-Auszeichnung entgegenzunehmen, fragte er seine Kollegin: „Du bist Tottenham-Fan, oder? Du solltest sie nehmen – denn normalerweise bekommt ihr ja keine Trophäen in die Hände.“ Damit spielte die Arsenal-Legende auf die chronische Erfolgslosigkeit von Erzfeind Tottenham an. Gelächter und kurzer Applaus folgten.
So richtig wusste aber auch das Moderatoren-Duo nicht, was es mit diesem Moment anstellen sollte. Nach einer weiteren kleinen Pause führten Henry und Chowdhury weiter durch die Zeremonie. (akl/sid/dpa)