Abschiedskandidat beim FC Bayern? Die erstaunliche Statistik von Leon Goretzka
VonPeter Grad
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Der Vertrag von Nationalspieler Leon Goretzka läuft im Sommer 2026 beim FC Bayern aus. Ein Kommentar zur Lage des angeblichen Abschiedskandidaten.
München – Der 67-fache Nationalspieler Leon Goretzka wechselte im Sommer 2018 ablösefrei vom FC Schalke 04 zum FC Bayern. Seine stärkste Spielzeit beim Rekordmeister hatte er wohl in der Triple-Saison 2019/20, in welcher er auf dreifache Weise auffällig war: Er war zusammen mit Joshua Kimmich einer der ersten Fußballer, die in der Corona-Zeit große Spendenaktionen organisierten, gleichzeitig baute er in der Spiel-freien Phase auf erstaunliche Weise seine Muskulatur auf und auf dem Spielfeld war er einer der Münchner Leistungsträger, die entscheidend zu Meisterschaft, Pokal- und Champions-League-Sieg beitrugen.
Hatte der 30-Jährige in München noch für ein verhältnismäßig bescheidenes Jahresgehalt von fünf bis sechs Millionen Euro begonnen, wurde dieses im September 2021 bei gleichzeitiger Verlängerung bis 2026 als Führungsspieler erheblich aufgestockt. Mit 17 Millionen Euro zählt er seitdem zu den besserverdienenden Bayern-Profis. Was für seinen Kontostand ein Segen ist, ist gleichzeitig in seiner öffentlichen Wahrnehmung immer dann Anlass zu großer Kritik, wenn seine Leistungen auf dem Spielfeld nicht mehr ganz so erstklassig bewertet werden.
Goretzka regelmäßig als Abschiedskandidat vom FC Bayern gehandelt
Außerdem wird der politisch engagierte Nationalspieler spätestens seit dem vor knapp zwei Jahren vom mächtigen FCB-Aufsichtsrat verkündeten Sparkurs bei den Spielergehältern in jeder Transferperiode als Abschiedskandidat gehandelt. Im Sommer 2024 schien er unter dem damals neuen Coach Vincent Kompany bereits aussortiert gewesen zu sein, um dann vom Belgier ein höchstes Lob für seinen Willen, seinen Fleiß und sein Trainings-Engagement zu erhalten. Nicht nur beim Rekordmeister feierte er ein gelungenes Comeback, auch Bundestrainer Julian Nagelsmann machte ihn – nach vorheriger Aussortierung – wieder zur festen Größe in der Nationalmannschaft.
In der kommenden Januar-Transferperiode könnten die Verantwortlichen des FC Bayern letztmals aufgrund der Vertragssituation für Goretzka eine Ablösesumme verlangen – sein Marktwert wird laut dem Portal Transfermarkt.de auf 15 Millionen taxiert. Laut Medienberichten gibt es zahlreiche internationale Interessenten, darunter Atlético Madrid, einige Top-Klubs der Serie A, Fenerbahçe Istanbul.
Der Spieler selbst fühlt sich in München jedoch ausgesprochen wohl – privat wie sportlich. Und dies obwohl ihm regelmäßig in der Öffentlichkeit nahe gelegt wird, dass er noch im Winter den Verein wechseln müsse, um nicht seine Chancen auf eine WM-Teilnahme zu verwirken. Als „Ersatzspieler“ würde er bei Nagelsmann durch das Raster fallen.
Nur drei Bayern-Spieler mit mehr Einsätzen als Goretzka
Regelmäßig wird auf Goretzkas angeblich mittlerweile geringer werdende Bedeutung für das so glänzend aufspielende FCB-Starensemble hingewiesen. Bei den Spielbewertungen bekommt er nicht selten die schwächste Note aller Spieler (zuweilen auch ungerechtfertigt), es wird aber auch auf die unter Kompany zunehmend ausbleibenden Spieleinsätze aufmerksam gemacht. Dabei sollte jedoch seine Kritiker eine Statistik überraschen: Nach Michael Olise, Harry Kane (beide sämtliche 25 Pflichtspiele) und Konrad Laimer (24) hat der 30-Jährige zusammen mit Joshua Kimmich mit 23 die viertmeisten Pflichtspieleinsätze in dieser Spielzeit.
Das ist keineswegs die Bilanz eines Spielers, der mehr und mehr auf das Abstellgleis gerät, auf den man in der Rückrunde (bei einem bereits dünnen Kader) verzichten könnte oder der chancenlos auf eine Vertragsverlängerung wäre. Beim letzten BL-Spiel des Kalenderjahres 2025 in Heidenheim (4:0) fielen Laimer (Gelb-gesperrt), Kimmich (verletzt), Aleksandar Pavlović und Tom Bischof (beide krank) für die zentralen Mittelfeld-Positionen aus. Nur Goretzka und der ebenfalls ständig als Abschiedskandidat gehandelte Raphaël Guerreiro standen noch zur Verfügung – und machten ihre Sache sehr gut.
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Neben dem gesetzten Kimmich sollen die Jungnationalspieler Pavlović und Bischof in Kompanys Gunst weiter oben als Goretzka stehen. Bei den Einsatzminuten steht der gebürtige Bochumer (1.108) jedoch nicht weit hinter dem Ex-Campus-Spieler (1.319) und noch ganz klar vor dem Sommer-Neuzugang aus Hoffenheim (689).
Auffällig ist tatsächlich, dass Goretzka in der Bundesliga sehr ausgiebig Spielminuten bekommt, dagegen in der Champions League und im Pokal jeweils als Einwechselspieler kommt. Auch kann der bald 31-Jährige nicht wie in früheren Spielzeiten als Scorer glänzen. Waren es früher regelmäßig Torbeteiligungen im zweistelligen Bereich, zuletzt 2023/24 sogar 15 (sechs Tore, neun Assists), war Goretzka in dieser Spielzeit bei seinen 23 Pflichtspieleinsätzen noch an keinem einzigen der 85 FCB-Treffer direkt beteiligt. Das hängt wohl aber auch damit zusammen, dass die Aufgaben des einstigen Box-to-Box-Spielers bei Kompany wesentlich defensiver definiert sind.
Goretzka ein engagierter und emotionaler Spieler
Goretzka kann weiterhin auf die Wertschätzung seines Trainers bauen, er selbst hat sich auch nicht emotional vom FC Bayern distanziert, wie teilweise aufgrund der Löschung von Social-Media-Beiträgen spekuliert wurde. Ganz im Gegenteil: Wer den Ex-Schalker nach Spielen wie nach dem Pokal-Fight in Berlin vor der Fankurve erlebt, erkennt seine nach wie vor riesige Vereinsverbundenheit.
Was jedem Spieler jedoch nahe gehen würde, sind die Anfeindungen, die Goretzka derzeit im Netz erleben muss (der wahre Grund für die Beitrags-Löschungen!). Der intelligente Nationalspieler wird dabei wohl auch nicht zuletzt Opfer seines politischen Engagements, mit dem er übrigens stets im absoluten Einklang mit seinem Klub steht (Nie wieder!). Für seine klare Positionierung wird er häufig als „links-grün versifft“ tituliert bzw. beleidigt. Was inhaltlich allerdings komplett falsch ist: Bei der letzten Bundespräsidenten-Wahl wurde er von der SPD als Wahlmann nominiert.