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Niclas Füllkrug hat ein märchenhaftes Jahr hinter sich. Jetzt könnte er auch Torschützenkönig werden – und so in die Bundesliga-Historie eingehen.
Bremen – Die Bundesliga-Saison 2022/23 ist in ihren Endzügen, die großen Entscheidungen stehen an. Während das Duell um die Meisterschaft zwischen Bayern München und Borussia Dortmund allerhand Spannung bietet, gleicht der Kampf um die Torjägerkanone eher einem Schneckenrennen. Kurz vor Saisonende ist Niclas Füllkrug von Werder Bremen mit 16 Treffern der beste Torschütze der Bundesliga – und könnte damit jetzt einen traurigen Rekord aufstellen.
| Bundesliga-Torschützenkönig | |
|---|---|
| Erster Titelträger: | Uwe Seeler (mit 30 Toren in der Saison 1963/64) |
| Torschützenkönig mit den meisten Toren: | Robert Lewandowski (mit 41 Toren 2020/21) |
| Torschützenkönige mit den wenigsten Toren: | Thomas Allofs, Roland Wohlfarth (beide 1988/89) und Fredi Bobic (1995/96) (mit je 17 Toren) |
| Spieler mit den meisten Torjägerkanonen: | Gerd Müller und Robert Lewandowski (mit je sieben) |
Füllkrug seit Ende Januar Führender der Bundesliga-Torschützenliste
Füllkrug, der eine bewegte Karriere hinter sich hat, steht bereits seit dem 18. Spieltag an der Spitze der Torjäger. Damals, also am 28. Januar diesen Jahres, hatte er sich mit einem Doppelpack beim 2:1-Sieg von Grün-Weiß gegen den VfL Wolfsburg an Leipzigs Christopher Nkunku vorbeigeschoben. Dieser fehlte den Roten Bullen ab November lange, nachdem er sich in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft am Ende des vergangenen Jahres bei der französischen Nationalmannschaft verletzt hatte.
Die beiden hatten sich bis dahin einen engen Zweikampf um die Führung in der Torschützenliste geliefert. In der Folge baute Füllkrug seinen Vorsprung noch etwas aus und kommt mittlerweile auf 16 Buden. Zuletzt traf der 30-Jährige Anfang April beim Auswärtsspiel in Mainz doppelt. Das war zugleich sein bisher letzter Einsatz: Auch er verletzte sich kurz darauf und fällt seitdem mit Wadenproblemen aus.
Kaum Konkurrenz: Füllkrug wird wohl mit 16 Toren Bundesliga-Torschützenkönig
Und trotz seiner langen Abstinenz scheint Füllkrugs erste Torjägerkanone nicht wirklich in Gefahr: Hinter ihm lauern mit Freiburgs Vincenzo Grifo ein Mittelfeldspieler und mit Frankfurts Randal Kolo Muani ein Stürmer, der aber keine echte Tormaschine ist. Beide stehen derzeit bei 14 Treffern. Dahinter folgen Nkunku, Marcus Thuram (Borussia Mönchengladbach) und Serge Gnabry vom FC Bayern mit 13 Toren.
Während der Motor der beiden Franzosen in der Rückrunde mit einem (Nkunku) beziehungsweise drei Treffern (Thuram) stockt, scheint einzig Gnabry seinen Nationalmannschaftskollegen Füllkrug noch angreifen zu wollen. In den letzten drei Partien des Rekordmeisters steuerte er vier Tore bei, er könnte jetzt das Torjäger-Problem der Bayern lösen. Jedoch beträgt der Abstand zum Werder-Star, den Gnabry an den letzten beiden Spieltagen wettmachen muss, noch immer drei Buden.
16 Treffer von möglichem Torschützenkönig Füllkrug wären Negativrekord in Historie der Bundesliga
Somit läuft es darauf hinaus, dass Niclas Füllkrug, der verletzungsbedingt überhaupt nicht mehr zum Einsatz kommen könnte, mit 16 Treffern erstmals Bundesliga-Torschützenkönig wird. Für den 30-Jährigen wäre dies nach dem märchenhaften Jahr mit dem Bundesliga-Aufstieg, zu dem er Werder mit 19 Zweitliga-Toren geschossen hatte, und seinem Nationalmannschaftsdebüt ein toller Abschluss.
Für die Liga hingegen ist der Stand im Torjägerrennen bereits jetzt ein mageres Zeugnis – und wäre auch ein neuer Negativrekord. So wenige Treffer wie aktuell reichten noch nie in der mittlerweile 60-jährigen Bundesliga-Geschichte, um sich die begehrte Torjägerkanone zu sichern. Der bisherige Tiefstwert liegt bei 17 Toren, aufgestellt 1988/89 von Thomas Allofs (1. FC Köln) und Roland Wohlfarth (FC Bayern) sowie sieben Jahren später von Fredi Bobic 1995/96, der damals in Diensten des VfB Stuttgart stand.
Zum Vergleich: Mit diesem Wert hätte „Fülle“ vor einem Jahr den sechsten Rang des Klassements belegt. Damals schoss Robert Lewandowski die Münchner mit 35 Toren zur Meisterschaft. Der mögliche neue „Rekord“-Halter Füllkrug hatte sich zuletzt überraschend zu einem möglichen Wechsel zu den Bayern geäußert. (wuc)
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