Lange Sperre befürchtet

„Es war ein Schock“: Trainer nimmt Stellung zum Doping-Skandal um Carl

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Das deutsche Langlauf-Team ist nach wie vor erschüttert. Bei Victoria Carl wurde Doping nachgewiesen. Ihr Trainer Per Nilsson bezieht jetzt Position.

Schweden – Ein Trainer versucht, seine Athletin in Schutz zu nehmen. Victoria Carl, eine der besten Langläuferinnen Deutschlands und Olympiasiegerin im Teamsprint 2022, wurde Ende Juli positiv auf die Substanz Clenbuterol getestet. Der deutsche Bundestrainer, der Schwede Per Nilsson äußert sich jetzt erstmals zum Doping-Schock.

Top-Langläuferin Victoria Carl steht vor dem Rätsel einer positiven Doping-Probe.

Der schwedischen Zeitung Expressen sagt Nilsson: „Es war ein Schock. Natürlich hat es Auswirkungen auf das Team. Das ist weder für das Team noch für den Skisport eine erfreuliche Sache.“ Er ist allerdings weit davon entfernt, seine Athletin an den Pranger zu stellen. Ganz im Gegenteil, der Coach sichert Victoria Carl seine Unterstützung zu.

Doping-Skandal um Victoria Carl sorgt für Entsetzen, auch bei Trainer Nilsson

Die nationale Anti-Doping-Agentur NADA hat die Läuferin im Visier, es droht eine Sperre zu den Olympischen Spielen 2026, die in Mailand und Cortina stattfinden. Das nachgewiesene Mittel hätte sich bei Carl in einem Hustensaft befunden, teilte der DSV mit. Die Zweite des Gesamtweltcups der vergangenen Saison weiß, dass sie ihre Medaillen von 2022 möglicherweise nicht verteidigen kann.

Victoria Carl gibt an, nichts für den positiven Doping-Test zu können, ein Bundeswehr-Arzt hätte ihr geraten, den Hustensaft einzunehmen. Nilsson stellt klar: „Die Verschreibung des Arztes war medizinisch nachvollziehbar, aber organisatorisch mangelhaft. Die Sportlerin trifft keinerlei Schuld. Sie handelte im Vertrauen auf einen Spezialisten und die kompetente medizinische Versorgung im Rahmen einer offiziellen militärischen Wettkampfveranstaltung.“

Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Weltcup-Dominatorin – Die größten Erfolge von Laura Dahlmeier

Laura Dahlmeier ist eine der erfolgreichsten Biathletinnen aller Zeiten. In ihrer beeindruckenden Karriere konnte sie zahlreiche Erfolge feiern.
Laura Dahlmeier ist eine der erfolgreichsten Biathletinnen aller Zeiten. In ihrer beeindruckenden Karriere konnte sie zahlreiche Erfolge feiern. © IMAGO / Laci Perenyi/ Sammy Minkoff/Hartenfelser
Beim Europäischen Olympischen Jugendfestival  in Liberec 2011 feierte Laura Dahlmeier ihren ersten Triumph: Sie gewann Gold im Sprint, Einzel und mit der Mixed-Staffel – ein Vorgeschmack auf ihre spätere Weltklasse-Karriere.
Beim Europäischen Olympischen Jugendfestival in Liberec 2011 feierte Laura Dahlmeier ihren ersten Triumph: Sie gewann Gold im Sprint, Einzel und mit der Mixed-Staffel – ein Vorgeschmack auf ihre spätere Weltklasse-Karriere. © IMAGO / CTK Photo
Bei der Junioren-WM im Januar 2013 in Obertilliach gewann Dahlmeier (mitte)  Gold im Sprint, Einzel und mit der Staffel – und sicherte sich zusätzlich Silber in der Verfolgung. Sie war die erfolgreichste Athletin der Titelkämpfe.
Bei der Junioren-WM in Obertilliach gewann Dahlmeier (mitte) Gold im Sprint, Einzel und mit der Staffel – und sicherte sich zusätzlich Silber in der Verfolgung. Sie war die erfolgreichste Athletin der Titelkämpfe. © IMAGO / Eibner
Mit nur 19 Jahren wurde sie rund einen Monat später überraschend für die Damenstaffel bei der Biathlon-WM nominiert. Ohne Schießfehler und mit drittbester Laufzeit zeigte sie ihre Klasse – und gab ein bemerkenswertes Debüt.
Mit nur 19 Jahren wurde sie überraschend für die Damenstaffel bei der Biathlon-WM nominiert. Ohne Schießfehler und mit drittbester Laufzeit zeigte sie ihre Klasse – und gab ein bemerkenswertes Debüt. © IMAGO / GEPA pictures
Nur kurze Zeit nach ihrer WM-Premiere erreichte sie bei ihrem ersten Weltcup-Einzelrennen im März 2013 in Oslo direkt den 7. Platz.
Nur kurze Zeit nach ihrer WM-Premiere erreichte sie bei ihrem ersten Weltcup-Einzelrennen in Oslo direkt den 7. Platz. © IMAGO / GEPA pictures
Im März 2013 feierte sie auch ihren ersten Sieg im Weltcup: Als Schlussläuferin führte Dahlmeier das deutsche Quartett in Sotschi mit einer starken Schießeinlage und überragender Schlussrunde zum Staffelsieg.
Im März 2013 feierte sie auch ihren ersten Sieg im Weltcup: Als Schlussläuferin führte Dahlmeier das deutsche Quartett in Sotschi mit einer starken Schießeinlage und überragender Schlussrunde zum Staffelsieg. © IMAGO / Laci Perenyi
Bei den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 in Sotschi erfüllte sich Dahlmeier mit gerade einmal 20 Jahren ihren großen Traum – sie ging erstmals bei Olympia an den Start. Auch wenn es noch keine Medaille gab, sammelte sie wertvolle Erfahrung.
Bei den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 in Sotschi erfüllte sich Dahlmeier mit gerade einmal 20 Jahren ihren großen Traum – sie ging erstmals bei Olympia an den Start. Auch wenn es noch keine Medaille gab, sammelte sie wertvolle Erfahrung. © IMAGO / Kosecki
Am 7. Februar 2015 gelang Dahlmeier beim Sprint in Nové Město ihr erster Sieg in einem Einzel-Weltcuprennen. Mit starker Laufleistung und konzentriertem Schießen setzte sie sich gegen die Weltelite durch.
Am 7. Februar 2015 gelang Dahlmeier beim Sprint in Nové Město ihr erster Sieg in einem Einzel-Weltcuprennen. Mit starker Laufleistung und konzentriertem Schießen setzte sie sich gegen die Weltelite durch. © IMAGO / ANP
Im März 2015 feierte sie ihren ersten WM-Titel: Gemeinsam mit der deutschen Damenstaffel gewann Dahlmeier Gold bei den Weltmeisterschaften in Kontiolahti, Finnland – ein großer Tag für das Team und die junge Ausnahmeathletin.
Im März 2015 feierte sie ihren ersten WM-Titel: Gemeinsam mit der deutschen Damenstaffel gewann Dahlmeier Gold bei den Weltmeisterschaften in Kontiolahti, Finnland – ein großer Tag für das Team und die junge Ausnahmeathletin. © IMAGO / ANP
Zuvor hatte sich Dahlmeier nach einem vierten Platz im WM-Sprint bereits die Silbermedaille im Verfolgungsrennen gesichert.
Zuvor hatte sich Dahlmeier im Verfolgungsrennen bereits die Silbermedaille gesichert. © IMAGO / Sammy Minkoff
Spätestens bei der Biathlon-WM am legendären Holmenkollen in Oslo im März 2016 folgt ihr endgültiger Durchbruch zur absoluten Weltspitze: Fünf Rennen, fünf Medaillen – darunter Gold in der Verfolgung und Silber im Einzel.
Spätestens bei der Biathlon-WM am legendären Holmenkollen in Oslo im März 2016 folgt ihr endgültiger Durchbruch zur absoluten Weltspitze: Fünf Rennen, fünf Medaillen – darunter Gold in der Verfolgung und Silber im Einzel. © IMAGO / ITAR-TASS / Kownacki
Am 30. November 2016 siegte Dahlmeier im ersten Einzelrennen der neuen Saison und übernahm als erste Deutsche nach Magdalena Neuner das gelbe Trikot.
Am 30. November 2016 siegte Dahlmeier im ersten Einzelrennen der neuen Saison und übernahm als erste Deutsche nach Magdalena Neuner das gelbe Trikot.  © IMAGO / Bildbyran
Bei der Biathlon-WM in Hochfilzen im Februar 2017 setzt sie ihren unglaublichen Höhenflug fort. Sie gewann fünf Goldmedaillen (Sprint, Verfolgung, Einzel, Damenstaffel, Mixedstaffel) und einmal Silber.
Bei der Biathlon-WM in Hochfilzen im Februar 2017 setzt sie ihren unglaublichen Höhenflug fort. Sie gewann fünf Goldmedaillen (Sprint, Verfolgung, Einzel, Damenstaffel, Mixedstaffel) und einmal Silber. © IMAGO / Eibner Europa
Eine solch dominante Vorstellung hatte es bis dahin kaum gegeben. Stolz präsentiert Dahlmeier ihre Medaillensammlung.
Eine solch dominante Vorstellung hatte es bis dahin kaum gegeben. Stolz präsentiert Dahlmeier ihre Medaillensammlung. © IMAGO / Sammy Minkoff
Am 17. März 2017 sicherte sich Dahlmeier mit dem Verfolgungssieg in Kontiolahti erstmals den Gesamtweltcup. Mit dieser Leistung krönte sie eine nahezu perfekte Saison und stieg endgültig zur besten Biathletin der Welt auf.
Am 17. März 2017 sicherte sich Dahlmeier mit dem Verfolgungssieg in Kontiolahti erstmals den Gesamtweltcup. Mit dieser Leistung krönte sie eine nahezu perfekte Saison und stieg endgültig zur besten Biathletin der Welt auf. © IMAGO / Newspix24
Am 10. Februar 2018 gewann Dahlmeier bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Gold im Sprint. Mit einem fehlerfreien Rennen und starker Laufzeit sicherte sie sich ihre erste olympische Goldmedaille – ein Moment für die Ewigkeit.
Am 10. Februar 2018 gewann Dahlmeier bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Gold im Sprint. Mit einem fehlerfreien Rennen und starker Laufzeit sicherte sie sich ihre erste olympische Goldmedaille – ein Moment für die Ewigkeit. © IMAGO / Bildbyran
Nur zwei Tage später, am 12. Februar 2018, triumphierte Dahlmeier auch in der Verfolgung. Damit schrieb sie Geschichte: Als erste Frau überhaupt gewann sie bei denselben Winterspielen Sprint und Verfolgung – ein einmaliger Doppelschlag.
Nur zwei Tage später, am 12. Februar 2018, triumphierte Dahlmeier auch in der Verfolgung. Damit schrieb sie Geschichte: Als erste Frau überhaupt gewann sie bei denselben Winterspielen Sprint und Verfolgung – ein einmaliger Doppelschlag. © IMAGO / Laci Perenyi
Am 15. Februar 2018 holte sie im Einzel über 15 Kilometer auch noch Bronze. Damit machte sie bei den Spielen in Pyeongchang ihr olympisches Meisterwerk mit Gold, Gold und Bronze komplett.
Am 15. Februar 2018 holte sie im Einzel über 15 Kilometer auch noch Bronze. Damit machte sie bei den Spielen in Pyeongchang ihr olympisches Meisterwerk mit Gold, Gold und Bronze komplett. © IMAGO / Depositphotos
Für ihre außergewöhnlichen Leistungen bei den Olympischen Winterspielen wurde sie 2018 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.
Für ihre außergewöhnlichen Leistungen bei den Olympischen Winterspielen wurde sie 2018 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. © IMAGO / Berlinfoto
In der darauffolgenden Saison hat Laura Dahlmeier aber immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ihre Leistungen schwanken deshalb stark.
In der darauffolgenden Saison hat Laura Dahlmeier aber immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ihre Leistungen schwanken deshalb stark. © IMAGO / TT
Trotz der gesundheitlichen Probleme kämpft sie sich zur Weltmeisterschaft 2019 in Östersund noch einmal zurück — und das mit Erfolg. Im Sprint holt sie sich die Bronzemedaille.
Trotz der gesundheitlichen Probleme kämpft sie sich zur Weltmeisterschaft 2019 in Östersund noch einmal zurück — und das mit Erfolg. Im Sprint holt sie sich die Bronzemedaille. © IMAGO / TT
Auch in der WM-Verfolgung gibt es Grund zur Freude. Dahlmeier gewinnt mit der Bronzemedaille ihre dreizehnte WM-Medaille. Denise Hermann sichert sich die Goldmedaille.
Auch in der WM-Verfolgung gibt es Grund zur Freude. Dahlmeier gewinnt mit der Bronzemedaille ihre dreizehnte WM-Medaille. Denise Hermann sichert sich die Goldmedaille. © IMAGO/TT
Am 17. Mai 2019 erklärte Laura Dahlmeier mit nur 25 Jahren überraschend ihren Rücktritt vom aktiven Biathlonsport. Sie begründete ihre Entscheidung mit dem Wunsch, sich neuen Herausforderungen zu widmen – nach einer beispiellosen Karriere.
Am 17. Mai 2019 erklärte Laura Dahlmeier mit nur 25 Jahren überraschend ihren Rücktritt vom aktiven Biathlonsport. Sie begründete ihre Entscheidung mit dem Wunsch, sich neuen Herausforderungen zu widmen – nach einer beispiellosen Karriere. © IMAGO / Sven Simon
Auch die wiederkehrenden gesundheitlichen Probleme, die sie in ihrer Leistungsfähigkeit immer wieder zurückwarfen, sollen eine Rolle bei ihrer Rücktritts-Entscheidung gespielt haben.
Auch die wiederkehrenden gesundheitlichen Probleme, die sie in ihrer Leistungsfähigkeit immer wieder zurückwarfen, sollen eine Rolle bei ihrer Rücktritts-Entscheidung gespielt haben. © IMAGO / Sven Simon
Laura Dahlmeier gewann in ihrer Biathlon-Karriere insgesamt 13 WM-Medaillen, sowie 3 olympische Medaillen (2× Gold, 1× Bronze). Zudem sicherte sie sich einen Gesamtweltcupsieg (2016/17).
Laura Dahlmeier gewann in ihrer Biathlon-Karriere insgesamt 13 WM-Medaillen, sowie 3 olympische Medaillen (2× Gold, 1× Bronze). Zudem sicherte sie sich einen Gesamtweltcupsieg (2016/17). © IMAGO / Sven Simon

Er verriet außerdem, dass eine erste Anhörung bereits stattgefunden habe. Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass diejenigen, die den Gesamtüberblick haben, eine gute Entscheidung treffen werden.“ Wurde Victoria Carl also tatsächlich Opfer eines Fehlers im medizinischen System? Für Doping-Experte Fritz Sörgel durchaus vorstellbar.

Er nämlich bekräftigt: „Hier kann die Sportlerin tatsächlich sagen, dass das jederzeit nachvollziehbare medizinische System mit einem vereidigten Truppenarzt einfach nicht funktioniert hat. In diesem Fall scheint das Schieben auf den Arzt tatsächlich keine Ausrede zu sein.“ Eine Entscheidung, ob Victoria Carl zu den Olympischen Spielen 2026 reisen und dort antreten darf, steht aber nach wie vor aus. (is)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markku Ulander

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