Kommentar

Eintracht Frankfurt nach der Pokalniederlage: Zeit für etwas Neues

+
Zuletzt Co-Trainer bei den Bayern: Dino Toppmöller.
  • schließen

Nach einem glanzlosen Finale folgt der personelle Umbruch bei Eintracht Frankfurt: Sportchef Markus Krösche geht dabei mit Glasner-Nachfolger Dino Toppmöller ins Risiko. Ein Kommentar.

Irgendwie sollte es nicht sein an diesem azurblauen Samstag in der Hauptstadt, eben kein „Frankfurter Wochenende“, kein „Frankfurter Pokalsieg“, wie Axel Hellmann vor Wochenfrist vollmundig angekündigt hatte. Nichts Magisches lag in der Luft über dem Olympiastadion zu Berlin, selbst die 50 000 Eintracht-Fans konnten das nicht ändern. Die Mannschaft erst recht nicht. Nichts Symbiotisches dieses Mal.

Sportlich war es ein niveauarmes und ereignisloses Pokalfinale, das den neutralen Fußballfan sicherlich einigermaßen gequält hat. Hochspannung geht anders. Spektakel geht anders. Das war Fußballschach in Reinkultur, ohne Torchancen, ohne überbordende Emotionen, vielleicht interessant für ein paar Taktiknerds, für viele andere ein Langweiler. Bezeichnend das 1:0 für Leipzig, ihr Dosenöffner, dieser Eierball: ein gleich zweimal abgefälschter Schuss, der irgendwie über die Line hoppelte. Das war’s.

Die Eintracht muss sich aber nicht grämen, Platz sieben in der Liga, die erstmalige Teilnahme an der Conference League, und der Einzug ins Pokalfinale – das ist schon eine beachtenswerte Leistung, selbst wenn es zum großen Wurf nicht reichte und die Rückrunde nicht so verlief wie erhofft. Da ist einiges verrutscht und kaputt gegangen, was sich das Team im glorreichen Herbst erspielt hat. Auf vielen Ebenen.

Die Eintracht hat es also verpasst, ihren Trainer durchs das ganz große Tor zu schicken, er geht aber trotzdem als Held, der dem Verein und der Stadt den epochalen Europa-League-Triumph geschenkt hat. Das nimmt ihm niemand mehr.

Oliver Glasner wird immer ein gern gesehener Gast sein im Herzen von Europa. Doch auch dieses Spiel hat gezeigt, weshalb eine Trennung wahrscheinlich der bessere Weg ist. Da geht nicht mehr viel im Zusammenspiel Mannschaft/Coach. Es ist Zeit für etwas Neues.

Krösche mutig

Das muss nicht automatisch besser werden, aber der Verein braucht einen Impuls. Und er will sich, das ist richtig, etwas verschlanken, sich straffen und wieder hungriger werden, einige Selbstverständlichkeiten werden zurückgefahren. Nur ein Beispiel: Der obligatorische Empfang an Abenden vor großen Spielen, die sogenannte Frankfurter Botschaft, wird erst einmal eingestampft. Nicht nur weil er jedes Mal Hundertausende Euro verschlingt, sondern auch weil sich alle im Klub und um ihn herum wieder mehr an den Basics orientieren sollen und nicht mehr vieles als einfach gegeben erachtet werden soll. Die Sinne sollen geschärft werden dafür, dass europäische Auftritte und Endspiele für einen Verein wie die Eintracht nicht die Norm und nicht der Alltag sind. Ein neuer Zug soll reingetragen werden. Gut so.

Auch auf dem sportlichen Sektor. Dort will bald Dino Toppmöller mit seinem Team übernehmen. Der 42-Jährige gilt als absolutes Talent als Coach, hat freilich wenig Erfahrung als Chef. So oder so: Für Timmo Hardung, den designierten Sportdirektor, ist Toppmöller ein „Weltklassetrainer“. Das sind nicht wenige Vorschusslorbeeren. Der Druck wird so gewiss nicht kleiner. Toppmöller muss sich beweisen und zeigen, dass er einem heterogenen und wuchtigen Traditionsverein mit vielen Strömung und Einflüssen gewachsen ist und ihn steuern kann. Leicht ist das nicht.

Im Umgang mit der Mannschaft wird ihm das zugetraut, er ist ein umgänglicher Typ, mehrsprachig, einer, der Spieler auch mal in den Arm nimmt. Er soll eine andere Kultur in die Kabine tragen, ein anderes Klima schaffen. Und junge Akteure entwickeln, besser machen, auf sie bauen. Das war, inhaltlich, der größte Dissens zwischen dem scheidenden Trainer und dem Sportvorstand.

Markus Krösche, der einer anderen, um Ausgleich bemühten Manager-Generation angehört, geht alleine mit der Wahl des Fußballlehrers ins Risiko, da steht einiges auf dem Spiel. Sollte es schiefgehen, würde es auf ihn als Sportchef zurückfallen, keine Frage. Es ist eine mutige Entscheidung, einen zum sportlich Verantwortlichen zu machen, der bisher als Chef den F91 Düdelingen in Luxemburg und Royal Excelsior Virton in der zweiten belgischen Liga anleitete. Krösche aber ist von Toppmöller tief überzeugt. Von Glasner war er es nicht mehr. Entsprechend hat er gehandelt. Das ist nur konsequent.

Kommentare