Der erste EM-Titel 1972

„Beste Mannschaft der DFB-Geschichte“ mit sechs FC-Bayern-Stars

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Am 18. Juni 1972 wurde Deutschland zum ersten Mal Fußball-Europameister. Das mit sechs Bayern-Spielern besetzte Team wird noch heute als „beste Mannschaft der DFB-Geschichte“ gefeiert.

Brüssel / München – Bundestrainer Helmut Schön berief damals regelmäßig die FCB-Legenden Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, „Katsche“ Schwarzenbeck und Paul Breitner zur Nationalmannschaft. Der Gegner im EM-Endspiel im Brüsseler Heysel-Stadion war die UdSSR, gegen welche die Deutschen nicht nur wegen des 4:1-Sieges bei der Einweihung des Münchner Olympiastadion wenige Wochen zuvor als haushoher Favorit galten.

Tränen, Trauer und Unmut: Die emotionalsten Abschiede beim FC Bayern München

Am 23. Mai 2015 absolvierte Bastian Schweinsteiger gegen Mainz 05 sein letztes Pflichtspiel für den FC Bayern. Es war gleichzeitig sein 500. Bundesligaspiel.
Am 23. Mai 2015 absolvierte Bastian Schweinsteiger gegen Mainz 05 sein letztes Pflichtspiel für den FC Bayern. Es war gleichzeitig sein 500. Bundesligaspiel. © IMAGO / photoarena/Eisenhuth
Rund drei Jahre später wurde Schweinsteiger dann auch mit einem offiziellen Abschiedsspiel verabschiedet. In einem Freundschaftsspiel trat der FCB gegen Schweinsteigers damaliges Team Chicago Fire an.
Rund drei Jahre später wurde Schweinsteiger dann auch mit einem offiziellen Abschiedsspiel verabschiedet. In einem Freundschaftsspiel trat der FCB gegen Schweinsteigers damaliges Team Chicago Fire an. © Philippe Ruiz
Gleich mehrere Bayern-Abschiede erlebte Claudio Pizarro. Der Peruaner verließ den FCB 2017 nach sechs Jahren in Richtung FC Chelsea. Nach einem Zwischenstopp in Bremen kehrte er 2012 zum FC Bayern zurück.
Gleich mehrere Bayern-Abschiede erlebte Claudio Pizarro. Der Peruaner verließ den FCB 2007 nach sechs Jahren in Richtung FC Chelsea. Nach einem Zwischenstopp in Bremen kehrte er 2012 zum FC Bayern zurück. © IMAGO / Lackovic
2015 war dann aber endgültig Schluss. Nach mehr als 200 Spielen und 87 Toren sagte Pizarro den Bayern-Fans „adios“.
2015 war dann aber endgültig Schluss. Nach mehr als 200 Spielen und 87 Toren sagte Pizarro den Bayern-Fans „adios“. © IMAGO / MIS
2017 gab es einen weiteren emotionalen Bayern-Abschied. Kapitän Philipp Lahm beendete seine Karriere beim deutschen Rekordmeister.
2017 gab es einen weiteren emotionalen Bayern-Abschied. Kapitän Philipp Lahm beendete seine Karriere beim deutschen Rekordmeister. © IMAGO/Zoonar.com/Joachim Hahne
Der Weltmeister von 2014 verabschiedete sich auch beim FCB mit einem Titel. Mit seiner Mannschaft sicherte er sich die Deutsche Meisterschaft. Es war die achte Meisterschaft seiner Karriere.
Der Weltmeister von 2014 verabschiedete sich auch beim FCB mit einem Titel. Mit seiner Mannschaft sicherte er sich die Deutsche Meisterschaft. Es war die achte Meisterschaft seiner Karriere. © IMAGO/Zoonar.com/Joachim Hahne
Mit seinem Abschied war Lahm an diesem Tag nicht alleine. Auch Xabi Alonso sagte dem Rekordmeister an diesem Tag Lebewohl.
Mit seinem Abschied war Lahm an diesem Tag nicht alleine. Auch Xabi Alonso sagte dem Rekordmeister an diesem Tag Lebewohl. © photoarena / Thomas Eisenhuth
Gemeinsam gewannen die beiden Weltstars beim FCB drei Meisterschaften, den DFB-Pokal und den Supercup. Zwei grandiose Karrieren, die ein gemeinsames Ende fanden.
Gemeinsam gewannen die beiden Weltstars beim FCB drei Meisterschaften, den DFB-Pokal und den Supercup. Zwei grandiose Karrieren, die ein gemeinsames Ende fanden. © photoarena / Thomas Eisenhuth
Ein Abschied, der zu Tränen rührte. 2019 war nach 12 Jahren beim FCB für Franck Ribéry Schluss. Der Franzose wechselte in die Serie A zum AC Florenz.
Ein Abschied, der zu Tränen rührte. 2019 war nach 12 Jahren beim FCB für Franck Ribéry Schluss. Der Franzose wechselte in die Serie A zum AC Florenz. © IMAGO / Nordphoto
Gemeinsam mit David Alaba bildete der Flügelspieler auf der linken Seite ein europaweit gefürchtetes Duo. Der Abschied des Fanlieblings war daher besonders emotional.
Gemeinsam mit David Alaba bildete der Flügelspieler auf der linken Seite ein europaweit gefürchtetes Duo. Der Abschied des Fanlieblings war daher besonders emotional. © Imago/photoarena / Thomas Eisenhuth
Vor allem auch, weil am selben Tag eine weitere Bayern-Legende in den Ruhestand ging. Arjen Robben verabschiedete sich damals in den vorübergehenden Ruhestand.
Vor allem auch, weil am selben Tag eine weitere Bayern-Legende in den Ruhestand ging. Arjen Robben verabschiedete sich damals in den vorübergehenden Ruhestand. © Imago/ photoarena / Thomas Eisenhuth
Robben war genau wie Ribéry eine Identifikationsfigur der Münchener. Unvergessen: Sein Siegtor im Champions-League-Finale 2013 gegen den BVB.
Robben war genau wie Ribéry eine Identifikationsfigur der Münchener. Unvergessen: Sein Siegtor im Champions-League-Finale 2013 gegen den BVB. © Imago/ photoarena / Thomas Eisenhuth
Aller guten Dinge sind drei: Mit Rafinha wurde am selben tag noch ein weiterer Akteur offiziell verabschiedet. Der Brasilianer lief von 2011 bis 2019 für den FCB auf.
Aller guten Dinge sind drei: Mit Rafinha wurde am selben Tag noch ein weiterer Akteur offiziell verabschiedet. Der Brasilianer lief von 2011 bis 2019 für den FCB auf. © IMAGO / Bernd Müller
Besonders traurig: Rafinha kam bei seinem letzten Spiel nicht zum Einsatz, saß 90 Minuten nur auf der Bank. Eine harte Entscheidung des damaligen Trainers Niko Kovac.
Besonders traurig: Rafinha kam bei seinem letzten Spiel nicht zum Einsatz, saß 90 Minuten nur auf der Bank. Eine harte Entscheidung des damaligen Trainers Niko Kovac. © IMAGO / photoarena/Eisenhuth
2021 sagte ein weiteres Bayern-Urgestein Adieu. Nach 13 Jahren und unzähligen Titeln zog es David Alaba zu Real Madrid.
2021 sagte ein weiteres Bayern-Urgestein Adieu. Nach 13 Jahren und unzähligen Titeln zog es David Alaba zu Real Madrid. © Frank Hoermann / SVEN SIMON
Alaba konnte sich zwar mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vom Rekordmeister verabschieden. Allerdings musste diese vor leeren Corona-Rängen gefeiert werden.
Vor leeren Corona-Rängen konnte sich auch Alaba mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vom Rekordmeister verabschieden. © Imago/ Frank Hoermann / SVEN SIMON
Das gleiche Schicksal ereilte Jérôme Boateng und Javi Martinez. Der langjährige deutsche Nationalspieler und der Spanier wurden ebenfalls ohne Zuschauer verabschiedet.
Das gleiche Schicksal ereilte Jérôme Boateng und Javi Martinez. Der langjährige deutsche Nationalspieler und der Spanier wurden ebenfalls ohne Zuschauer verabschiedet. © IMAGO / Poolfoto
Der Gewinn der Meisterschaft dürfte ihnen aber wohl dennoch Trost gespendet haben. Javi Martinez sagte bei seiner Verabschiedung: „Ich habe diesen Verein gelebt, immer alles für ihn gegeben.“
Der Gewinn der Meisterschaft dürfte ihnen aber wohl dennoch Trost gespendet haben. Javi Martinez sagte bei seiner Verabschiedung: „Ich habe diesen Verein gelebt, immer alles für ihn gegeben.“ © IMAGO / Sven Simon
Einen etwas unrühmlicheren Abschied erlebte Robert Lewandowski. Am 14. Mai 2022 stand er das letzte mal für den FC Bayern auf dem Platz. Nach dem Spiel sagte er: „Es ist gut möglich, dass das mein letztes Spiel für die Bayern war.“
Einen etwas unrühmlicheren Abschied erlebte Robert Lewandowski. Am 14. Mai 2022 stand er das letzte mal für den FC Bayern auf dem Platz. Nach dem Spiel sagte er: „Es ist gut möglich, dass das mein letztes Spiel für die Bayern war.“ © IMAGO/Teresa Kröger
Wenige Wochen später verkündete er dann: „Meine Geschichte beim FC Bayern ist vorbei.“ Das sorgte für Spannungen mit der Vereinsführung. Lewandowski wechselte daraufhin zum FC Barcelona.
Wenige Wochen später verkündete er dann: „Meine Geschichte beim FC Bayern ist vorbei.“ Das sorgte für Spannungen mit der Vereinsführung. Lewandowski wechselte daraufhin zum FC Barcelona.  © IMAGO/Alexander Pohl

Deutscher Schreckmoment bei der Auslosung

Anfang der 1970er Jahre schaute die Europakarte nicht nur im Fußball noch ganz anders als heute aus. An Landesmeister- und Nationenwettbewerben nahmen 32 Teams teil. So startete die Fußball-Europameisterschaft 1972 im Herbst 1970 mit acht Qualifikationsgruppen à vier Nationen. In der deutschen Gruppe spielten noch Polen, die Türkei und Albanien. „Ausgerechnet Albanien“ stöhnten damals viele deutsche Fußballfans, waren doch die deutschen Vize-Weltmeister 1967 durch ein blamables 0:0 in Tirana in der Qualifikation für das EM-Finalturnier in Italien gescheitert.

Nur der Gruppensieger qualifizierte sich für das Viertelfinale. Die Deutschen taten dies – trotz des Heim-Remis gegen die Türkei zum Auftakt - souverän. Der Schlüssel war dabei der 3:1-Auswärtssieg in Polen. Die polnische Nationalmannschaft - wohl die beste in der Landesgeschichte - war damals auf dem Sprung zur absoluten Weltklasse und erreichte ihren Höhepunkt als Dritter bei der WM 1974.

Sensation auf dem Weg ins Finale

Im Viertelfinale – ausgespielt in Hin- und Rückspiel – trafen die Deutschen auf England. Das Hinspiel am 29. April 1972 im Wembley-Stadion war der erste Sieg einer deutschen Fußballnationalmannschaft in England und wurde von der Sportbild 2011 als das „größte deutsche Länderspiel aller Zeiten“ bewertet. Die nach dem Spielort benannte „Wembley-Elf“ wurde zudem 2008 von der Sportschau als die „spielstärkste DFB-Elf aller Zeiten“ eingestuft.

Alle sechs oben genannten FCB-Spieler standen in Schöns Startformation der Wembley-Elf. In jener legendären Partie sollte der internationale Stern der 20-jährigen Hoeneß und Breitner aufgehen. Regisseur der damaligen DFB-Elf war der Gladbacher Günter Netzer, in London in der Form seines Lebens.

Die Engländer waren vor dem Spiel die Favoriten, doch nicht sie, sondern die in den grünen Ausweichtrikots spielenden Deutschen dominierten die Partie bei Dauerregen. Hoeneß traf in der 26. Minute zur Führung. Der zwischenzeitliche Ausgleich der Engländer durch Francis Lee (77.) schockte die groß aufspielenden deutschen Gäste keineswegs. In der 84. Minute wurde Sigfried Held vom 1966er Weltmeister Bobby Moore im Strafraum zu Fall gebracht, Netzer verwandelte, wenn auch etwas glücklich, zum 2:1. Fünf Minuten später erhöhte Müller aus der Drehung sogar auf 3:1.

Deutscher „Traumfußball“

Das war „die beste Leistung einer deutschen Nationalmannschaft überhaupt“, schwärmte der sonst so nüchterne Bundestrainer Helmut Schön. Die französische Sportzeitung L‘Équipe sprach von „Traumfußball aus dem Jahr 2000“.

EM-Finale 1972: Franz Beckenbauer und Gerd Müller beim Torjubel.

Durch das 0:0 im Rückspiel zwei Wochen später in Berlin qualifizierten sich die Deutschen für die EM-Endrunde in Belgien vom 14. bis 18. Juni 1972. Der Gegner im Halbfinale war der Gastgeber, der im Viertelfinale überraschend den amtierenden Europameister Italien ausgeschaltet hatte. Durch zwei Müller-Tore bei einem späten belgischen Gegentreffer qualifizierte sich Deutschland mit 2:1 für das Finale. Der Gegner dort war die UdSSR, welche sich in ihrem Halbfinale mit 1:0 gegen Ungarn hatte durchsetzen können.

3:0-Final-Triumph gegen eine chancenlose Sowjetunion

Wie beim 4:1-Sieg im Münchner Freundschaftsmatch drei Wochen zuvor ließ die deutsche Jahrhundertelf auch beim EM-Finale in Brüssel, es war ein Sonntagnachmittag-Spiel, dem sowjetischen Gegner nicht den Hauch einer Chance. Es war wohl das einseitigste Endspiel der Fußball-Europameisterschafts-Geschichte, auch wenn Spanien 2012 Italien ergebnismäßig (4:0) noch höher bezwang.

Deutschland ging durch Müller in der 28. Minute in Führung. Beckenbauer trieb den Ball von der Mittellinie bis kurz vor den sowjetischen Strafraum, passte auf Müller, dieser legte auf Netzer zurück, der sofort abzog und das Lattenkreuz traf. Den anschließenden Schuss von Jupp Heynckes konnte der sowjetische Torwart Jewgeni Rudakow nur noch abklatschen und Müller war – in seiner typischen Art - zur Stelle.

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In der 52. Minute erhöhte Herbert „Hacki“ Wimmer nach einer Mönchengladbacher Kombination über Netzer und Heynckes auf 2:0. In der 57. Minute die frühe Entscheidung im Finale - über Schwarzenbeck und Heynckes landete der Ball beim „Bomber“, welcher Rudakow bei seinem zweiten Finaltreffer abermals keine Chance ließ.

Gerd Müller mit sagenhafter Torausbeute - die deutschen Fans entfesselt

Dieses 3:0 markierte den 51. Länderspieltreffer im 41. Länderspiel von Gerd Müller. In seiner – der Torausbeute nach – erfolgreichsten Phase in der Nationalmannschaft traf er 14 Mal in nur fünf Länderspielen. Es war übrigens auch die Bundesligasaison (1971/72), in welcher er den legendären Rekord von 40 Toren aufstellte, erst von Robert Lewandowski fast ein halbes Jahrhundert später um einen Treffer überboten.

In den letzten fünf Minuten des Spiels verließen zahlreiche deutsche „Schlachtenbummler“ die Ränge und positionierten sich zu Hunderten um die Außenlinien. Alle – auf dem Feld und außerhalb – warteten nur noch auf den Schlusspfiff. Als dieser erklang, war der Jubel über die erste deutsche Europameisterschaft riesig – 18 Jahre nach dem „Wunder von Bern“ der zweite große Titel in der deutschen Fußballgeschichte.

Obwohl eine leicht veränderte Nationalmannschaft 1974 im eigenen Land – ebenfalls mit jenen sechs Bayernspielern – auch noch Weltmeister wurde, gilt die Europameister-Mannschaft von 1972 bei Experten als das „bessere Team“.

Rubriklistenbild: © imago sportfotodienst via www.imago-images.de

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