Gegen die Spurs war es ein Schuss aus dem Stand, der an Arjen Robbens beste Zeiten erinnerte. Halbhoch links ins Netz, präzise platziert, eiskalt verwandelt. Karls Reaktion nach dem Treffer zum 3:0 sprach Bände: Arme hoch, strahlendes Lächeln, der Sprint zur Südkurve. Dort setzte er sich mit verschränkten Armen auf die Werbebande – eine Hommage an Cristiano Ronaldos berühmten Jubel.
„Wahnsinniges Selbstbewusstsein“: Petersen schwärmt von Bayern-Juwel Karl
Im Testspiel in Zürich legte der Youngster nach. Diesmal traf er aus etwas anderer Position ins rechte Eck zur Führung, wieder mit der nötigen Kaltschnäuzigkeit eines gestandenen Profis. Sein Jubel danach war eindeutig: Das Trikot an den Schultern hochgezogen, als wollte er der Fußballwelt mitteilen: „Merkt Euch meinen Namen.“
Ex-Bayern-Stürmer Nils Petersen, der ab der neuen Bundesliga-Saison als Experte für den Streaminganbieter DAZN fungieren wird, hat Karl bereits in der Youth League beobachtet und zeigt sich beeindruckt von der Ausstrahlung des Teenagers. „Er hat eine Spielart, die einen mitreißt, die einen begeistert“, sagte Petersen auf Nachfrage von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, bei einer Medienrunde von DAZN.
Sieben Spieler im letzten Vertragsjahr – Die Laufzeiten der Stars des FC Bayern
„Man denkt die ganze Zeit: ‚Spiel ihn doch an!‘ Er hat immer eine Idee, er hat immer eine gewisse Präsenz, er will jeden Ball haben“, schwärmte Petersen von Karl. Besonders bemerkenswert findet der ehemalige Bundesliga-Profi Karls Umgang mit Rückschlägen: „Er hatte gegen Zürich zwei oder drei Ballverluste am Anfang und trotzdem ein solches Selbstverständnis. Das erinnert mich an Spieler wie früher Emre Can bei Bayern, denen das egal ist, die ein wahnsinniges Selbstbewusstsein haben.“
Diese Mentalität sei entscheidend für junge Spieler beim Rekordmeister, betonte Petersen: „Das brauchst du, um vor allem bei Bayern München in diesem Alter zu bestehen, um Spielzeit zu generieren und dem Trainer zu zeigen: ‚Schau, ich kann mit Fehlern umgehen.‘“
Petersens Analyse trifft einen wunden Punkt: Die Kritik an Kompany bezüglich der Nachwuchsförderung. „Es war ein bisschen die Kritik an Kompany, dass er den jungen Spielern wenig Spielzeit gibt“, stellte der TV-Experte fest. Karl könnte diese Diskussion nun in eine andere Richtung lenken.
Die Bundesliga-Konferenz ab August live und exklusiv bei DAZN
Ab der Saison 2025/26 überträgt nur DAZN die beliebte Samstags-Konferenz sowie alle Spiele am Bundesliga-Sonntag. Mit Nils Petersen gehört ein ehemaliger Bundesliga-Profi zum Experten-Team der neuen Bundesliga-Konferenz.
Setzt Vincent Kompany künftig häufiger auf Lennart Karl?
Der 17-Jährige bringt alle Voraussetzungen mit, um Kompanys Vertrauen zu rechtfertigen. Seine Statistiken aus der Jugend sind beeindruckend: 34 Tore in 30 Pflichtspielen für U19 und U17, dazu sieben Treffer in 13 Einsätzen für die U17-Nationalmannschaft. Bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison stand er fünfmal im Profi-Kader, sein Debüt feierte Karl beim 10:0 bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in den USA gegen Auckland.
Sportdirektor Christoph Freund beschreibt Karl als „mutig, torgefährlich, technisch versiert mit enger Ballführung in 1:1-Situationen und offensiv sehr variabel einsetzbar“. Diese Vielseitigkeit macht ihn für Kompany besonders wertvoll.
Petersen sieht in Karls starken Testspiel-Auftritten mehr als nur Momentaufnahmen. „Du musst einfach in diesen Spielzeiten, die du gerade in der Vorbereitung bekommst, etwas Eindruck schinden“, analysierte er. „Dann berichten die Medien über dich, dann bekommt ein Trainer auch etwas Druck.“
Diese Medienaufmerksamkeit könnte Karl tatsächlich helfen. Petersen spekulierte: „Dann schaut Kompany vielleicht noch einmal genauer auf dich und denkt im Supercup am Samstag in Stuttgart vielleicht schon in der 75. und nicht erst in der 85. Minute an dich, dass du dem Spiel vielleicht noch einen Stempel aufdrücken kannst.“
Der Franz-Beckenbauer-Supercup gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 20.30 Uhr, alle TV-Infos) könnte somit zum nächsten Karriere-Meilenstein für Karl werden. Seine Rückennummer 42 ist dabei ein gutes Omen, mit derselben Nummer etablierte sich einst Jamal Musiala bei den Bayern-Profis. „Er macht es schon sehr gut und ist schon sehr weit“, traut Petersen Karl beim FC Bayern Großes zu.