Ex-BVB-Star bei Transfer-Schlammschlacht mittendrin
VonAdrian Kühnel
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Der Transferpoker um Alexander Isak mündet in eine öffentliche Schlammschlacht. Der Ex-BVB-Star moniert „gebrochene Versprechen“, Newcastle reagiert.
Newcastle – Es ist noch nicht allzu lange her, da galt Alexander Isak als eines der vielversprechendsten Talente im deutschen Fußball. 2017 wechselte der damals 17-jährige Schwede für knapp neun Millionen Euro zu Borussia Dortmund – voller Träume und mit dem Versprechen, die Nachfolge der großen BVB-Stürmer anzutreten.
Doch was aus dem hoffnungsvollen Teenager geworden ist, hätte sich damals wohl niemand vorstellen können: ein Premier-League-Phänomen, das seinen Verein mit Instagram-Posts attackiert und den Trainingsplatz boykottiert. Alexander Isaks Wandel vom BVB-Hoffnungsträger zum rebellischen Superstar zeigt, wohin sich der moderne Fußball entwickelt hat.
Alexander Isak in Transfer-Schlammschlacht mit Newcastle verwickelt
Wer sich an Isaks Zeit in Dortmund erinnert, sieht einen anderen Menschen. Der schmächtige Teenager, der 2017 ehrfürchtig das erste Mal das Westfalenstadion betrat, wirkte bescheiden und lernbegierig. Auch wenn der Durchbruch beim BVB ausblieb und er 2019 für 15 Millionen Euro zu Real Sociedad wechselte, galt er stets als professionell und charakterstark.
Umso erstaunlicher ist das Bild, das der 25-Jährige aktuell abgibt. Seit Wochen führt Isak einen erbitterten Kampf gegen seinen Arbeitgeber Newcastle United – mit Methoden, die selbst hartgesottene Transferexperten staunen lassen. Der Höhepunkt: Am 19. August durchbrach er sein wochenlanges Schweigen mit einem Instagram-Post.
„Die Realität ist, dass Versprechen gemacht wurden und der Verein meine Position schon seit langem kennt“, schrieb Isak dort. „Jetzt so zu tun, als würden diese Probleme erst jetzt auftauchen, ist irreführend. Wenn Versprechen gebrochen werden und das Vertrauen verloren geht, kann die Beziehung nicht weiterbestehen.“ Seine Schlussfolgerung: „Eine Veränderung ist im besten Interesse aller, nicht nur in meinem eigenen.“
Isak demonstriert derzeit „Player Power“ in ihrer extremsten Form. Der Schwede, der in der vergangenen Saison mit 27 Toren in 42 Pflichtspielen zu den gefragtesten Stürmern der Welt avancierte und Newcastle zum Gewinn des Carabao Cups sowie zur erneuten Champions-League-Qualifikation verhalf, nutzt seine Marktmacht gnadenlos aus. Trainingsstreik, öffentliche Anschuldigungen, mentale Distanzierung – das Arsenal moderner Transferrebellion wird voll ausgeschöpft.
Newcastle blockt Liverpool-Angebot für Alexander Isak ab
Bereits zwei Wochen vor Saisonende soll Isak Trainer Eddie Howe in einem Telefonat seinen Wechselwunsch mitgeteilt haben, bevor er in den Urlaub nach Schweden entschwand. Gespräche über einen neuen Vertrag zu verbesserten Konditionen samt Ausstiegsklausel habe der frühere Dortmunder kategorisch abgeblockt.
Newcastle lässt sich nicht erpressen. Trotz Liverpools Angebot von kolportierten 138 Millionen Euro – eine der höchsten Summen, die je für einen Fußballer geboten wurden – bleibt der von saudischen Investoren finanzierte Klub hart. Die Magpies sollen sich erst ab einer Ablöse von rund 175 Millionen Euro gesprächsbereit zeigen, wobei der Verein deutlich machte, Isak, dessen Vertrag noch bis 2028 läuft, nicht abgeben zu wollen.
Newcastle reagierte auf Isaks öffentliche Attacke mit diplomatischer Härte: „Wir möchten klarstellen, dass Alex weiterhin unter Vertrag steht und dass kein Vereinsvertreter jemals zugesagt hat, dass Alex Newcastle United in diesem Sommer verlassen kann“, teilte der Klub mit.
Man verstehe zwar, „dass Spieler ihre eigenen Wünsche haben“, müsse aber „stets die Interessen von Newcastle United, der Mannschaft und unseren Fans berücksichtigen“. Die klare Botschaft: „Die Bedingungen für einen Verkauf in diesem Sommer sind nicht gegeben.“
Liverpool, das zur Saison 2025/26 bereits mehr als 300 Millionen Euro in Neuzugänge um Florian Wirtz und Hugo Ekitiké investierte, sieht dem Vernehmen nach von einer weiteren Offerte ab. Zumal die Reds mit Ekitiké bereits eine Alternative verpflichtet haben – der Druck auf Isak wächst stetig. Zudem stellt die potenzielle Rekordinvestition ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.
Seit seinem Wechsel 2022 für 90 Millionen Euro von Real Sociedad nach Newcastle verpasste Isak über 30 Pflichtspiele verletzungsbedingt. Oberschenkel-, Leisten- und Zehenprobleme plagten ihn wiederholt. Der Newcastle-Poker wird zum Lackmustest. Setzen sich die saudischen Eigentümer durch, senden sie ein Signal an alle Superstars: Erpressung funktioniert nicht. Geben sie nach, öffnen sie die Büchse der Pandora für künftige Rebellionen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung schwindet täglich, das Transferfenster schließt am 1. September. Beim Liga-Auftakt gegen Aston Villa (0:0) stand Isak nicht im Kader – und ausgerechnet am kommenden Montag (21 Uhr) geht es gegen Liverpool, den Verein seiner Träume. Newcastle ließ die Tür symbolisch offen – Isak bleibe Teil der „Familie“, sobald er bereit sei, „zu seinen Teamkollegen zurückzukehren“.