VonUli Kellnerschließen
Raphael Schifferl hat seine Rot-Sperre abgesessen und freut sich auf das Derby gegen seinen Ex-Klub. Am 20. Oktober ist es so weit.
München - Ein Eckball von links, Raphael Schifferl schraubt sich am Fünfmeterraum hoch – 1:1 für die Löwen, die den Vergleich mit Zweitligist Greuther Fürth in der Folge sogar noch gewinnen konnten (3:1). Das Testspiel im Ronhof war kurzfristig ausgemacht worden, „um Spielern nach Verletzungen und Sperren Matchpraxis zu ermöglichen“ (Sportchef Christian Werner). Keiner am Donnerstag wirkte dabei motivierter als Abwehr-Schlaks Schifferl, der sich mit einem Platzverweis gegen Hannover II eine zweiwöchige Zwangspause eingehandelt hatte. Tags drauf saß der Rückkehrer im Pressestüberl des TSV 1860, blickte in die Runde und sagte: „Es ist nie schön, wenn man zwei Spiele zuschauen muss. Wenn man fit ist, ist es das Schlimmste. In Zukunft würde ich mir so etwas gerne ersparen.“
Für die Löwen ist es ein Segen, dass das blonde Energiebündel zurück ist. Fitness hat Schifferl (25) offensichtlich nicht eingebüßt, Willenskraft auch nicht. Sicher, räumt er ein, die Rote Karte nach einer Textil-Notbremse sei vermeidbar gewesen, „die Entstehung war sehr ärgerlich und irgendwo auch dumm. Ob‘s dann zwei Spiele sein müssen, weiß ich nicht. Das ist in jedem Verband unterschiedlich geregelt.“ Aber: Jetzt ist der blaue Rotsünder zurück – gerade rechtzeitig vor seinem „Spiel des Jahres“. Am Ende der Länderspielpause treten die Löwen im Hachinger Sportpark an – bei der Spielvereinigung, die für Schifferl das Sprungbrett aus Österreich Richtung deutscher Fußball war. Er sagt: „Erfreulich, dass ich mit meiner Sperre nicht das Derby erwischt habe. Es war schon ärgerlich genug, dass ich das Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden verpasst habe.“
Drei Ex-Hachinger sind regelmäßig in der Startelf der Sechzger
Wie Stürmer Patrick Hobsch, der neben ihm sitzt, behält auch Schifferl die Zeit bei der SpVgg in allerbester Erinnerung: „Ich habe immer noch sehr gute Freunde im Verein, treffe sie auch regelmäßig. Da geht‘s eigentlich nie richtig ums Derby. Wenn sich‘s ausgeht, schaue ich auch immer noch gerne in Haching vorbei. Man schätzt sich – und natürlich freue ich mich aufs Duell am kommenden Sonntag.“
Mit seiner Entwicklung bei 1860 könnte der weiß-blau gewordene Rotblaue zufrieden sein. Wie Hobsch und René Vollath ist Schifferl kaum noch aus der Startelf wegzudenken. Sein Zwischenfazit fällt trotzdem nur zum Teil positiv aus. „Meine Leistung war nicht so konstant, wie ich es von mir erwarte“, übt Schifferl Selbstkritik: „In letzter Zeit ist die Kurve nach oben gegangen, bei der ganzen Mannschaft. Grundsätzlich bin ich froh, dass ich da bin, dass ich meinen Wert in gewissen Spielen schon einbringen konnte. Es ist aber noch viel Luft nach oben – daran werde ich ansetzen.“
Am besten schon bei seiner Rückkehr in den Sportpark. Schifferl glaubt, dass er ohne Pfiffe empfangen wird – und er hofft, dass er seinen dritten Derbysieg in Folge feiern kann. Bei beiden Hachinger Erfolgen in der Vorsaison (1:0, 2:0) stand er über 90 Minuten auf dem Platz. „Es ist unser Anspruch und das klare Ziel, drei Punkte zu holen“, sagt er unsentimental und bezieht auch die Mit-Seitenwechsler Hobsch und Vollath mit ein: „Im Idealfall sind wir drei der Grund, dass wir auch das nächste Derby gewinnen.“
Vielleicht sogar mit einer Premiere: einem Schifferl-Tor im Sportpark. „Mein einziges Tor“, bedauert der Ex-Hachinger, „habe ich letzte Saison auswärts erzielt. Das wäre also noch ausständig. Ich bin bereit!“ (Uli Kellner)

