VonChristoph Wutzschließen
Die deutschen Bob-Piloten fahren von Sieg zu Sieg. Der Bundestrainer erklärt die spezielle Konkurrenzsituation. Lange wird es aber nicht so bleiben.
Winterberg – Deutschland ist die Übermacht im Bob-Sport: In der vergangenen Saison rasten die deutschen Fahrer geschlechterübergreifend in drei der vier Wettbewerbe zum Gesamtweltcup-Sieg. Und auch in diesem Jahr fahren die Piloten des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) beinahe außer Konkurrenz. Im Weltcup sowie bei der Bob-WM in Winterberg (vom 19. Februar bis zum 3. März) dominieren sie das Geschehen schier nach Belieben.
Dominanz im Eiskanal: Warum gewinnt Deutschland im Bobfahren fast alles?
Sagenhafte 25 der bisher 28 Weltcup-Rennen in dieser Saison konnten deutsche Bob-Fahrer für sich entscheiden und führen damit alle Wertungen an. Und am ersten Wochenende der WM im nordrhein-westfälischen Winterberg gingen fünf der sechs vergebenen Medaillen an den BSD. Doch warum gewinnt Deutschland im Bobfahren fast alles?
„Der Konkurrenzdruck bei uns ist enorm“, erklärte Bundestrainer René Spies jetzt dem Sport-Information-Dienst (SID). Die „sportliche Dominanz“ komme von „sehr guten Startzeiten in allen Teams“ und dem auf den Punkt abgerufenen „fahrerischen Potenzial“, sagte der 50-jährige Coach. So fuhr beispielsweise Francesco Friedrich an den ersten beiden Tagen der WM im Zweierbob gleich zu drei Bahnrekorden und so den WM-Titel souverän ein.
„Da darf keiner nachlassen“: Bob-Bundestrainer Spies erklärt deutsche Übermacht
Der derzeitige Medaillenregen seiner Schützlinge sei „die bestmögliche Situation“, so der 50-jährige Spies. Diese möchte der Bundestrainer auch am 50-Jährige auch am zweiten WM-Wochenende aufrechterhalten – mit einer klaren Strategie: „Wir haben alle Bereiche am Limit. Nicht nur bei einem Team, sondern bei mehreren. Da darf keiner nachlassen“, sagte Spies dem SID:
Die BSD-Piloten duellieren sich dabei untereinander. „(Johannes, Anm. d. Red.) Lochner und Friedrich bekämpfen sich ganz oben – und jetzt kommt noch ein Adam Ammour dazu.“ Der 22-Jährige wurde Anfang Februar in Sigulda überraschend Europameister im Zweier und feierte jetzt mit seinem Bruder Issam in der gleichen Disziplin die WM-Silber-Medaille.
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Auch die BSD-Pilotinnen gewinnen fast jedes Rennen – Spies erklärt, warum
Aber nicht nur bei den Männern ist der interne Konkurrenzkampf riesig. Auch die Pilotinnen um Monobob-Weltmeisterin Laura Nolte, die zudem vor zwei Jahren in Peking Olympia-Gold gewann, und -Europameisterin Lisa Buckwitz beherrschen die Szene. „Das ist bei den Frauen ähnlich, vor allem im Zweier“, so Spies weiter im Gespräch mit dem SID. „Da arbeiten alle am Limit, versuchen noch besser zu werden und alles rauszuholen.“ Daran hätten auch die Trainer einen großen Anteil.
„Das System ist bei uns enorm, weil wir viele Trainer haben, die gut ausgebildet sind“, erklärte Spies, dessen Schützlinge drei der vier möglichen Goldmedaillen bei den bislang letzten Olympischen Spielen in Peking vor zwei Jahren eingeheimst hatten. „Das Ausbildungssystem ist bei uns mit Sicherheit besser als bei anderen Nationen.“
Bob-Wettbewerbe Olympia 2026 bereits entscheiden? Deutscher Coach warnt
Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d‘Ampezzo seien keine großen Kader-Veränderungen zu erwarten: „Francesco hat ganz klar gesagt, dass er bis 2026 weitermacht, Johannes Lochner entscheidet das von Jahr zu Jahr“, verriet Spies dem SID. „Bei Ammour und den Frauen stellt sich die Frage nicht, die machen auf jeden Fall alle weiter.“
Trotzdem sind die Wettbewerbe für den Bundestrainer noch nicht entschieden. Denn in seinen Augen ist die schier undurchdringliche Überlegenheit nur eine Momentaufnahme. „Bei dieser Dominanz wird es nicht bleiben, das wissen wir jetzt schon“, prophezeite der 50-Jährige. Die aktuelle Lage sei „definitiv nicht das Bild der nächsten zwei Jahre.“ Vor allem die US-Amerikaner hat Spies dabei auf dem Schirm: „Das Team ist außer Elana Meyers Taylor sehr unerfahren, aber die haben alle ein Riesenpotenzial.“ Dieses stellen jedoch aktuell insbesondere die deutschen Athleten im Eiskanal unter Beweis.
Unlängst aber sagte eine Pilotin dem BSD ade: Bob-Weltmeisterin Annika Drazek verkündete unter Tränen ihr Karriereende. (wuc/SID)
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