Für mangelnde Rückendeckung

Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz vermisst Rückhalt der deutschen Fans

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Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Japan geht Kai Havertz auf die Entfremdung zwischen Team und Fans ein und beklagt den ausgebliebenen Rückhalt während der WM.

Wolfsburg – Mit einer großen Portion Anspannung geht die deutsche Nationalmannschaft in die kommenden beiden Länderspiele am Samstag gegen Japan (20.45 Uhr/RTL) und Dienstag gegen Frankreich (21.00 Uhr/ARD). Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob Hansi Flick der richtige sei, nach einer verkorksten WM die Wende mitzugestalten und Fans und Mannschaft weniger als ein Jahr vor der Heim-EM in Euphorie zu versetzen. Von Anspannung lässt sich auch mit Blick auf die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans sprechen. Dies wurde nicht zuletzt durch die Kritik von Kai Havertz an der Anhängerschaft deutlich.

Kai Havertz
Geboren:11. Juni 1999 in Aachen
Position:Sturm
Bisherige Stationen:Bayer 04 Leverkusen, FC Chelsea, FC Arsenal

Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz sah Mannschaft „auf sich allein gestellt“

Obwohl das DFB-Team in der Nachbereitung der WM (1 Sieg in den letzten 5 Spielen) wenig Vielversprechendes darbot, nutzte Havertz die Pressekonferenz vor dem Testspiel für einen Rückblick auf das Turnier in Katar und bekundete seinen Missmut darüber, dass das Team nicht genügend Rückendeckung bekommen hätte.

„Wir haben in den letzten Monaten viel Kritik bekommen, oftmals nicht zurecht“, schilderte der Offensiv-Spieler vom FC Arsenal und machte deutlich, dass die negative Stimmung im Land während der WM wesentlich zu dem sportlichen Desaster beigetragen hätte. „Es sollte jedem aufgefallen sein in der Nachbetrachtung der WM, dass wir nicht so viel Rückhalt hatten im Land“, so der 24-jährige. „Fußballerisch betrachtet war kein Support vorhanden, da waren wir auf uns alleine gestellt.“

DFB-Star Kai Havertz beklagt sich über fehlenden Support der Fans.

Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz betont Vorteil anderer Nationen

Eine berechtigte Feststellung von Havertz, wenn man sich zurückerinnert, dass vor allem der Umgang mit dem Turnier und die menschenrechtlichen Umstände vor Ort besprochen wurden. Viele, die der Mannschaft ihre Unterstützung hätten zukommen lassen, haben womöglich von vornherein auf eine aktive Verfolgung des fußballerischen Geschehens verzichtet.

Eine Prioritätensetzung, die Havertz im Vergleich zu anderen Nationen bemängelt. „Für uns Fußballer sind Fans extrem wichtig, weil das auch Kraft verleiht“, betont er. „Wenn man gesehen hat bei den anderen Nationen, welche Fans und welchen Support die hatten, das hat bei uns ein bisschen gefehlt.“

Choupo-Moting, Calhanoglu, Boateng: Diese Spieler haben sich gegen den DFB entschieden

LUSAIL CITY, QATAR - DECEMBER 02: Eric Maxim Choupo-Moting of Cameroon during the FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft,
Eric Maxim Choupo-Moting (geboren: 23. März 1989 in Hamburg): Die Karriere des Angreifers nahm erst spät Fahrt auf. In Kameruns Nationalmannschaft stürmt der Profi aber bereits seit 2010. © Frej/imago
Hakan Calhanoglu of Turkey during the UEFA Nations League League C Group 1 match between Turkey and Lithuania at Gursel
Hakan Calhanoglu (geboren: 8. Februar in Mannheim): Der begnadete Techniker hätte sich wohl auch beim DFB durchsetzen können, spielte aber bereits in den U-Nationalmannschaften für die Türkei. Mittlerweile ist er sogar Kapitän der Mannschaft. © Seskimphoto/imago
Stephan Schröck (geboren: 21. August 1987 in Schweinfurt): Schon in der Junioren-Nationalmannschaft wechselte der frühere Fürther zum Verband der Philippinen. Seit 2019 ist er sogar Kapitän und spielt mittlerweile auch in der philippinischen Liga Fußball.
Stephan Schröck (geboren: 21. August 1987 in Schweinfurt): Schon in der Junioren-Nationalmannschaft wechselte der frühere Fürther zum Verband der Philippinen. Seit 2019 ist er sogar Kapitän und spielt mittlerweile auch in der philippinischen Liga Fußball. © Bopp/imago
Sebastian Boenisch: Als Linksverteidiger sah Sebastian Boenisch wohl kein Vorbeikommen am damaligen Kapitän Philipp Lahm. 2010 ging es für den langjährigen Schalker dann zum polnischen Verband, für den er 14 Partien absolvierte.
Sebastian Boenisch (geboren: 1. Februar 1987 in Gliwice, Polen): Als Linksverteidiger sah Sebastian Boenisch wohl kein Vorbeikommen am damaligen Kapitän Philipp Lahm. 2010 ging es für den langjährigen Schalker dann zum polnischen Verband, für den er 14 Partien absolvierte. © panoramic/imago
November 15 2018 Leipzig Germany Timo Werner L of Germany and Konstantin Rausch of Russia vi
Konstantin Rausch (geboren: 15. März 1990 in Kozhevnikovo, ehemalige UdSSR): Trotz über 50 Partien in den deutschen U-Nationalmannschaften reichte es für Konstantin Rausch nie für einen Einsatz in der A-Mannschaft. 2017 ging es dann zum russischen Verband. © Kireev/imago
QAT: England - Senegal. FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball Qatar 2022. Round of 16 Ismail Jakobs of Senegal
Ismail Jakobs (geboren: 17. August 1999 in Köln): Durch seinen Wechsel im September zum senegalesischen Fußballverband, nahm der Linksverteidiger relativ kurzfristig sogar an der WM 2022 in Katar teil. Bei der Endrunde lief er in allen vier WM-Spielen Senegals auf. © Blanco/imago
Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Qualifikation (UEFA) Athen, Olympiastadion Spyros Louis, 08.09.2021 Gruppe B Griechenland
Odysseas Vlachodimos (geboren: 26. April 1994 in Stuttgart): Als Träger der Fritz-Walter-Medaille, die er 2011 als U17-Keeper erhielt, galt Vlachodimos als kommende deutsche Torwart-Hoffnung. Da allerdings Manuel Neuer auf unbestimmte Zeit in jedem Fall vor ihm stand, wechselte der Stuttgarter zu Griechenland. © Dimopoulos/imago
Willi Orban (Ungarn) gegen Thomas Müller (Deutschland) - Nations League Gruppe C Deutschland vs. Ungarn in der Red Bull
Willi Orbán (geboren: 3. November 1992 in Kaiserslautern): Zweimal lief Orbán für die deutsche U21 auf. Dann spielte er für Ungarn weiter. Dort gehört der erfahrene Bundesliga-Spieler zum Stammpersonal in der Abwehr. © Schroedter/imago
September 8 2015 United States midfielder Jermaine Jones 13 escapes from Brazil forward Roberto
Jermaine Jones (geboren: 3. November 1981 in Frankfurt): Obwohl der gebürtige Frankfurter drei Länderspiele für Deutschland absolvierte, wechselte der Mittelfeldspieler auf den letzten Drücker zum Verband der USA, für die er 69-mal im Einsatz war. © icon/imago
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Kevin-Prince Boateng (geboren: 6. März 1987 in Berlin): Der Wandervogel wechselte nicht nur seine Vereine regelmäßig, sondern wechelte 2010 zum Fußballverband von Ghana. Zuvor durchlief Boateng alle DFB-U-Mannschaften seit der U15. © xinhua/imago
Sead Kolasinac (geboren: 20. Juni 1993 in Karlsruhe): Der ehemalige Schalker, absolvierte 14 Einsätze in den U-Nationalmannschaften des DFB. Seit 2013 läuft er für Bosnien-Herzegowina auf.
Sead Kolasinac (geboren: 20. Juni 1993 in Karlsruhe): Der ehemalige Schalker, absolvierte 14 Einsätze in den U-Nationalmannschaften des DFB. Seit 2013 läuft er für Bosnien-Herzegowina auf.  © Oliver Weiken / picture allience
Joel Matip (geboren: 8. August 1991 in Bochum): Im März 2010 gab der Innenverteidiger sein Debüt für Kameruns A-Nationalmannschaft und erteilte dem DFB somit eine Absage.
Joel Matip (geboren: 8. August 1991 in Bochum): Im März 2010 gab der Innenverteidiger sein Debut für Kameruns A-Nationalmannschaft und erteilte dem DFB somit eine Absage. © Chai v.d. Laage/ Imago
Martin Harnik (geboren: 10. Juni 1987 in Hamburg): Durchlief trotz doppelter Staatsangehörigkeit bereits die U-Nationalmannschaften der Alpenrepublik, um danach 68 Länderspiele für Österreich zu absolvieren.
Martin Harnik (geboren: 10. Juni 1987 in Hamburg): Durchlief trotz doppelter Staatsangehörigkeit bereits die U-Nationalmannschaften der Alpenrepublik, um danach 68 Länderspiele für Österreich zu absolvieren.  © Christian Bruna / picture alliance
Nuri Sahin (geboren: 5. September 1988 in Lüdenscheid): Lief bereits für die U-Nationalmannschaften der Türkei auf. Einst stellte er in der Frage klar: „Meine deutsche Seite decke ich bei Borussia Dortmund ab, meine türkische bei der Nationalmannschaft.“
Nuri Sahin (geboren: 5. September 1988 in Lüdenscheid): Lief bereits für die U-Nationalmannschaften der Türkei auf. Einst stellte er in der Sache klar: „Meine deutsche Seite decke ich bei Borussia Dortmund ab, meine türkische bei der Nationalmannschaft.“ © Marius Becker / picture alliance
Yunus Malli (geboren: 24. Februar 1992 in Kassel): Wurde mit der deutschen U17-Nationalmannschaft Europameister. Im Oktober 2015 entschied er jedoch künftig für die türkische Auswahl zu spielen.
Yunus Malli (geboren: 24. Februar 1992 in Kassel): Wurde mit der deutschen U17-Nationalmannschaft Europameister. Im Oktober 2015 entschied jedoch künftig für die türkische Auswahl zu spielen.  © Mikhail Tereshchenko / Imago
Vincenzo Grifo (geboren: 7. April 1993 in Pforzheim): Hatte seit jeher den Traum für die Squadra Azzurra aufzulaufen. „Mein Herz schlägt zu 100 Prozent für Italien“, verkündete er einst.
Vincenzo Grifo (geboren: 7. April 1993 in Pforzheim): Hatte seit jeher den Traum für die Squadra Azzurra aufzulaufen. „Mein Herz schlägt zu 100 Prozent für Italien“, verkündete er einst. © Fabio Ferrari / picture alliance
Ermedin Demirovic (geboren: 25. März 1998 in Hamburg): Trotz zweier Staatsbürgerschaften stets für Bosnien-Herzegowina im Einsatz. Im März 2021 debütierte er für die A-Nationalmannschaft.
Ermedin Demirovic (geboren: 25. März 1998 in Hamburg): Trotz zweier Staatsbürgerschaften stets für Bosnien-Herzegowina im Einsatz. Im März 2021 debütierte er für die A-Nationalmannschaft.  © Armin Durgut/ Imago
Hamit Altintop (geboren: 8. Dezember 1982 in Gelsenkirchen): Zeigte gar Unverständnis für Mesut Özil, der sich für den DFB entschied. Eine andere Entscheidung als für die Türkei zu spielen habe für ihn nie im Raum gestanden.
Hamit Altintop (geboren: 8. Dezember 1982 in Gelsenkirchen): Zeigte gar Unverständnis für Mesut Özil, der sich für den DFB entschied. Eine andere Entscheidung als für die Türkei zu spielen habe für ihn nie im Raum gestanden.  © Hannibal Hanschke / picture alliance

Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz wirbt für erneuten Schulterschluss

In derselben Konferenz nutzte der England-Legionär jedoch auch die Gelegenheit, sich für den erneuten Schulterschluss zwischen Mannschaft und Anhängerschaft starkzumachen. „Wir wollen anfangen, für Euphorie im ganzen Land zu sorgen und Spiele zu gewinnen“, sagte Havertz, was wie ein Versprechen klingt. Auch seien die kommenden Partien nicht als Freundschaftsspiele zu verstehen, sondern Prüfungen, die „extrem ernst“ genommen werden müssten.

Wie auch die Spieler, sollen die Fans ihre Rolle dafür einnehmen, denn Havertz betonte mit Blick auf die letzten Ergebnisse, dass auch in einer Krise die Spieler Rückhalt und Unterstützung bräuchte um aus dem Formtief wieder herauszukommen. (nki)

Rubriklistenbild: © Wunderl/Beautiful Sports/Imago

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