Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz vermisst Rückhalt der deutschen Fans
VonNiklas Kirk
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Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Japan geht Kai Havertz auf die Entfremdung zwischen Team und Fans ein und beklagt den ausgebliebenen Rückhalt während der WM.
Wolfsburg – Mit einer großen Portion Anspannung geht die deutsche Nationalmannschaft in die kommenden beiden Länderspiele am Samstag gegen Japan (20.45 Uhr/RTL) und Dienstag gegen Frankreich (21.00 Uhr/ARD). Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob Hansi Flick der richtige sei, nach einer verkorksten WM die Wende mitzugestalten und Fans und Mannschaft weniger als ein Jahr vor der Heim-EM in Euphorie zu versetzen. Von Anspannung lässt sich auch mit Blick auf die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans sprechen. Dies wurde nicht zuletzt durch die Kritik von Kai Havertz an der Anhängerschaft deutlich.
Kai Havertz
Geboren:
11. Juni 1999 in Aachen
Position:
Sturm
Bisherige Stationen:
Bayer 04 Leverkusen, FC Chelsea, FC Arsenal
Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz sah Mannschaft „auf sich allein gestellt“
Obwohl das DFB-Team in der Nachbereitung der WM (1 Sieg in den letzten 5 Spielen) wenig Vielversprechendes darbot, nutzte Havertz die Pressekonferenz vor dem Testspiel für einen Rückblick auf das Turnier in Katar und bekundete seinen Missmut darüber, dass das Team nicht genügend Rückendeckung bekommen hätte.
„Wir haben in den letzten Monaten viel Kritik bekommen, oftmals nicht zurecht“, schilderte der Offensiv-Spieler vom FC Arsenal und machte deutlich, dass die negative Stimmung im Land während der WM wesentlich zu dem sportlichen Desaster beigetragen hätte. „Es sollte jedem aufgefallen sein in der Nachbetrachtung der WM, dass wir nicht so viel Rückhalt hatten im Land“, so der 24-jährige. „Fußballerisch betrachtet war kein Support vorhanden, da waren wir auf uns alleine gestellt.“
Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz betont Vorteil anderer Nationen
Eine berechtigte Feststellung von Havertz, wenn man sich zurückerinnert, dass vor allem der Umgang mit dem Turnier und die menschenrechtlichen Umstände vor Ort besprochen wurden. Viele, die der Mannschaft ihre Unterstützung hätten zukommen lassen, haben womöglich von vornherein auf eine aktive Verfolgung des fußballerischen Geschehens verzichtet.
Eine Prioritätensetzung, die Havertz im Vergleich zu anderen Nationen bemängelt. „Für uns Fußballer sind Fans extrem wichtig, weil das auch Kraft verleiht“, betont er. „Wenn man gesehen hat bei den anderen Nationen, welche Fans und welchen Support die hatten, das hat bei uns ein bisschen gefehlt.“
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Vor DFB-Test gegen Japan: Havertz wirbt für erneuten Schulterschluss
In derselben Konferenz nutzte der England-Legionär jedoch auch die Gelegenheit, sich für den erneuten Schulterschluss zwischen Mannschaft und Anhängerschaft starkzumachen. „Wir wollen anfangen, für Euphorie im ganzen Land zu sorgen und Spiele zu gewinnen“, sagte Havertz, was wie ein Versprechen klingt. Auch seien die kommenden Partien nicht als Freundschaftsspiele zu verstehen, sondern Prüfungen, die „extrem ernst“ genommen werden müssten.
Wie auch die Spieler, sollen die Fans ihre Rolle dafür einnehmen, denn Havertz betonte mit Blick auf die letzten Ergebnisse, dass auch in einer Krise die Spieler Rückhalt und Unterstützung bräuchte um aus dem Formtief wieder herauszukommen. (nki)