VonThomas Kilchensteinschließen
Bei Eintracht Frankfurt will Donny van de Beek seine ins Stocken geratene Karriere wieder ins Laufen bekommen.
Und dann ist da die Sache mit dem Hamster, ungewöhnlich fürwahr, aber sie zeigt, wie beliebt dieser Donny van de Beek damals im Sommer 2019 war. Ein Mädchen, glühender Ajax-Fan, hatte auf Youtube der Welt mitgeteilt, dass es ihren Hamster just nach jenem brillanten Mittelfeldspieler benannt habe. Donny, der Hamster.
Es war die Zeit, da war die Fußballwelt des Donny van de Beek noch in Ordnung, mehr noch, aber das konnte er da nicht wissen: Es sollte seine beste Zeit sein, eine Zeit, in der ein junges Team von Ajax Amsterdam, angeleitet von Trainer Erik ten Hag, zwischenzeitlich den aufregendsten Fußball in Europa spielte, durch die Champions League marschierte, Bayern München, Real Madrid und Juventus Turin links liegen ließ und erst in einem dramatischen Halbfinale an Tottenham Hotspur scheiterte - nach einem 1:0-Hinspielsieg und einer 2:0-Führung im eigenen Stadion, das Siegtor der Engländer zum 2:3 fiel erst in der sechsten Minuten der Nachspielzeit. Und mitten drin: Donny van de Beek, einer, der am Schwungrad drehte mit Könnern wie de Jong, Tadic, Ziyech, de Ligt, Dolberg und den anderen Wilden an seiner Seite.
Da erzielte er in 34 Spielen in der ersten holländischen Liga neun Tore, legte zehn auf, schoss drei weitere in zwölf Champions-League-Spielen. So gut sollte es dem mittlerweile 26-Jährigen nie mehr ergehen. Es war übrigens auch die Zeit, in der der Stern von Eintracht Frankfurt in Europa aufging, als die Elf von Adi Hütter ebenfalls dramatisch im Halbfinale am FC Chelsea scheiterte. Einen Blick rüber hatte der Holländer seinerzeit immer gewagt.
Nun will Donny van de Beek seine arg ins Stocken geratene Karriere bei Eintracht Frankfurt wieder ins Laufen bringen, bis Mitte Mai hat er dazu Gelegenheit, er ist vorerst ausgeliehen, schwer genug wird es allemal.
Donny van de Beek: 34 Spiele, 9 Tore
Denn im Grunde weiß niemand so genau, auf welchem Niveau der mit der Tochter der niederländischen Legende Dennis Bergkamp liierte van de Beek aktuell spielt. Bei United kam er in der letzten Saison so gut wie gar nicht zum Zug, einmal zwei Minuten in der Premier League, einmal 19 im Pokal, Ende September 2023 war das, auch davor spielte er am Theater der Träume keine Rolle, sieben Einsätze, null Tore in 2022/23 stehen zu Buche. „Es war eine harte Zeit“, sagt der Blondschopf jetzt, am Mittwoch bei seiner offiziellen Vorstellung im Proficamp vor Journalisten.
Brown kommt aus Nürnberg
Eintracht Frankfurt treibt die Kaderplanung weiter voran. Nach Krisztian Lisztes steht der zweiten Transfer für die kommende Saison fest: Nathaniel Brown vom 1.FC Nürnberg hat einen ab sofort gültigen Vertrag bis 2029 unterschrieben, wird für die laufende Spielzeit aber noch an seinen Stammverein ausgeliehen. Der 20-jährige Linksverteidiger, deutscher U-21-Nationalspieler, kann auch im Mittelfeld eingesetzt werden. „Nathaniel Brown ist ein sehr talentierter Spieler, der trotz seines jungen Alters auf und neben dem Platz einen überaus reifen Eindruck macht“, sagt Sportdirektor Timmo Hardung. „Wir wollen ihn dabei unterstützen, seine positive Entwicklung der jüngeren Vergangenheit kontinuierlich fortzuführen. Wir haben uns auch deshalb gemeinschaftlich auf eine direkte Leihe bis zum kommenden Sommer mit dem 1. FC Nürnberg verständigt. Er passt mit seiner Dynamik perfekt in unser Anforderungsprofil.“ FR
Über die Gründe dieser Absenz auf dem Rasen hielt er sich bedeckt, es sei schwierig zu sagen, woran es gelegen habe, manchmal sei es auch eine Frage des richtigen Timings. In Manchester war es offensichtlich das falsche. Selbst unter seinem Landsmann Erik ten Hag, mit dem er ja in Amsterdam Erfolge en masse gefeiert hatte, vermochte sich der offensive Mittelfeldspieler nicht durchzusetzen. Für ihn gab es im hochkarätig besetzten Mittelfeld von United keinen Platz, Bruno Fernandes etwa, oder zu Beginn seiner Zeit Paul Pogba, dann Casemiro, Christian Eriksen oder Scott McTominay - sie alle hatten die Nase vorn, manche waren kämpferisch, andere spielerisch besser. Dazu kamen diverse Verletzungen, mal legte eine Gürtelrose, mal eine langwierige Bänderverletzung im Knie den Blonden außer Gefecht. In den dreieinhalb Jahren für die Briten kam er auf 62 Pflichtspiele, die allerwenigsten von Anfang an, er schoss drei Tore. „Das ist Vergangenheit“, sagt er, er möchte nur nach vorne schauen. „Dinge können sich ändern.“
Box-to-Box-Spieler
In Frankfurt glaubt er, ein „neues Kapitel aufschlagen“ zu können, er will die Herausforderung annehmen. Er weiß ja, dass er diese Chance unbedingt nutzen muss, um anzuknüpfen an seine grandiosen Vorstellungen im Ajax-Dress. Und ein bisschen schielt er auch nach der Elftal, die EM im Sommer hat er nicht aus den Augen verloren, wenngleich sein Fokus zunächst darauf liegen muss, überhaupt erst mal wieder Fuß zu fassen, Spielpraxis zu sammeln. „Ich will hier mein bestes persönliches Level zeigen“, sagt er.
Und nach den ersten Eindrücken und „chats“ mit Trainern und Spielern habe er ein „gutes Gefühl“, die Eintracht sei der „richtige Ort“ für ihn. An diesem Samstag wird er erstmals im Testspiel im Stadion ohne Publikum gegen den SC Freiburg zeigen können, dass er - obzwar kaum gespielt - doch körperlich in bester Verfassung ist. „Ich bin fit und fühle mich gut.“ In Manchester habe er stets hart trainiert.
Seine Stärken hat er, wie er selbst sagt, auf der Achter- oder Zehner-Position im zentralen Mittelfeld, er sei ein „Box-to-Box-Spieler“ mit Tordrang. Er ist damit keinesfalls ein Ersatz für den beim Afrika-Cup weilenden Ellyes Skhiri, selbst wenn er in der Vergangenheit schon, aber selten, die Sechser-Rolle inne hatte. Dieses Loch im defensiven Mittelfeld haben die Hessen nicht gestopft. Grundsätzlich aber kommt ihm die Spielweise der Eintracht entgegen, „ich mag es, in Teams zu stehen, die Fußball spielen wollen. Das passt zu mir.“
