Der FC Bayern geht dabei als klarer Favorit in die Partie, denn Auckland City ist bislang wohl den allerwenigsten Fußballfans in Deutschland ein Begriff und zählt zu den größten Außenseitern unter den 32 Klub-WM-Teilnehmern aus aller Welt.
Mario Ilich, Kapitän der Neuseeländer, spricht im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, über das besondere Duell mit dem großen FC Bayern, verrät, welchen Job er abseits des Fußballs nachgeht – und mit welchem Bayern-Star er gerne das Trikot tauschen würde.
Auckland-Kapitän spricht im Interview über FC Bayern und die Klub-WM
Herr Ilich, was glauben Sie, wird für Ihr Team bei der FIFA-Klub-WM die größere Herausforderung sein: Bayerns Superstar Harry Kane auszuschalten – oder Boca-Routinier Edinson Cavani?
Ich bin Fan von Manchester United, daher freue ich mich besonders darauf, gegen Cavani anzutreten. Boca hat viele Spieler im Team, die einst bei Manchester United gespielt haben.
Aber gegen Harry Kane zu spielen, das wird im ersten Moment für uns kaum zu fassen sein. Kane ist einer der erfolgreichsten und besten Torjäger der Welt. Er ist ein internationaler Top-Star und hat diese Saison wieder rund 40 Tore geschossen. Ich glaube, wir haben es noch nicht so richtig begriffen, gegen welche Top-Stars wir bei der Klub-WM spielen werden. Das wird sich erst ändern, wenn wir auf den Platz gehen, ihnen vor dem Anpfiff die Hände schütteln und dann Zweikämpfe gegen sie führen.
Was bedeutet es für Sie und Ihr Team, an der Klub-WM teilzunehmen?
Es ist eine große Ehre für uns. Wir haben in den vergangenen vier Jahren hart gearbeitet, um uns für die Klub-WM zu qualifizieren. Es ist ein neues Format und es wird ein großes Spektakel. In unserer Gruppe bekommen wir es mit dem FC Bayern, den Boca Juniors und Benfica zu tun. Das sind drei absolute Top-Teams. Wir sagen dazu „powerhouses“. Das ist für uns ein außergewöhnliches Szenario, diese drei Top-Teams in der Gruppe zu haben.
Man muss bedenken: Wir sind nur ein kleiner Klub aus Auckland City, Neuseeland, Ozeanien. Gegen drei der besten Teams der Welt anzutreten, stellt für uns eine riesige Chance dar, auf die wir uns sehr freuen.
Ich verfolge das Geschehen beim FC Bayern natürlich nicht erst, seitdem wir in eine Gruppe gelost wurden. Der FC Bayern ist ein absoluter Top-Klub, ein „powerhouse“. Der Verein ist auf der ganzen Welt berühmt.
Natürlich weiß ich auch, dass sie wieder deutscher Meister geworden sind – und ich denke, sie haben mit Vincent Kompany einen sehr guten Trainer, der in München ausgesprochen gute Arbeit leistet. Ich bin zudem überzeugt, dass der FC Bayern in Top-Form bei dem Turnier antreten wird. Für uns wird das Duell mit ihnen deshalb eine sehr große Herausforderung werden.
Können Sie sich und Ihren Klub ein wenig beschreiben?
Auckland City FC besitzt kroatische Wurzeln, das gilt auch für mich selbst. Ich bin in Auckland geboren und aufgewachsen, meine Eltern stammen aber beide aus Kroatien. Als ich vier Jahre alt war, habe ich angefangen, für die Mannschaft meines älteren Bruders bei Auckland City und dem Schwesterverein United zu spielen.
Ich habe alle Jugendmannschaften durchlaufen, bis ich es jetzt zum Kapitän von Auckland City gebracht habe und mit dem Team sogar bei einer Klub-Weltmeisterschaft antreten kann. Unser Klub ist ein sehr familiärer Verein, er stellt für meine Teamkollegen und mich ein zweites Zuhause dar. Wir essen zum Beispiel alle gemeinsam immer donnerstags abends. Das ist einfach eine coole Atmosphäre.
Ich wünschte auch, Sie könnten mal die Atmosphäre in unserem kleinen Stadion mit rund 3.000 Zuschauern vor Ort genießen. Es herrscht eine super Stimmung vor, weil die Tribüne, wie in vielen Stadien in Neuseeland üblich, wirklich nah an das Spielfeld heranreicht.
Sie haben als Spieler die OFC Champions League in den vergangenen zehn Jahren sechsmal gewonnen, davon fünfmal mit dem Auckland City FC. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis, das Sie für große Spiele besitzen?
Wir hatten tatsächlich viele Erfolge in der OFC Champions League zu verbuchen, darauf sind wir alle sehr stolz. Das ist für uns der größte und wichtigste Wettbewerb der Saison. Mit Siegen in der Champions League konnten wir uns auch regelmäßig für den Vorläufer-Wettbewerb der Klub-WM qualifizieren. Es ist unser Ziel, uns mit Teams auf dem höchstmöglichen Niveau zu messen.
Aber ob es dazu ein Erfolgsgeheimnis gibt? Da bin ich mir nicht ganz sicher, ob es eines gibt – und ob ich es dann überhaupt Ihnen verraten kann (lacht).
Jedenfalls versuchen wir, unser Niveau die ganze Saison über so hoch wie möglich zu halten. Konstanz ist eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg. Wir versuchen gemeinsam, vom Vorsitzenden über den Trainerstab und den Spielern bis hin zu allen Beteiligten im Verein, dies zu bewerkstelligen, um uns optimal auf die großen Spiele vorzubereiten. Das ist aber bei unseren Rahmenbedingungen nicht so einfach.
Ist es immer noch so, dass viele Spieler Ihres Vereins einem gewöhnlichen Job neben dem Fußball nachgehen? Selbst Sie als Kapitän?
Die meisten unserer Jungs besitzen einen gewöhnlichen Job. Nur manche studieren und können in Vollzeit trainieren. Ich zum Beispiel bin heute um fünf Uhr am Morgen aufgestanden, führe mit Ihnen aus dem Auto heraus um kurz vor neun Uhr ein Interview und gehe dann meiner Arbeit bei Coca-Cola nach. Dort bin ich im Sales-Bereich tätig.
Wir trainieren derzeit dann an vier Abenden pro Woche, bevor wir uns in die USA aufmachen. Da hat man nicht viel Zeit für sich selbst oder für seine Partnerin. Es ist für viele von uns schwer, die Balance zu finden zwischen Arbeit, Fußball sowie Familie und Beziehung. Mit der Klub-WM wird für uns die Herausforderung noch größer, auch wenn wir uns alle auf das Turnier freuen.
Der Zusammenhalt bei Ihnen ist jedoch groß.
Einige meiner Teamkollegen sind zugleich einige meiner besten Freunde. Wir lieben es, zum Training zu gehen, miteinander in Kontakt zu sein und an den Wochenenden gemeinsam für den Sieg zu kämpfen. Das Team ist schon seit vielen Jahren in dieser Formation zusammen. Wir haben einen großen Zusammenhalt in der Mannschaft, und das spiegelt sich hoffentlich auch bei der Klub-WM wider.
Können Sie uns auch ein paar Spieler aus dem Team kurz vorstellen? Wer ist der Spaßmacher in ihrer Mannschaft? Wer geht modisch voran?
Unser Spaßvogel ist wohl Angus Kilkolly, unsere Nummer Neun. Er bringt immer Spaß und Energie ins Training und in die Spiele. Es ist sicher gut, einen Spieler wie ihn in der Kabine zu haben. Adam Mitchell und Alfie Rogers geben ein wenig den Style vor. Besonders nach einem Sieg nehmen sie sich immer die Zeit, sich zu stylen und sie legen auch einige Tanzeinlagen ein. Sie bringen auch eine gute Energie mit. Aber es geht um die ganze Gruppe, wir sind eine Top-Gemeinschaft. Wir kommen alle gut miteinander aus und haben viel Spaß, weil sich jeder ins Team einbringt.
Und haben Sie sich für die Klub-WM ein Ziel gesetzt? Glauben Sie, dass Sie die Gruppenphase überstehen können?
Diese Frage wird uns immer wieder gestellt. Wir machen uns natürlich keine Illusionen darüber, wie schwierig es werden wird. Wir sind ein Amateur-Team, so ehrlich muss man das sagen. Gleichzeitig treffen wir mit dem FC Bayern auf einen Klub, der wahrscheinlich zu den fünf besten der Welt zählt.
Und Benfica und Boca sind auch sehr starke Mannschaften. Wir wollen einfach unsere Top-Leistung abrufen, auf die wir dann stolz sein können, auf die unsere Familien stolz sein können und unser Verein. Wir wollen uns einfach auf unsere Leistung konzentrieren, gut spielen und dann sehen wir weiter.
Thomas Müller spielt sein letztes Turnier im Trikot des FC Bayern. Was denken Sie über Müller?
Thomas Müller ist eine Ikone des FC Bayern und eine absolute Legende des Weltfußballs. Es wird für uns unfassbar sein, gegen ihn noch zu spielen. Ich habe ihn jahrelang bei Weltmeisterschaften und in der Bundesliga im Fernsehen gesehen. Es ist einfach unglaublich, dass wir nun gegen ihn persönlich noch spielen können. Ich bin mir sicher, dass ein paar Jungs nach dem Spiel versuchen werden, sein Trikot zu ergattern.
Wenn Sie sich einen Spieler von Bayern München aussuchen könnten, mit dem Sie das Trikot nach dem Spiel tauschen können. Welcher Bayern-Star käme da infrage?
Ich bin selbst Mittelfeldspieler, also wäre das Trikot von Joshua Kimmich ziemlich cool. Viele der Jungs werden wahrscheinlich auch nach dem Trikot von Harry Kane fragen. Aber die Trikot-Jagd mal beiseite gelassen: Es wird einfach cool sein, mit einigen der besten Spieler der Welt auf dem Platz zu stehen und mit ihnen um drei Punkte zu kämpfen. Ich freue mich einfach auf diese Chance und hoffe, dass wir den Moment genießen und den Auckland City Football Club bestmöglich repräsentieren können.