Öffentliche Trainingseinheit

FC Bayern erlebt Fan-Ansturm an der Säbener Straße – Müller müllert noch

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Der FC Bayern organisiert eine öffentliche Trainingseinheit. Der Andrang der Fans ist riesig – und Thomas Müller ist noch komplett ins Team integriert.

München – Ist schon wieder ein Konzert von Robbie Williams in München? Den Eindruck konnte man kurz gewinnen, wenn man sich am Samstagvormittag rund um die Säbener Straße aufhielt. Es ging zwar „nur“ um ein öffentliches Training des FC Bayern, aber die Schlangen reichten in weitere Seitenstraßen rund um das ehrwürdige Gelände im Stadtteil Giesing hinein.

Thomas Müller machte wohl sein letztes Training mit der Mannschaft des FC Bayern.

Dazu sei die Vorgeschichte von öffentlichen Trainings des FC Bayern kurz erzählt: Ab Mitte der 1990er Jahre entstand ein Hype um die Trainingseinheiten des deutschen Rekordmeisters. Bei Events wie dem „Tag der offenen Tür“ liefen schon mal rund 15.000 Fans auf das Gelände, um sich die Autogramme der Stars zu sichern. Auch gehörte es lange Zeit zur Fußball-Kultur in Deutschland, zahlreiche Trainings den Fans öffentlich anzubieten.

Klinsmann dehnte die geheimen Trainingseinheiten beim FC Bayern aus

Mit der Zeit reduzierte der FC Bayern diese öffentlichen Einheiten allerdings. Trainer Jürgen Klinsmann brachte 2008 die Kultur von ausländischen Top-Klubs mit nach München, nämlich kaum mehr öffentlich zu trainieren. Die offizielle Begründung lautete, dass die Mannschaft sich auf den Fußball konzentrieren müsse – und auch kein „Spion“ eines anderen Klubs solle wichtige Informationen bei den Einheiten abgreifen.

Der FC Bayern hielt besonders in der Ferienzeit noch einige Termine öffentlich ab, doch Coaches wie zuletzt Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel legten ihren Fokus auf die taktische und damit geheime Arbeit mit der Mannschaft. Eine öffentliche Trainingseinheit ist demnach zur Rarität geworden, weshalb der Run auf dieses Event besonders groß ist.

Einmal gibt‘s die 1 bei Kane-Novum: Bayern-Noten gegen Spurs

FC Bayern Muenchen FCB vs Tottenham Hotspur Spurs
Manuel Neuer: Im neuen dritten Torwarttrikot agierte Neuer gewohnt aufmerksam und ohne Fehler. Note: 3 © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
Konrad Laimer
Konrad Laimer: Konni, die Lokomototive! Marschierte wie gewohnt die rechte Seite auf und ab. War dadurch auch hin und wieder im Strafraum zu finden, verpasste in der zweiten Hälfte einen Treffer nach toller Diaz-Vorabeit. Note: 3 (ab 67. Sacha Boey, o.B.) © IMAGO/David Inderlied
Dayot Upamecano
Dayot Upamecano: Ihm tut es offensichtlich gut, wenn er einen stabilen Innenverteidiger-Partner hat. Im Verbund mit Tah hatte er Richarlison meist fest im Griff. Note: 3 (ab 67. Cassiano Kiala, o.B.) © IMAGO/Lennart Preiss/Shutterstock
Jonathan Tah
Jonathan Tah: Kann er Abwehr-Boss? Gegen die Spurs stabil, aber auch kaum gefordert. Das Zusammenspiel mit Upamecano funktionierte schon mal ohne große Probleme. Note: 3 (ab 67. Minjae Kim, o.B.) © IMAGO/David Inderlied
Josip Stanisic
Josip Stanisic: Offenbar taugt ihm die linke Abwehrseite immer mehr. Stanisic zeigte im Verbund mit Diaz eine ordentliche Leistung. Defensiv stabil, holte er gegen Ex-Teamkollege Palhinha sogar einen Strafstoß raus. Note: 2 (ab 67. Raphael Guerrerio, o.B.) © IMAGO/Lennart Preiss/Shutterstock
Joshua Kimmich
Joshua Kimmich: Teileweise überraschend unkonzentriert in der Anfangsphase. War aber dann da, wenn er gefordert war. Zu Not auch in der Defensive im Laufduell gegen Sarr. Note: 3 (ab 67. David Daiba, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Leon Goretzka
Leon Goretzka: Hatte gleich zu Beginn die erste dicke Chance nach Kimmichs Freistoßchip. Starke Aktion in der 25. Minute, als er in alter Manier in den Strafraum stürmte. Allgemein sehr offensivfreudig im direkten Duell gegen seinen alten Konkurrenten Joao Palhinha. Vergab in der 35. und 37. Minute aus guter Position am Strafraum. Note: 2 (ab 67. Tom Bischof, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Kingsley Coman
Kingsley Coman: Etwas überraschend kam Coman über rechts, weil Gnabry angeschlagen auf der Tribüne saß. Aber zum Ausprobieren ist die Vorbereitung bekanntlich ja da. Was heißt Ausprobieren? Coman machte seinen Job richtig stark und sorgte auf dem rechten Flügel immer wieder für Gefahr. Traumtor mit nach einer Stunde zum 2:0. Note: 1 (ab 67. Lennart Karl, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Michael Olise
Michael Olise: Wurde gegen die Spurs auf der Zehn ran – und zeigte nach zwei Minuten sofort, dass er auch im Zentrum brutal zocken kann. Olise ließ beim ersten Dribbling drei Spieler stehen, wurde gefoult und setzte den Freistoß aus 18 Metern dann selbst knapp neben den Kasten. Überragender Ball auf Kane vor dessen Treffer zum 1:0. War auch ansonsten der gefährlichste Offensivspieler der Bayern. Note: 2 (ab 67. Paul Wanner, o.B.) © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer
Luis Diaz
Luis Diaz: Bayerns neuer Superstar durfte gegen Tottenham von Beginn an auf dem linken Flügel ran. Umtriebig, trickreich und immer wieder mit viel Finesse im letzten Drittel, fehlte Diaz aber vor dem Tor – wie schon gegen Lyon – das entscheidende Quäntchen Glück. Note: 2 (ab 76. Wisdom Mike, o.B.) © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer
Harry Kane
Harry Kane: Im Spiel gegen die Alte Liebe erst bockstark mit der frühen Führung nach eiskalten Abschluss in der 12. Minute. Kurz darauf unglücklich, als ihm ein Novum unterlief: Kane scheiterte nämlich erstmals im Bayern-Trikot vom Elfmeterpunkt! Zu seiner Entschuldigung muss gesagt werden, dass er beim Schuss ausrutschte – der neue Arena-Rase scheint noch nicht festgewachsen. Kurz vor seiner Auswechslung scheiterte er nach toller Coman-Vorarbeit noch frei an Spurs-Keeper Vicario. Note: 3 (ab 67. Jonah Kusi Asare, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert

Darüber hinaus dürfen die Münchner aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr 15.000 Fans auf das Gelände lassen, die Zahl wurde aktuell auf rund 3000 Personen beschränkt. An diesem Samstag machte man aber offenbar eine Ausnahme und ließ etwas mehr Anhänger auf die Anlage. Denn es dürften mindestens 6000 Fans, zumeist Familien mit Kindern, gewesen sein, die eine dieser seltenen Trainingseinheiten live erleben wollten.

Was konnten die Fans an diesem Samstag bestaunen? Trainer Vincent Kompany ließ seine Spieler ab elf Uhr bei rund 28 Grad Celsius durchaus intensiv trainieren, neben Pass-Übungen gab es in der Mitte des Feldes ein Spiel auf jeweils zwei kleine Tore. Eine große Überraschung war dabei, dass Thomas Müller noch mit der Mannschaft trainierte.

Zeitweise stürmte er sogar mit Torwart Manuel Neuer in einem Team. Die Sprechchöre für Müller waren mit am lautesten. Es müllerte also noch an der Säbener Straße. Unter der Woche wird der Angreifer allerdings den FC Bayern nach 25 Jahren verlassen und nach Kanada reisen, wo er in der MLS für die Vancouver Whitecaps auf Torejagd gehen wird.

FC-Bayern-Stars geben fleißig Autogramme

Zurück zum Bayern-Training: Zum Ende der rund 45 Minuten dauernden Einheit begaben sich nahezu alle Stars zu den Fans und schrieben fleißig Autogramme. Der Andrang war enorm groß, weshalb manche Kinder auch der Verzweiflung nahe waren, wenn sie an kein Autogramm oder Selfie gelangten. Auffällig: Flügelstürmer Michael Olise schrieb mit am längsten Autogramme, der Wunsch nach einem Selfie mit ihm war besonders groß. Eindrücke vom Bayern-Training sind auch auf den Social-Media-Kanälen von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, zu sehen.

Womöglich kann der FC Bayern eine Lehre aus diesem Event ziehen, nämlich wieder mehr Einheiten in den August-Ferien öffentlich abzuhalten. Für die Nähe zu den (jungen) Fans war diese Veranstaltung jedenfalls besonders wichtig.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Philippe Ruiz

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