VonDaniel Michelschließen
Der FC Bayern organisiert eine öffentliche Trainingseinheit. Der Andrang der Fans ist riesig – und Thomas Müller ist noch komplett ins Team integriert.
München – Ist schon wieder ein Konzert von Robbie Williams in München? Den Eindruck konnte man kurz gewinnen, wenn man sich am Samstagvormittag rund um die Säbener Straße aufhielt. Es ging zwar „nur“ um ein öffentliches Training des FC Bayern, aber die Schlangen reichten in weitere Seitenstraßen rund um das ehrwürdige Gelände im Stadtteil Giesing hinein.
Dazu sei die Vorgeschichte von öffentlichen Trainings des FC Bayern kurz erzählt: Ab Mitte der 1990er Jahre entstand ein Hype um die Trainingseinheiten des deutschen Rekordmeisters. Bei Events wie dem „Tag der offenen Tür“ liefen schon mal rund 15.000 Fans auf das Gelände, um sich die Autogramme der Stars zu sichern. Auch gehörte es lange Zeit zur Fußball-Kultur in Deutschland, zahlreiche Trainings den Fans öffentlich anzubieten.
Klinsmann dehnte die geheimen Trainingseinheiten beim FC Bayern aus
Mit der Zeit reduzierte der FC Bayern diese öffentlichen Einheiten allerdings. Trainer Jürgen Klinsmann brachte 2008 die Kultur von ausländischen Top-Klubs mit nach München, nämlich kaum mehr öffentlich zu trainieren. Die offizielle Begründung lautete, dass die Mannschaft sich auf den Fußball konzentrieren müsse – und auch kein „Spion“ eines anderen Klubs solle wichtige Informationen bei den Einheiten abgreifen.
Der FC Bayern hielt besonders in der Ferienzeit noch einige Termine öffentlich ab, doch Coaches wie zuletzt Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel legten ihren Fokus auf die taktische und damit geheime Arbeit mit der Mannschaft. Eine öffentliche Trainingseinheit ist demnach zur Rarität geworden, weshalb der Run auf dieses Event besonders groß ist.
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Darüber hinaus dürfen die Münchner aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr 15.000 Fans auf das Gelände lassen, die Zahl wurde aktuell auf rund 3000 Personen beschränkt. An diesem Samstag machte man aber offenbar eine Ausnahme und ließ etwas mehr Anhänger auf die Anlage. Denn es dürften mindestens 6000 Fans, zumeist Familien mit Kindern, gewesen sein, die eine dieser seltenen Trainingseinheiten live erleben wollten.
Was konnten die Fans an diesem Samstag bestaunen? Trainer Vincent Kompany ließ seine Spieler ab elf Uhr bei rund 28 Grad Celsius durchaus intensiv trainieren, neben Pass-Übungen gab es in der Mitte des Feldes ein Spiel auf jeweils zwei kleine Tore. Eine große Überraschung war dabei, dass Thomas Müller noch mit der Mannschaft trainierte.
Zeitweise stürmte er sogar mit Torwart Manuel Neuer in einem Team. Die Sprechchöre für Müller waren mit am lautesten. Es müllerte also noch an der Säbener Straße. Unter der Woche wird der Angreifer allerdings den FC Bayern nach 25 Jahren verlassen und nach Kanada reisen, wo er in der MLS für die Vancouver Whitecaps auf Torejagd gehen wird.
FC-Bayern-Stars geben fleißig Autogramme
Zurück zum Bayern-Training: Zum Ende der rund 45 Minuten dauernden Einheit begaben sich nahezu alle Stars zu den Fans und schrieben fleißig Autogramme. Der Andrang war enorm groß, weshalb manche Kinder auch der Verzweiflung nahe waren, wenn sie an kein Autogramm oder Selfie gelangten. Auffällig: Flügelstürmer Michael Olise schrieb mit am längsten Autogramme, der Wunsch nach einem Selfie mit ihm war besonders groß. Eindrücke vom Bayern-Training sind auch auf den Social-Media-Kanälen von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, zu sehen.
Womöglich kann der FC Bayern eine Lehre aus diesem Event ziehen, nämlich wieder mehr Einheiten in den August-Ferien öffentlich abzuhalten. Für die Nähe zu den (jungen) Fans war diese Veranstaltung jedenfalls besonders wichtig.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Philippe Ruiz

