Warum musste er gehen? tz kennt die Gründe für das Nagelsmann-Aus
VonPhilipp Kessler
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Manuel Bonke
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Julian Nagelsmann ist nicht mehr länger Trainer des FC Bayern München. Die Gründe für seine Freistellung sind vielschichtig.
München - Joao Cancelo (28) musste erst einmal durchschnaufen. Als der Bayern-Star am Donnerstag nach dem 4:0 mit Portugal gegen Liechtenstein im TV-Interview auf das Trainer-Beben in München angesprochen wurde, war er total überrumpelt. Das Sinnbild eines völlig verrückten Abends.
„Ich wusste es nicht! Ich wusste es nicht! Ich bin ein bisschen überrascht, ja“, sagte Cancelo auf die Frage zur Entlassung von Julian Nagelsmann (35). „Ich möchte Herrn Nagelsmann danken, denn er war derjenige, der mich bei Bayern haben wollte.“ Der von Manchester City an den Rekordmeister ausgeliehene Außenverteidiger wünsche dem Coach „alles Glück der Welt“.
Cancelo verlor 2021 das CL-Finale gegen Tuchels Chelsea
Auch zu Nagelsmann-Nachfolger Thomas Tuchel (49) hatte Cancelo etwas zu sagen. „Was ihn betrifft, so hat er mich ein Champions-League-Finale verlieren lassen“, erinnerte sich Portugal-Star an das verlorene Königsklassen-Finale mit Manchester City 2021 gegen das damals von Tuchel trainierte Chelsea. Cancelo: „Also hoffe ich, dass er es dieses Jahr für mich gewinnt.“ Fakt ist: Den Triple-Traum sahen die Bayern-Bosse mit Nagelsmann in Gefahr. Die tz kennt die Gründe für das Aus des Landsbergers.
Keine Konstanz: Der Rekordmeister zeigte zwei Gesichter. Einerseits holten die Münchner acht Siege aus acht Spielen in der Champions League. Andererseits verspielte die Mannschaft neun Punkte Vorsprung auf Dortmund und gab die Tabellenführung ab. Die Bayern-Bosse waren angesichts der mageren Punkte-Ausbeute 2023 äußerst besorgt. Tenor: Die bisherigen Spiele in diesem Jahr waren größtenteils - abgesehen von den Auftritten im Königsklassen-Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain (2:0, 1:0) - nicht Bayern-like.
Formschwankungen der Stars als einer der Gründe
Angefangen bei den drei Unentschieden nach der WM-Pause waren vor allem die letzten Partien aus Sicht der Führungsetage nicht ausreichend: Knapper 2:1-Sieg in Stuttgart nach hektischer Schlussphase und souveräner Führung, chaotischer 5:3-Sieg gegen Augsburg nach Blitz-Gegentor sowie das 1:2 gegen Leverkusen. Die Partie bei Bayer wurde als schlechtester Auftritt aller Zeiten gesehen. Konstanz war quasi nie vorhanden.
Kein Spieler in Top-Form: Die Bosse sahen unter Nagelsmann auch zu wenig Entwicklung der gesamten Mannschaft. Tenor: Kein Spieler ist in Top-Form, Nagelsmann hat keinen Star wirklich besser gemacht. Nagelsmann habe den besten Bayern-Kader aller Zeiten zur Verfügung gehabt, aber aus dessen Potential zu wenig rausgeholt.
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars
Auch das ist Teil der Wahrheit: Die Mannschaft bat Nagelsmann sogar, einfacher und nicht mehr so kompliziert trainieren zu lassen. Ein Signal der Bayern-Stars, dass der Coach etwas von seiner Idee abrücken und seine Spielweise mehr auf die Qualitäten seiner Profis ausrichten müsse.
Disziplin und Außendarstellung ließen zu wünschen übrig
Zu wenig Disziplin: Nagelsmann wurde auch die große Undiszipliniertheit innerhalb der Mannschaft vorgeworfen. Erst nach dem Sieg in Paris wurde den Stars seit Jahren wieder ein offizieller Strafenkatalog präsentiert. Ausgearbeitet wurde dieser von Teampsychologe Maximilian Pelka (34) und Teammanagerin Kathleen Krüger (37).Aufgrund seiner Erfahrung mit den Superstars von PSG und dem Champions-League-Sieg mit Chelsea sind die Bosse davon überzeugt, dass Tuchel mit den Bayern-Stars besser umgehen kann.
Schlechte Außendarstellung: Nagelsmann bot viel Angriffsfläche. Einerseits wegen seines extrovertierten Verhaltens, andererseits wegen seinen Äußerungen, mit denen er häufig Unruhe in den Verein brachte. Bestes Beispiel: Nach der 2:3-Niederlage in Mönchengladbach bezeichnete er das Schiedsrichtergespann als „weichgespültes Pack“.
Dass Nagelsmann während der Länderspielpause nicht am Vereinsgelände arbeitete, sondern Skifahren war, wurde kritisch gesehen. Am Freitagnachmittag wurde Nagelsmann von den Bossen an die Säbener Straße zitiert. Dort teilten Präsident Herbert Hainer (68), Vorstands-Boss Oliver Kahn (53) und Salihamidzic ihm das Aus persönlich mit. (P. Kessler, M. Bonke)