Konstanz, Form, Disziplin

Warum musste er gehen? tz kennt die Gründe für das Nagelsmann-Aus

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Julian Nagelsmann ist nicht mehr länger Trainer des FC Bayern München. Die Gründe für seine Freistellung sind vielschichtig.

München - Joao Cancelo (28) musste erst einmal durchschnaufen. Als der Bayern-Star am Donnerstag nach dem 4:0 mit Portugal gegen Liechtenstein im TV-Interview auf das Trainer-Beben in München angesprochen wurde, war er total überrumpelt. Das Sinnbild eines völlig verrückten Abends.

„Ich wusste es nicht! Ich wusste es nicht! Ich bin ein bisschen überrascht, ja“, sagte Cancelo auf die Frage zur Entlassung von Julian Nagelsmann (35). „Ich möchte Herrn Nagelsmann danken, denn er war derjenige, der mich bei Bayern haben wollte.“ Der von Manchester City an den Rekordmeister ausgeliehene Außenverteidiger wünsche dem Coach „alles Glück der Welt“.

Cancelo verlor 2021 das CL-Finale gegen Tuchels Chelsea

Auch zu Nagelsmann-Nachfolger Thomas Tuchel (49) hatte Cancelo etwas zu sagen. „Was ihn betrifft, so hat er mich ein Champions-League-Finale verlieren lassen“, erinnerte sich Portugal-Star an das verlorene Königsklassen-Finale mit Manchester City 2021 gegen das damals von Tuchel trainierte Chelsea. Cancelo: „Also hoffe ich, dass er es dieses Jahr für mich gewinnt.“ Fakt ist: Den Triple-Traum sahen die Bayern-Bosse mit Nagelsmann in Gefahr. Die tz kennt die Gründe für das Aus des Landsbergers.

Die Gründe vor die Freistellung von Julian Nagelsmann beim FC Bayern sind vielschichtig.

Keine Konstanz: Der Rekordmeister zeigte zwei Gesichter. Einerseits holten die Münchner acht Siege aus acht Spielen in der Champions League. Andererseits verspielte die Mannschaft neun Punkte Vorsprung auf Dortmund und gab die Tabellenführung ab. Die Bayern-Bosse waren angesichts der mageren Punkte-Ausbeute 2023 äußerst besorgt.
Tenor: Die bisherigen Spiele in diesem Jahr waren größtenteils - abgesehen von den Auftritten im Königsklassen-Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain (2:0, 1:0) - nicht Bayern-like.

Formschwankungen der Stars als einer der Gründe

Angefangen bei den drei Unentschieden nach der WM-Pause waren vor allem die letzten Partien aus Sicht der Führungsetage nicht ausreichend: Knapper 2:1-Sieg in Stuttgart nach hektischer Schlussphase und souveräner Führung, chaotischer 5:3-Sieg gegen Augsburg nach Blitz-Gegentor sowie das 1:2 gegen Leverkusen. Die Partie bei Bayer wurde als schlechtester Auftritt aller Zeiten gesehen. Konstanz war quasi nie vorhanden.

Kein Spieler in Top-Form: Die Bosse sahen unter Nagelsmann auch zu wenig Entwicklung der gesamten Mannschaft. Tenor: Kein Spieler ist in Top-Form, Nagelsmann hat keinen Star wirklich besser gemacht. Nagelsmann habe den besten Bayern-Kader aller Zeiten zur Verfügung gehabt, aber aus dessen Potential zu wenig rausgeholt.

Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars

Manuel Neuer hat seinen Vertrag beim FC Bayern nun noch einmal verlängert und wird daher bis mindestens 2025 den Kasten des Rekordmeisters hüten.
Manuel Neuer hat seinen Vertrag beim FC Bayern nun noch einmal verlängert und wird daher bis mindestens 2026 den Kasten des Rekordmeisters hüten. © IMAGO/Maik Hölter/TEAM2sportphoto
Jonas Urbig kam im Januar 2025 vom 1. FC Köln in die bayerische Landeshauptstadt, sein Vertrag läuft bis Sommer 2029.
Jonas Urbig kam im Januar 2025 vom 1. FC Köln in die bayerische Landeshauptstadt, sein Vertrag läuft bis Sommer 2029. © Ulrich Wagner / Imago Images
Sven Ulreich hat ein Arbeitspapier beim FC Bayern bis 2025.
Auch Sven Ulreich hat inzwischen ein Arbeitspapier beim FC Bayern bis 2025.  © IMAGO/Wolfgang SCHNEBLE / SVEN SIMON
Daniel Peretz bei seiner Bayern-Vorstellung
Daniel Peretz (li.) kam im Sommer 2023 von Maccabi Tel Aviv nach München und unterschrieb bis 2028. © IMAGO/FC BAYERN MUENCHEN
Als erster externer Neuzugang wurde im Sommer 2024 Hiroki Ito präsentiert. Der Abwehrspieler kam vom VfB Stuttgart, soll rund 30 Millionen Euro gekostet haben und unterschrieb bis 2028.
Als erster externer Neuzugang wurde im Sommer 2024 Hiroki Ito präsentiert. Der Abwehrspieler kam vom VfB Stuttgart, soll rund 30 Millionen Euro gekostet haben und unterschrieb bis 2028. © Langer / Imago Images
Die einjährige Leihe zu Bayer Leverkusen erwies sich für Josip Stanisic als Erfolg. Zur Saison 24/25 verteidigt er wieder für den FC Bayern, der zudem eine Ausdehnung des Kontrakts bis 2029 verkündete.
Die einjährige Leihe zu Bayer Leverkusen erwies sich für Josip Stanisic als Erfolg. Zur Saison 24/25 verteidigt er wieder für den FC Bayern, der zudem eine Ausdehnung des Kontrakts bis 2029 verkündete. © Ulrich Wagner / Imago Images
Sacha Boey kam im Winter-Transferfenster 23/24 von Galatasaray, verbuchte aber in seinen ersten sechs Monaten in Deutschland kaum Einsatzzeit. Sein Kontrakt endet nach der Saison 27/28.
Sacha Boey kam im Winter-Transferfenster 23/24 von Galatasaray, verbuchte aber in seinen ersten sechs Monaten in Deutschland kaum Einsatzzeit. Sein Kontrakt endet nach der Saison 27/28. © Revierfoto / Imago Images
Für kolportierte 50 Millionen Euro lockte der FCB 2023 Kim Min-jae an die Isar, der Innenverteidiger unterzeichnete bis 2028.
Für kolportierte 50 Millionen Euro lockte der FCB Kim Min-jae an die Isar, der Innenverteidiger unterzeichnete bis 2028. © IMAGO/Ulmer
Eric Dier schloss sich im Januar 2024 zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis dem FCB an, Anfang März griff eine Klausel, die den Engländer bis 2025 an den deutschen Rekordmeister bindet.
Eric Dier schloss sich im Januar 2024 zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis dem FCB an, Anfang März griff eine Klausel, die den Engländer bis 2025 an den deutschen Rekordmeister bindet. © ANP / Imago Images
Tarek Buchmann bei der Teamvorstellung des FC Bayern München
Der FC Bayern und Innenverteidiger-Talent Tarek Buchmann einigten sich beim ersten Profivertrag auf eine Laufzeit bis 2026. © IMAGO/Mladen Lackovic
Vom Bundesliga-Konkurrenten Borussia Dortmund kam Raphael Guerreiro 2023 ablösefrei zum FCB und bindet sich bis 2026 an den Rekordmeister.
Vom Bundesliga-Konkurrenten Borussia Dortmund kam Raphael Guerreiro ablösefrei zum FCB und bindet sich bis 2026 an den Rekordmeister. © IMAGO/Revierfoto
Alphonso Davies hat seinen Vertrag beim FC Bayern München bis 2030 verlängert.
Alphonso Davies hat seinen Vertrag beim FC Bayern München bis 2030 verlängert. © Boris Schumacher/imago
Das aktuelle Arbeitsverhältnis von Dayot Upamecano mit dem FC Bayern würde 2026 enden.
Die Vertragslaufzeit von Dayot Upamecano beträgt noch über drei Jahre. Das aktuelle Arbeitsverhältnis mit dem FC Bayern würde 2026 enden.  © Markus Fischer/imago
Nach der Vertragsverlängerung im Juni 2024 ist Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlovic bis 2029 gebunden.
Nur einen Monat nach Krätzig erhielt Aleksandar Pavlovic seinen ersten Profivertrag in München, auch er soll bis mindestens 2027 bleiben. © UWE KRAFT / Imago
Nach langem Hin und Her ist klar: Joshua Kimmich bleibt bis 2029 beim Rekordmeister.
Joshua Kimmich darf immer häufiger mit der Kapitänsbinde auflaufen. Das Arbeitspapier des Nationalspielers ist bis 2029 datiert.  © Imago
Für den Portugiesen Joao Palhinha griffen die Münchner tief in die Tasche, rund 50 Millionen Euro sollen auf das Konto des FC Fulham geflossen sein. Der defensive Mittelfeldspieler unterschrieb beim FCB bis 2028.
Für den Portugiesen Joao Palhinha griffen die Münchner tief in die Tasche, rund 50 Millionen Euro sollen auf das Konto des FC Fulham geflossen sein. Der defensive Mittelfeldspieler unterschrieb beim FCB bis 2028. © Lackovic / Imago Images
Der Vertrag von Konrad Laimer, ebenfalls 2023 ablösefrei von RB Leipzig nach München gekommen, hat bis 2027 Gültigkeit.
Der Vertrag von Konrad Laimer, ablösefrei von RB Leipzig nach München gekommen, hat bis 2027 Gültigkeit. © IMAGO/Markus Fischer
Nationalspieler Leon Goretzka beackert das Bayern-Mittelfeld schon seit 2018. Der aktuelle Kontrakt läuft bis 2026.
Nationalspieler Leon Goretzka beackert das Bayern-Mittelfeld schon seit 2018. Der aktuelle Kontrakt läuft bis 2026.  © Danilo Di Giovanni/imago
Das Offensiv-Talent Gabriel Vidovic war bis Februar an Mainz 05 verliehen. Aufgrund der Personalbreite wurde der 21-Jährige zurückbeordert. Sein Vertrag gilt noch bis 2026.
Das Offensiv-Talent Gabriel Vidovic war bis Februar an Mainz 05 verliehen. Aufgrund der Personalbreite wurde der 21-Jährige zurückbeordert. Sein Vertrag gilt noch bis 2026. © IMAGO/Silas Schueller/DeFodi Images
Lange wurde es herbeigesehnt, Anfang Februar machte es der FC Bayern offiziell: Jamal Musiala hat seinen Vertrag bis 2030 verlängert.
Lange wurde es herbeigesehnt, Anfang Februar machte es der FC Bayern offiziell: Jamal Musiala hat seinen Vertrag bis 2030 verlängert. © Mladen Lackovic/imago
Leroy Sane steht noch bis 2025 beim FC Bayern München unter Vertrag.
Leroy Sane steht noch bis 2025 beim FC Bayern München unter Vertrag.  © Frank Hoermann/Sven Simon
Der „King“ Kingsley Coman ist sogar noch zwei Jahre länger gebunden – bis 2027.
Der „King“ Kingsley Coman ist sogar noch ein Jahr länger gebunden – bis 2027. © Memmler/imago
Mit Michael Olise verstärkt einer der Shootingstars der vergangenen Premier-League-Saison die Stürmer-Abteilung beim deutschen Rekordmeister. Über 50 Millionen Euro sollen an Crystal Palace geflossen sein, in München unterschrieb der Angreifer bis 2029.
Mit Michael Olise verstärkt einer der Shootingstars der vergangenen Premier-League-Saison die Stürmer-Abteilung beim deutschen Rekordmeister. Über 50 Millionen Euro sollen an Crystal Palace geflossen sein, in München unterschrieb der Angreifer bis 2029. © Sebastian Frej / Imago Images
Harry Kane bei einem Spiel des FC Bayern München
Mit einer angeblichen Ablöse von rund 100 Millionen Euro plus möglichen Boni ist Harry Kane der teuerste FCB-Einkauf der Geschichte. Sein Kontrakt läuft bis 2027. © IMAGO/Ulmer
Thomas Müller bleibt Münchner. Im Dezember 2023 verlängerte das Urgestein und unterschrieb einen neuen Vertrag bis zum Ende der Saison 2024/25.
Bis 2025 ist ebenfalls der Ur-Bayer Thomas Müller an die Münchner gebunden.  © ULMER/imago
Stürmer Serge Gnabry ist vertraglich bis 2026 an die Bayern gebunden.
Um Serge Gnabry gab es zuletzt immer wieder Wechsel-Gerüchte. Er ist vertraglich bis 2026 an die Bayern gebunden.  © Martin Hangen/imago

Auch das ist Teil der Wahrheit: Die Mannschaft bat Nagelsmann sogar, einfacher und nicht mehr so kompliziert trainieren zu lassen. Ein Signal der Bayern-Stars, dass der Coach etwas von seiner Idee abrücken und seine Spielweise mehr auf die Qualitäten seiner Profis ausrichten müsse.

Disziplin und Außendarstellung ließen zu wünschen übrig

Zu wenig Disziplin: Nagelsmann wurde auch die große Undiszipliniertheit innerhalb der Mannschaft vorgeworfen. Erst nach dem Sieg in Paris wurde den Stars seit Jahren wieder ein offizieller Strafenkatalog präsentiert. Ausgearbeitet wurde dieser von Teampsychologe Maximilian Pelka (34) und Teammanagerin Kathleen Krüger (37).Aufgrund seiner Erfahrung mit den Superstars von PSG und dem Champions-League-Sieg mit Chelsea sind die Bosse davon überzeugt, dass Tuchel mit den Bayern-Stars besser umgehen kann.

Schlechte Außendarstellung: Nagelsmann bot viel Angriffsfläche. Einerseits wegen seines extrovertierten Verhaltens, andererseits wegen seinen Äußerungen, mit denen er häufig Unruhe in den Verein brachte. Bestes Beispiel: Nach der 2:3-Niederlage in Mönchengladbach bezeichnete er das Schiedsrichtergespann als „weichgespültes Pack“.

Dass Nagelsmann während der Länderspielpause nicht am Vereinsgelände arbeitete, sondern Skifahren war, wurde kritisch gesehen. Am Freitagnachmittag wurde Nagelsmann von den Bossen an die Säbener Straße zitiert. Dort teilten Präsident Herbert Hainer (68), Vorstands-Boss Oliver Kahn (53) und Salihamidzic ihm das Aus persönlich mit. (P. Kessler, M. Bonke)

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