Legendäre FCB-Historie

Die erste Meisterschale für den FC Bayern in einem kuriosen Titelrennen

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In der Spielzeit 1968/69 gewann der FC Bayern seine erste von 33 Bundesliga-Meisterschaften. Die Saison war äußerst kurios, der Titelkampf war im Grunde genommen keiner.

München - In ihrer vierten Bundesligasaison holten die Bayern ihre erste Deutsche Meisterschale in einem Ligabetrieb. Die 1932 unter dem legendären Präsidenten Kurt Landauer gewonnene Meisterschaft war noch in einer Endrunde im Pokalmodus ausgetragen worden und die Meisterschaftstrophäe die legendäre „Viktoria“.

Der Vorsprung der Münchner betrug 1968/69 am Saisonende – Bayern-like – acht Punkte im damaligen Zwei-Punkte-System, nach heutiger Zählweise wären es zehn Punkte Vorsprung gewesen. Natürlich ein Rekord in der damals noch jungen Bundesligageschichte. Trotzdem war alles ganz anders…

Eine verrückte Saison

Vom ersten bis zum letzten Spieltag waren die Bayern Tabellenführer, dennoch hatten sie am Saisonende trotz des Rekordvorsprungs nur 46:22 Punkte auf dem Konto, im heutigen 3-Punkte-System wären das eher schwache 64 Punkte. Der Tabellenzweite Alemannia Aachen wies am Ende gar nur 38:30 Punkte auf, die Münchner Löwen wurden mit 34:34 Punkten Zehnter, Borussia Dortmund mit 30:38 Punkte Sechzehnter und entging damit ganz knapp dem Abstieg. Trotz eigentlich mäßiger Punktzahl waren die Meisterbayern am Ende punktemäßig soweit vom Vizemeister entfernt wie dieser vom Gerade-noch-Nicht-Absteiger!

Geht´s noch verrückter? Na klar. Der Vorjahresmeister 1. FC Nürnberg war mit 29:39 Punkten als Tabellen-17. einer der beiden Absteiger – einmalig in der Bundesligageschichte! (Kickers Offenbach 18. mit immerhin auch noch 28:40 Punkten).

Die Bayern wurden am 17. Mai 1969, am 31. Spieltag, de facto (wegen des wesentlich besseren Torverhältnisses) Deutscher Meister – mit einer 0:2-Niederlage beim späteren Absteiger 1. FC Nürnberg! Siege gegen einen souveränen Deutschen Meister, der FC Bayern hieß, haben dem Club übrigens auch später kein Glück gebracht, weil anschließend der bittere Gang in die Unterklassigkeit folgte.

Die Meister-Bayern 1968/69 präsentieren stolz die erste von mittlerweile 33 Meister-Schalen.

Wie die gesamte Spielzeit: Ein kurioses Finale

Am 7. Juni 1969 fand im Grünwalder Stadion das letzte Meisterschaftsspiel gegen Hannover 96 mit anschließender Meisterschaftsschalenübergabe statt – natürlich begleitet von einigen Kuriositäten.

Apropos Hannover 96 und kurioses Meisterschaftsrennen, welches keines war...

Im Hinspiel hatten die Bayern mit 0:1 in Hannover verloren. Gerd Müller, der zu jenem Zeitpunkt die Torschützenliste sehr souverän angeführt hatte, regte sich über den 1:0-Führungstreffer der Niedersachsen dermaßen auf, dass er in einer Kurzschlusshandlung Jupp Heynckes, der von 1967-70 bei 96 spielte, niederschlug. Unfassbar, der friedfertige Gerd – und das ausgerechnet beim Jupp, einem seiner allerbesten Fußballkumpels in späteren Zeiten.

Der „Bomber“ wurde für vier Bundesligaspiele gesperrt, die Bayern verloren vollkommen den Faden und holten aus diesen Spielen schwache 2:6 Punkte. Müllers Unbeherrschtheit hätte ein Meisterschaftsrennen, welches von Beginn an keines war, wieder spannend machen können – aber auch die Konkurrenz schwächelte und so jubelten am Ende die Bayern.

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Gerd Müller auf Rekordjagd

Vor dem finalen Spiel gegen H96 stand Müller bei 28 Toren und quasi als Torschützenkönig fest. Aber er hatte noch einen Rekord im Visier, der bis dahin von Lothar Emmerich gehalten worden war: 31 Saisontreffer in der Bundesliga.

Das ganze Spiel der Bayern gegen Hannover war deswegen auf Gerd Müller ausgerichtet, welcher auch aus dem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand mit zwei Treffern ein 2:1 machte – aber das dritte Tor zur Egalisierung des Rekords von „Emma mit der linken Klebe“ gelang einfach nicht mehr. Wohl die Strafe für seine Unbeherrschtheit – der Gerd konnte es an jenem Tag aber sicherlich verschmerzen. Ein Jahr später pulverisierte er den Rekord und kam auf 38 Saisontreffer, 1971/72 gar auf 40.

Ein „guter Bekannter“ auf der Bank des Gegners

Der Trainer der Niedersachsen war übrigens die Bayern-Trainerlegende Zlatko „Tschik“ Čajkovski, welche vor der Saison von Branko Zebec abgelöst worden war. Zebec schaffte damit in seiner ersten FCB-Saison etwas, was dem Aufstiegs- und Pokalhelden Tschik nicht gelungen war: Die Meisterschaft. Für Hannover spielte bei jener 1:2-Niederlage außerdem - noch als Amateur - ein gewisser Rainer Zobel, der bei allen großen Triumphen in den 1970er Jahren Bestandteil der legendären FCB-Elf war.

Aus Kolbermoor in die weite Welt – so wurde Bastian Schweinsteiger zum Mega-Star

1998 wechselte Bastian Schweinsteiger als 14-Jähriger zum FC Bayern. Am 13. November 2002 war es dann soweit: Schweini feiert nach zwei Jahren bei den Amateuren sein Profi-Debüt.
1998 wechselte Bastian Schweinsteiger als 14-Jähriger zum FC Bayern. Am 13. November 2002 war es dann soweit: Schweini feiert nach zwei Jahren bei den Amateuren sein Profi-Debüt. © IMAGO / WEREK
Markenzeichen von Bastian Schweinsteiger in seinen Anfangsjahren: die blondierten Haare.
Markenzeichen von Bastian Schweinsteiger in seinen Anfangsjahren: die blondierten Haare. © IMAGO / Sven Simon
Bei den Münchnern entwickelte sich Schweinsteiger schnell zum Publikumsliebling und Shootingstar.
Bei den Münchnern entwickelte sich Schweinsteiger schnell zum Publikumsliebling und Shootingstar. © IMAGO / WEREK
Gleich in seiner ersten Saison entwickelte sich Schweinsteiger zum Titel-Hamster: seine erste Deutsche Meisterschaft 2003.
Gleich in seiner ersten Saison entwickelte sich Schweinsteiger zum Titel-Hamster: seine erste Deutsche Meisterschaft 2003. © IMAGO / Lackovic
Auch auf dem Oktoberfest machte Schweinsteiger schon früh eine gute Figur – hier mit seiner damaligen Freundin Daniela Aumaier.
Auch auf dem Oktoberfest machte Schweinsteiger schon früh eine gute Figur – hier mit seiner damaligen Freundin Daniela Aumaier. © IMAGO / Sven Simon
Schon zu Beginn ihrer Karrieren verstanden sich Schweinsteiger und Lukas Podolski nicht nur auf dem Platz gut.
Schon zu Beginn ihrer Karrieren verstanden sich Schweinsteiger und Lukas Podolski nicht nur auf dem Platz gut. © IMAGO / Kolvenbach
Am 6. Juni 2004 debütierte Schweinsteiger dann auch schon in der A-Nationalmannschaft und stand auch bei der EM 2004 im Kader. Die verlief für das DFB-Team allerdings weniger erfolgreich…
Am 6. Juni 2004 debütierte Schweinsteiger dann auch schon in der A-Nationalmannschaft und stand auch bei der EM 2004 im Kader. Die verlief für das DFB-Team allerdings weniger erfolgreich… © IMAGO / Contrast
… ganz im Gegensatz zur WM 2006: Deutschland erlebt sein Sommermärchen. Spätestens jetzt ist Schweinsteiger der Shootingstar schlechthin in der Bundesrepublik.
… ganz im Gegensatz zur WM 2006: Deutschland erlebt sein Sommermärchen. Spätestens jetzt ist Schweinsteiger der Shootingstar schlechthin in der Bundesrepublik. © imago sportfotodienst
In seinen Anfangsjahren fällt Schweinsteiger auch immer wieder mit seinen ausgefallenen Frisuren auf. Bei der EM 2008 überrascht der DFB-Star mit silbernen Haaren.
In seinen Anfangsjahren fällt Schweinsteiger auch immer wieder mit seinen ausgefallenen Frisuren auf. Bei der EM 2008 überrascht der DFB-Star mit silbernen Haaren. © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
Und auch in der Liebe gibt es Veränderungen für Schweinsteiger. Mit dem Münchner Model Sarah Brandner ist die Bayern-Legende bis 2014 liiert.
Und auch in der Liebe gibt es Veränderungen für Schweinsteiger. Mit dem Münchner Model Sarah Brandner ist die Bayern-Legende bis 2014 liiert. © imago sportfotodienst
Bei seinem FC Bayern entwickelt sich Schweinsteiger spätestens unter Louis van Gaal zum absoluten Führungsspieler. 2010 verpassten die FC Bayern noch den Coup in der Champions League. Es sollte nicht die letzte bittere Niederlage für Schweinsteiger bleiben …
Bei seinem FC Bayern entwickelt sich Schweinsteiger spätestens unter Louis van Gaal zum absoluten Führungsspieler. 2010 verpassten die Münchner noch den Coup in der Champions League. Es sollte nicht die letzte bittere Niederlage für Schweinsteiger bleiben … © imago sportfotodienst
Im Dezember 2010 verlängert Schweinsteiger nach langem Hin und Her seinen Vertrag beim FC Bayern. Die Fans feiern ihn dafür, ein Münchner Fußballgott ist in der Mache.
Im Dezember 2010 verlängert Schweinsteiger nach langem Hin und Her seinen Vertrag beim FC Bayern. Die Fans feiern ihn dafür, ein Münchner Fußballgott ist in der Mache. © imago sportfotodienst
… die sportlichen Rückschläge sollten damit aber noch nicht aufhören. Im Champions-League-Finale dahoam wird Schweinsteiger zum tragischen Helden und verschießt den entscheidenden Elfmeter. Erholt er sich davon?
… die sportlichen Rückschläge sollten damit aber noch nicht aufhören. Im Champions-League-Finale dahoam wird Schweinsteiger zum tragischen Helden und verschießt den entscheidenden Elfmeter. Erholt er sich davon? © imago sportfotodienst
Und wie! 2013 holt der FC Bayern das historische Triple – mit ihm als Haupt-Protagonisten. Schweinsteiger wird zur Bayern-Legende.
Und wie! 2013 holt der FC Bayern das historische Triple – mit ihm als Haupt-Protagonisten. Schweinsteiger wird zur Bayern-Legende. © imago sportfotodienst
Ein Jahr später steht auch die Krönung im Nationaltrikot an. Schweinsteiger wird 2014 Weltmeister in Rio.
Ein Jahr später steht auch die Krönung im Nationaltrikot an. Schweinsteiger wird 2014 Weltmeister in Rio. © imago sportfotodienst
Und auch privat findet Schweinsteiger sein Glück. Nach der WM 2014 lernt er die Tennisspielerin Ana Ivanovic kennen und lieben. Bereits 2016 kommt es zur Hochzeit. Heute haben die beiden drei gemeinsame Kinder.
Und auch privat findet Schweinsteiger sein Glück. Nach der WM 2014 lernt er die Tennisspielerin Ana Ivanovic kennen und lieben. Bereits 2016 kommt es zur Hochzeit. Heute haben die beiden drei gemeinsame Kinder. © picture alliance / dpa | Andrea Merola
Nach 17 Jahren heißt es dann erstmal Servus FC Bayern. Schweinsteiger wechselt im Spätherbst seiner Karriere zu Manchester United. Dort wird der Oberbayer aber nicht lange glücklich…
Nach 17 Jahren heißt es dann erstmal Servus FC Bayern. Schweinsteiger wechselt im Spätherbst seiner Karriere zu Manchester United. Dort wird der Oberbayer aber nicht lange glücklich… © Rogan Thomson/Jmp/Shutterstock via www.imago-images.de
… und Schweinsteiger zieht schon nach zwei Jahren weiter in die MLS. Bei Chicago Fire erlebt die Bayern-Legende seine letzte Profi-Station.
… und Schweinsteiger zieht schon nach zwei Jahren weiter in die MLS. Bei Chicago Fire erlebt die Bayern-Legende seine letzte Profi-Station. © imago sportfotodienst
2019 beendet Bastian Schweinsteiger seine Profi-Karriere. Schon ein Jahr zuvor wird er in der Allianz Arena von seinem Herzensverein verabschiedet.
2019 beendet Bastian Schweinsteiger seine Profi-Karriere. Schon ein Jahr zuvor wird er in der Allianz Arena von seinem Herzensverein verabschiedet. © Ulrich Wagner via www.imago-images.de
Von der Bildfläche ist die deutsche Fußball-Legende aber seitdem nicht verschwunden. Ganz im Gegenteil: Schon kurz nach seinem Karriereende heuerte Schweinsteiger bei der ARD als Experte an und ist dort bis heute tätig – vor allem mit Esther Sedlaczek an der Seite.
Von der Bildfläche ist die deutsche Fußball-Legende aber seitdem nicht verschwunden. Ganz im Gegenteil: Schon kurz nach seinem Karriereende heuerte Schweinsteiger bei der ARD als Experte an und ist dort bis heute tätig – vor allem mit Esther Sedlaczek an der Seite. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl

Kein würdiger Rahmen für die Meisterfeier

Zum Saisonfinale mit anschließender Schalenübergabe kamen damals ins Grünwalder Stadion übrigens nur enttäuschende 20000 Zuschauer (andere Quellen berichten sogar von lediglich 18000 Zuschauern). Der Hauptgrund dafür lag wohl darin, dass es an jenem Juni-Samstagnachmittag in München wie aus Kübeln schüttete, unangenehm frisch war und das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße bekanntermaßen nur über ganz wenige überdachte Plätze verfügt.

Das scheußliche Wetter hatte aber auch etwas Positives für die Bayern: beim Stand von 0:1 rutschte Sepp Maier der nasse Ball bei einem Weitschuss unter dem Körper durch … und blieb gerade noch vor der Torlinie in einer Wasserlache liegen.

Vor dem Spiel trieb ein Fan – das vorher ausgesprochene Verbot von Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker ignorierend („Tierquälerei!“) - eine rot angestrichene Sau durchs Stadion. Ob´s der Sau selbst gefiel, ist nicht überliefert. Bildlich dokumentiert ist jedenfalls, wie Gustl Starek, der österreichische Nationalspieler in FCB-Diensten, beim Aufwärmen vor dem Spiel darüber schmunzelte.

Titelbild: Die Meistermannschaft mit Schale

Franz Beckenbauer – Gerd Müller – Franz Roth – Gustl Starek – Helmut Schmidt – Katsche Schwarzenbeck – Rainer Ohlhauser; knieend: Peter Pumm – Sepp Maier – Branko Zebec – Kapitän Werner Olk – Dieter Brenninger.

Rubriklistenbild: © SVEN SIMON via www.imago-images.de

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