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Matthijs de Ligt präsentiert sich zum Beginn der entscheidenden Saisonphase in Weltklasse-Form. Julian Nagelsmann ist begeistert vom Niederländer.
Stuttgart – Diese 88. Minute war im Rückblick betrachtet: einfach blöd. Denn wäre diese Flanke von Tiago Tomas nicht gekommen – der Abend von Matthijs de Ligt wäre nahezu perfekt verlaufen.
Der FC Bayern hätte 2:0 (und nicht 2:1) beim VfB Stuttgart gewonnen und de Ligt hätte sich über einen eigenen Treffer, eine Rettungsaktion in höchster Not und einen nahezu makellosen persönlichen Auftritt freuen können. So aber blieb das verlorene Kopfball-Duell vor dem Anschlusstreffer durch Juan José Perea als letzter Eindruck bestehen.
Bayern-Star de Ligt stark gegen Stuttgart – mit einem Makel
„Das Tor war schwierig zu verteidigen“, sagte de Ligt, der die Szene wie folgt erklärte: „Ich hatte einen anderen Stürmer im Blick, dann war ich einen Millimeter zu spät.“ Einen Vorwurf allerdings wollte ihm ohnehin niemand machen. Zwar hatte das Tor zum 2:1 die Partie noch einmal Fahrt aufnehmen lassen, und Julian Nagelsmann sagte sogar: „Wenn man nur von dieser Phase spricht, wäre der Ausgleich nicht unverdient gewesen.“
Alleine aber war de Ligt daran keineswegs schuld. Zudem hatte er mit einem beherzten Auftritt in den 87 Minuten zuvor entscheidenden Anteil daran, dass die Bayern nicht in Rückstand geraten waren – und dann in Führung gingen. Er war in einem Team, das nicht nur überzeugte, der Beste.
Matthijs de Ligt verzückt den FC Bayern
„Seine Entwicklung ist außergewöhnlich gut“, schwärmte Nagelsmann über den Niederländer, der seit Wochen die einzig echte Konstante in der Bayern-Abwehr ist. Weil gegen Union Berlin Dayot Upamecano fehlte und am Mittwoch gegen Paris Benjamin Pavard gesperrt aussetzen muss, trägt der Nationalspieler aktuell die größte Verantwortung in der Hintermannschaft.
„Seiner Berufsbezeichnung als Verteidiger“, sagte Nagelsmann, werde er dabei „mehr als gerecht. Was ihn auszeichnet, ist die Gier und die Lust zu verteidigen.“ Dass dazu am Samstag auch noch der zweite Treffer im Bayern-Trikot kam, passte dramaturgisch hervorragend. De Ligts Selbstvertrauen ist vier Tage vor seinem bisher wichtigsten Spiel für den Rekordmeister so groß wie noch nie in München.
De Ligt unverhofft mit dem Fuß erfolgreich: „Normalerweise treffe ich per Kopf“
Der ehemalige Ajax-Spieler selbst musste schmunzeln, als er auf den Führungstreffer angesprochen wurde. Zwar hatte er sich für die Rückrunde vorgenommen, torgefährlicher zu werden, er gab aber zu: „Normalerweise treffe ich eher mit dem Kopf.“ Diesmal versuchte er es aus der Ferne, „mal anders“, sagte er – und das klappte.
Weil VfB-Keeper Fabian Bredlow den Ball spät sah, rutschte er ihm durch die Hände. Und de Ligt, der keine 120 Sekunden zuvor auf der anderen Seite nach einem Patzer von Yann Sommer den Rückstand verhindert hatte, konnte sich freuen, „dass ich für die Mannschaft wichtig war“.
FC Bayern: Nagelsmann schwärmt von de Ligt – „Ordentliches Mannsbild“
Das wäre er auch so gewesen, beziehungsweise: Er ist es seit dem Start der Rückrunde. Und das liegt an systematischem Training, an Fleiß und Akribie. Schüsse etwa, verriet Nagelsmann, übe de Ligt nach den Teameinheiten „fleißig“, zudem hat er nach vier durchwachsenen Monaten in München und der enttäuschenden WM seine Ernährung umgestellt und seinen Fitness-Plan überarbeitet. „Körperlich nicht bei 100 Prozent“ sei de Ligt beim Start in München gewesen, sagte der Coach. Die Defizite sind nun behoben.
Nagelsmann grinste, als er sagte: „Das ist schon ein ordentliches Mannsbild – eine echte Masse, wenn man die Oberschenkel so sieht.“ Weil de Ligt diese aber nun richtig einsetzt, ist er unverzichtbar. „Er tut uns sehr, sehr gut“, sagte Nagelsmann. Das Kopfball-Duell – längst vergessen! Hanna Raif
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