Nagelsmann macht Druck, Salihamidzic setzt im Torwart-Poker voll auf eine Karte
VonPhilipp Kessler
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Manuel Bonke
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Die Bayern-Verantwortlichen suchen dringend Ersatz für den verletzten Manuel Neuer. Trainer Nagelsmann findet deutliche Worte zur derzeitigen Situation.
München - Den Verantwortlichen des FC Bayern bleiben nur noch 16 Tage, um einen neuen Torhüter zu verpflichten. Das Winter-Transferfenster schließt am 31. Januar um 18 Uhr deutscher Zeit - und bis dahin sollte das Team um Sportvorstand Hasan Salihamidzic (46) einen Schlussmann präsentiert haben. Ansonsten sieht Trainer Julian Nagelsmann (35) die Saisonziele seiner Mannschaft nach dem Unterschenkelbruch von Manuel Neuer (36) gefährdet.
FC Bayern: Julian Nagelsmann sieht Saisonziele in Gefahr
Das zeigte die Wortwahl des Fußballlehrers nach dem 4:4 gegen RB Salzburg. „Ich glaube, jeder sieht unsere Torwart-Situation. Wir brauchen einen, das steht außer Frage“, sagte Nagelsmann und wurde deutlich: „Nehmen wir den fiktiven Fall, Ulle reißt sich nächste Woche das Innenband. Was machen wir dann? Dann muss ein ganz junger Torwart, der heute sein erstes Spiel gemacht hat, in der Champions League und der Bundesliga spielen. Da fragt sich jeder: Seid ihr noch ganz dicht? Warum holt ihr keinen Torwart?“ Der Trainer weiß, dass im Falle eines Achtelfinal-Ausscheidens gegen Paris auch seine Person schnell wieder zur Diskussion stehen kann, obwohl er nichts für die anhaltende Verletzten-Misere kann.
Gleichzeitig betonte Nagelsmann, dass seine Haltung in der Torwart-Thematik nichts mit der Leistung von Sven Ulreich (34) zu tun hat: „Ulle kennt seine Rolle, wir wissen, was er kann. Das Vertrauen hat er. Ulle weiß, dass die Situation ganz normal ist und dass wir uns darum bemühen müssen. Es ist unser Job, das Beste für den Verein zu suchen.“ Stand jetzt steht Ulreich zum Bundesliga-Wiederauftakt am Freitag bei RB Leipzig (20.30 Uhr, DAZN und Sat 1) laut Nagelsmann zwischen den Pfosten: „Was in der Woche noch passiert, weiß ich nicht…“
Da fragt sich jeder: Seid ihr noch ganz dicht?
Salihamidzic setzt im Torwart-Poker voll auf die Karte Yann Sommer (34) von Borussia Mönchengladbach. Bleibt abzuwarten, ob sich der Sportvorstand in dieser Thematik nicht verzockt. Immerhin haben die Gladbacher Verantwortlichen bereits mehrmals betont, dass sie ihren Torhüter nicht ziehen lassen wollen. Für den Gladbacher Sportdirektor Roland Virkus (56) geht es in dem Poker auch darum, sein Profil in der Branche zu schärfen. Darüber hinaus möchte man einen neuen Gladbach-Keeper nicht durch eine zu hoch angesetzte Ablöse finanzieren.
Der Kader des FC Bayern München in der Saison 2022
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Fakt ist allerdings: Solange die Fohlen keinen adäquaten Ersatz für Sommer präsentieren können, werden sie ihn nicht abgegeben. Nicht umsonst stand der Schweizer beim letzten Testspiel gegen St. Pauli über 90 Minuten im Tor. Sollte diese Woche nicht doch noch ein finanzell äußerst lukratives Angebot aus München am Niederrhein eintrudeln, wird Sommer auch am Sonntag gegen Bayer Leverkusen zwischen den Pfosten stehen.
Konkrete Alternativen haben die Münchner noch nicht. Zwar haben sich die Münchner Kaderplaner mit anderen WM-Torhütern beschäftigt, doch sie sind nach reiflicher Überlegung zum Entschluss gekommen, Schlussmänner wie Marokko-Held Bono (31) oder Dominik Livakovic (28) nicht zu verpflichten. Und Monaco lässt Alexander Nübel (26) nicht ziehen. Julian Nagelsmann muss sich daher weiter in Geduld üben. Wohl wissend, dass er im schlimmsten Fall am Ende des Monats ohne eine Torhüter-Alternative in die entscheidende Saisonphase im Frühjahr gehen muss. (Manuel Bonke, Philipp Kessler)