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Yann Sommer will zum FC Bayern wechseln, doch der Transfer gestaltet sich als schwierig. Unterdessen überrascht der Gladbach-Torhüter mit weiteren Talenten.
München - Während das Münchner Torhüter-Duo Sven Ulreich (34) und Johannes Schenk (19) am Mittwoch das Training an der Säbener Straße aufgenommen haben, sitzt ihr designierter Teamkollege Yann Sommer (34) in Gladbach weiter auf heißen Kohlen. Zwar hat der Schweizer bei der Fohlen-Führung hinterlegt, dass er sich im Winter gerne dem FC Bayern anschließen und die (temporäre) Nachfolge von Manuel Neuer (36) nach dessen Unterschenkelbruch antreten wolle, doch schnell wird der Transfer wohl nicht über die Bühne gehen.
Gladbachs Trainer über Sommer-Wechsel zum FC Bayern: „Warum sollten wir so einen Torhüter abgeben?“
Das verdeutlichten tags zuvor auch die Worte von Daniel Farke (46). Der Gladbacher Trainer sei total entspannt, was Sommers Zukunft angehe, und fragte: „Warum sollten wir so einen Torhüter abgeben? Da müsste es schon sehr sehr gute Gründe geben, so einen Qualitätsspieler abgeben zu wollen. Ganz im Gegenteil - wir wollen den Vertrag mit Yann verlängern. Da wird es dann auch zeitnah Gespräche geben.“ In München weiß man, wie diese Aussagen zu interpretieren sind: Farke versucht die kolportierte Ablöse von fünf Millionen Euro schon jetzt in die Höhe zu treiben. Nicht umsonst ließ er sich ein Hintertürchen offen, indem er erklärte, dass im Fußball „verrückte Dinge passieren“ könnten.
Sommer bringt die nötige Geduld für den anstehenden Poker mit. Er ist kein Typ, der Stunk macht. Der Keeper ruht in sich - auch dank seiner Familie. Ehefrau Alina hat ihren Job als Anwältin in Köln für die Familienplanung aufgegeben, damit sie sich um ihre Töchter Mila (3) und Nayla (1) kümmern kann. „Was sie für mich und für die Kinder macht, ist unglaublich“, schwärmt Sommer in der SRF-Dokumentation Yann Sommer - out of the box.
Yann Sommer spielt Gitarre, Klavier und singt
Neben der Familie hilft auch die Musik dem Eidgenossen vom hektischen Fußball-Geschäft abzuschalten. Sommer spielt leidenschaftlich gerne Gitarre, nimmt das Instrument schon auch mal ins Trainingslager mit der Nationalmannschaft mit. Als er sich im März vergangenen Jahres während eines Länderspiel-Lehrgangs mit Coronainfizierte, brachte ihm der Verband ein Keyboard aufs Hotelzimmer, damit Sommer seine Klavier-Künste verbessern konnte. Darüber hinaus nimmt er privat zweimal in der Woche Gesangsunterricht und schreibt seine eigenen Lieder.
Geht es nach dem Keeper, möchte er noch vier bis fünf Jahre auf Top-Niveau spielen. Deswegen trainiert Sommer regelmäßig mit Personaltrainer Raman Saleh. Die Einheiten starten meistens um sieben Uhr morgens, wenn im Hause Sommer noch alle schlafen. Es kann aber auch mal vorkommen, dass Saleh seinen Schützling für ein Schwimmtraining ins Freistil-Becken entführt. Darüber hinaus arbeitet der Torwart seit zehn Jahren mit Sportpsychologe Christan Marcolli zusammen. Er hilft ihm dabei, mit dem Druck in der knallharten Fußball-Branche umzugehen. Auch Tennis-Legende Roger Federer arbeitete mit dem Mental-Coach zusammen. Sommer trainiert also Körper und Geist, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Demnächst vermutlich in München. (bok, hlr)
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