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Der FC Bayern gastiert zum Trainingslager am Tegernsee. Klar, dass dabei Manuel Neuer und Uli Hoeneß vorbeischauen. Das See-Geflüster aus Rottach-Egern.
Rottach-Egern – Wenn der FC Bayern kommt, dann steht auch schon mal eine ganze Gemeinde Kopf.
Zwar absolvierte der Rekordmeister dieser Tage nicht zum ersten Mal sein Sommer-Trainingslager am Tegernsee, genauer gesagt in Rottach-Egern. Doch ein wenig glich der Auftakt am Samstagmittag, als wäre man bei einem bajuwarischen Ableger von Disney Land zu Besuch.
| FC Bayern München | |
|---|---|
| Gründungsdatum: | 27. Februar 1900 (123 Jahre) |
| Präsident: | Herbert Hainer |
| Trainer: | Thomas Tuchel |
| Gesamtmarktwert Kader: | 894,50 Millionen (Quelle: transfermarkt.de) |
See-Geflüster zum FC Bayern: Ein bisschen Disney Land mit bajuwarischem Flair
Hatte man erfolgreich den Parkplatzanweiser überwältigt und die Taschen-Kontrolle durchlaufen, so konnte man bei geschmeidigen 35 Grad in der Sonne tolle Bayern-Fanartikel aus einem Transporter ergattern und dazu noch leckere Bratwurst zu bekannten Wiesn-Klängen mampfen. Fußball-Herz, was willst du mehr?
Auf der Suche nach dem Pressebereich wurde man direkt abgestraft und darauf hingewiesen, dass für die Presse der Zugang erst ab 15.30 Uhr (und nicht bereits um 15.06 Uhr!) zugänglich sei. Immerhin sah man so Manuel Neuer kurz vorfahren, der freundlich grüßte, aber – wie sich wenig später herausstellen sollte – gar nicht seine individuellen Trainingseinheiten auf dem Sportplatz des FC Rottach absolvieren wird. Womöglich war er nur kurz auf eine Bratwurst vorbeigekommen, wenn schon mal so eine Attraktion in der Nachbarschaft ist. Anschließend war der Keeper nämlich nicht mehr zu sehen.
See-Geflüster zum FC Bayern: Bass-Stimme unterbricht kindliche Fan-Rufe
Als kurz darauf die PK mit Cheftrainer Thomas Tuchel im Hotel „Überfahrt“ anstand, wäre eine frühzeitige logistische Planung sehr hilfreich gewesen. Denn statt wie geplant den Weg per Fuß zurückzulegen, musste das Auto genommen werden. Auch am Tegernsee sind 2,8 Kilometer eben 2,8 Kilometer.
Der Bayern-Coach graste glücklicherweise genügend (Transfer-) Themen ab und bat anschließend zum öffentlichen Training, wo man vergebens Ausschau nach Micky Maus und Goofy hielt. Dank der unzähligen jungen Fans wusste man aber immer, welcher Bayern-Star gerade beim Training einen Treffer erzielt hatte oder einfach nur am Ball war. Etwas seltsam wirkte es, wenn die vielen kindlichen „Muuuuusialaaaa“- oder „Sanéééééé“-Rufe plötzlich durch eine männliche Bass-Stimme durchdrungen wurden.
See-Geflüsterzum FC Bayern: Als Uli Hoeneß kommt, ist Manuel Neuer schon längst weg
Manchmal konnten die Rufe auf Trainer Tuchel („Paul, wach auf jetzt!“) zurückgeführt werden. Doch nicht immer kamen diese offensichtlich vom Übungsleiter des Starensembles von der Isar. Als Fußball-Fan bleibt man eben letztlich immer Kind, nicht wahr?
Die Mixed Zone wurde nach mehr oder weniger gemeinschaftlicher Absprache mit den Journalisten für den Samstag kurzfristig abgesagt. Als dann allerdings Patron Uli Hoeneß sich die Ehre gab und aus der Nachbarschaft vorbeischaute, war fast schon klar, dass es heute doch noch etwas zu sagen gibt.
FC Bayern und das See-Geflüster: „Ich rede definitiv nicht über Transfers“
Auch wenn Hoeneß auf die erste Frage noch antwortete: „Ich rede definitiv nicht über Transfers, der Klub ist gerade mal endlich dicht, das wollen wir nicht sofort wieder undicht machen“, sprach Uli kurz darauf natürlich über Kane. Natürlich sprach Uli auch über Neuer und natürlich sprach Uli über Sadio Mané. Wobei es schwer werden dürfte, den Senegalesen abzugeben, ohne, dass Hoeneß in Erklärungsnot gegenüber seiner kindlichen Begleitung kommt (siehe Foto oben).
Als nach Trainingsende der viel bejubelte Jamal Musiala auf dem Weg zum Mannschaftsbus von einem kleinen Fan gefragt wurde, warum er nicht für die englische Nationalmannschaft spiele, da „England ja viel besser sei“, war man fast schon froh, dass sich Hoeneß kurz zuvor der Probleme des deutschen Fußballs angenommen hatte.
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Uli Hoeneß und der Retter des deutschen Fußballs? See-Geflüster zum FC Bayern
„Wenn man sich die Entwicklung des deutschen Fußballs und auch die des FC Bayern seit der WM anschaut, dann haben dort so Dinge wie Zweikampfstärke, wie allerletzter Einsatz sehr gelitten“, so der Comeback-Boss: „Man kann nicht – wie Pep Guardiola – alles spielerisch lösen.“ Währenddessen muss Bastian Schweinsteiger in Kolbermoor applaudierend aufgestanden sein.
Dies war ein guter Zeitpunkt, um aufzubrechen. Die anschließende Dreiviertelstunde im Tuckertempo aus Rottach-Egern, Tegernsee über Gmund in Richtung Autobahn gab einem immerhin Zeit zum Nachdenken. So muss man sich vielleicht einfach darauf einstellen, dass Trainingslager beim FC Bayern dann doch immer ein bisschen mehr sind, als das, was man erwartet. Und irgendwie ist genau das ja das Tolle. (smk)
Aus dem Bayern-Trainingslager aus Rottach-Egern berichtet Florian Schimak
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