FC Bayern nach Wirtz-Korb mit unangenehmer Frage konfrontiert
VonAdrian Kühnel
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Der Transfer von Florian Wirtz beweist, welchen Einfluss Trainer bei Entscheidungen haben. Der FC Bayern muss sich eine unangenehme Frage stellen.
München – Während die Konkurrenz mit charismatischen Trainern punktet, kämpft Vincent Kompany noch um seine Reputation als Spielermagnet. Zu spüren bekam das der FC Bayern nicht zuletzt bei der Absage von Florian Wirtz.
„Arne Slot hat Florian sportlich überzeugen können. Zudem ist er ein sehr angenehmer Mensch“, erklärte Hans-Joachim Wirtz, Vater und Berater des deutschen Nationalspielers, im Spiegel-Interview die Entscheidung seines Sohnes für den FC Liverpool statt Bayern.
Sieben Spieler im letzten Vertragsjahr – Die Laufzeiten der Stars des FC Bayern
„Florians beste Trainer waren immer diejenigen, die ihm viele Freiheiten gelassen haben. Und jene mit der größten Empathie haben Florian auch erreicht. Er findet das Spiel in England interessant, weil es von Tempo und Dynamik lebt“, so Wirtz senior.
Slot habe „seine Spielphilosophie, die Mannschaftstaktik im Ballbesitz und Pressing vorgestellt und wie Florian darin seine Stärken entfalten kann. Das hat Florian entscheidend beeindruckt. Die Trainingsbedingungen in Liverpool waren außerdem total imponierend“.
Arne Slot statt Vincent Kompany: Darum wechselte Florian Wirtz zum FC Liverpool
Auch Kompany habe im Gespräch mit dem Offensivspieler „sehr gute Gedanken und Ideen“ geäußert, „wie er Florian in die Mannschaft des FC Bayern einbinden wollte. Am Ende waren es Nuancen, die Entscheidung hatte letztlich mit der unterschiedlichen sportlichen Situation und der Rolle für Florian zu tun“, begründete der Vater.
Arne Slot konnte Florian Wirtz mit richtigen Argumenten überzeugen
Für den Coach geht es darum, den Spieler sowohl menschlich als auch fachlich überzeugen zu können. Slot ist das bei Wirtz gelungen.
Eine entscheidende Rolle dürfte dabei auch gespielt habe, dass Slot bereits einige nennenswerte Erfolge als Trainer vorzuweisen hat. Mit dem AZ Alkmaar wurde er 2020 Vizemeister, mit Feyenoord Rotterdam 2023 sogar Meister in den Niederlanden. Und mit dem FC Liverpool gelang ihm auf Anhieb der Gewinn der Premier League – das wohlgemerkt als Nachfolger von keinem Geringeren als Jürgen Klopp, der ein schweres Erbe hinterließ.
Kompany wurde zwar 2023 mit dem FC Burnley Zweitligameister in England, stieg in der anschließenden Saison aber direkt wieder aus der Premier League ab. Mit dem FC Bayern gewann er die Bundesliga – jedoch eine Pflichtaufgabe eines jeden Bayern-Trainers.
Zwar spielte Kompany auf Weltklasse-Niveau bei Manchester City, den Ruf als Weltklasse-Trainer muss er sich dagegen erst noch erarbeiten. Im Zweifelsfall zieht der FC Bayern jedoch derzeit auf dem Transfermarkt im Konkurrenzkampf mit anderen Top-Klubs und namhaften Coaches den Kürzeren, wie die Causa Florian Wirtz beweist.
Die Folge: Der FC Bayern muss sich mit Alternativen beschäftigen. Nun bahnt sich ein Wechsel von Luis Díaz vom FC Liverpool nach München an. Der Vorteil des deutschen Rekordmeisters in diesem Poker: Er scheint konkurrenzlos zu sein. Denn der FC Barcelona zog sich aus dem Rennen um Díaz zurück, holte stattdessen lieber den günstigeren Marcus Rashford.
Rashford schwärmte übrigens bei seiner Ankunft in Barcelona in den höchsten Tönen von seinem Trainer. „Er war ein weiterer Schlüssel und Grund, warum ich jetzt hier bin“, so Rashford über Hansi Flick. „Die Gespräche, die wir hatten, waren sehr positiv. Er ist einer der Top-Trainer. Hier zu sein, war das Einzige, was ich mir gewünscht und woran ich gedacht habe.“
Max Eberl setzte auf Vincent Kompany anstatt Hansi Flick
Ob der FC Bayern Wirtz bekommen hätte, wenn Eberl sich vor einem Jahr für Flick statt Kompany entschieden hätte? Es ist zumindest eine berechtigte Frage, die man nach den jüngsten Entwicklungen in den Raum stellen darf – und die für Bayern unangenehmem ist.
Hansi Flick als Förderer von talentierten Spielern
Denn Spieler wollen nicht nur für einen Verein spielen, sondern für einen Trainer, der ihre Karriere auf das nächste Level heben kann. Flick hat beim FC Bayern und in seinem ersten Jahr beim FC Barcelona eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er diese Eigenschaften mit sich bringt – Kompany muss sie erst beweisen.
Der FC Bayern muss nun der Realität des Transfermarkts gnadenlos ins Auge blicken. Während andere Vereine mit Trainer-Charisma punkten, müssen die Münchner derzeit mit anderen Argumenten überzeugen: Tradition, Geld, Erfolgsaussichten. Das reicht bei etablierten Stars oft noch, bei den heißesten Nachwuchstalenten wird es schwieriger.
Trainer als wichtiger Faktor bei Transfers
Das Phänomen ist nicht neu, gewinnt aber an Bedeutung. Bereits Jürgen Klopp lockte Spieler allein durch seine Persönlichkeit nach Liverpool, José Mourinho zog in seinen besten Jahren Superstars magisch an. In einer Zeit, in der sich die Top-Vereine finanziell immer weniger unterscheiden, wird der Trainer zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
Für Kompany bedeutet das: Er muss liefern. Erfolge mit Bayern würden seine Attraktivität als Trainer exponentiell steigern. Der Druck ist immens, denn Bayern kann es sich nicht leisten, dauerhaft bei Top-Talenten das Nachsehen zu haben.
Die aktuelle Situation offenbart eine pikante Ironie: Während Bayern beim 22-jährigen Mega-Talent Wirtz leer ausging, ist der Verein laut Bild bereit, bis zu 75 Millionen Euro für den 28-jährigen Luis Díaz zu investieren. Ein etablierter Spieler für viel Geld ohne großen Wiederverkaufswert statt des Nachwuchsstars für die Zukunft – auch das eine Folge des Trainer-Faktors, der den modernen Transfermarkt zunehmend bestimmt.