VonFlorian Schimakschließen
Hanna Raifschließen
Der FC Bayern war am Samstag beim 1. FC Heidenheim zu Gast. Die Generalprobe vor dem CL-Kracher beim FC Arsenal. Die Einzelkritik zum Auftritt des Rekordmeisters.
Heidenheim – Bevor das Spiel beim 1. FC Heidenheim überhaupt angepfiffen wurde, war bereits wieder Druck auf dem Kessel beim FC Bayern.
Zum einen lag das am blutleeren Auftritt in der Vorwoche beim Klassiker gegen den BVB (0:2). Zum anderen hatte Trainer Tuchel ordentlich Frust, weil er verletzungsbedingt auf fünf Stars verpflichten musste. Darüber hinaus äußerte sich Bayern-Sportdirektor Christoph Freund über die Trainersuche – und ließ mit seinen Aussagen zu Julian Nagelsmann aufhorchen.
Die Münchner aber ließen sich von all dem zunächst nicht beeinflussen und lieferten eine souveräne und dominante erste Hälfte ab. Harry Kane belohnte die Tuchel-Elf in der 37. Minute mit der Führung. Serge Gnabry hatte den Stürmer für sein 32. Saisontor bedient. Wenige Minuten später war dann Gnabry, der nach einer Davies-Flanke schulbuchmäßig auf 2:0 erhöhte (45.). So ging es dann auch in die Pause.
Doch dann war es vorbei mit der Bayern-Herrlichkeit: Nach der Pause bot sich ein komplett anderes Bild! Die Gastgeber glichen innerhalb von einer Minute zum 2:2 (50. und 51.) aus und überrannten die Bayern förmlich. In der Folge entwickelte sich ein spektakulärer Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Vor allem Kane verpasste zweimal die Führung für die Münchner.
Richtig bitter wurde es dann in der 80. Minute, als Tim Kleindienst nach einem tollen Konter das nicht unverdiente 3:2 für den aggressiven Aufsteiger erzielte.
Am kommenden Dienstag muss der FC Bayern bei Arsenal in der Champions League ran. Selbstvertrauen getankt hat die Tuchel-Elf mit diesem Auftritt garantiert nicht.
Sven Ulreich
Sein zweites Spiel hintereinander dürfte schon wieder das letzte gewesen sein – denn aus München postete Manuel Neuer kurz vor Anpfiff Bilder, die seinen Weg zurück ins Tor dokumentieren sollen. Ulreich hätte sich das in der ersten Halbzeit ausführlich auf seinem Handy ansehen können, denn auf sein Tor kam sowieso nichts. Das änderte sich schlagartig in Halbzeit zwei. Bei den Toren machtlos, in der 72. Minute mit starker Parade da. Half aber nichts. Note: 4
Joshua Kimmich
Hatte als einziger Bayern gegen Dortmund Normalform bewiesen und schlug auch diesmal passable Flanken. Über die rechte Seite ging zunächst mehr als über die linke, Kimmich tauchte aber auch zentral immer wieder auf. Machte viele Wege und riss seine Mitspieler auch lange mit. Stand dann aber recht optimistisch im Raum, als Heidenheims erste Offensivbemühungen zum Erfolg führten und war später Teil der Viererkette, die drei Gegentore kassierte. Note: 4
Dayot Upamecano
Hat keine guten Erinnerungen an seinen letzten Startelfeinsatz – denn Ende Februar sah er gegen Leipzig Gelb-Rot. Nun, wo Matthijs de Ligt und Eric Dier nicht immer sattelfest gewirkt hatten, durfte er wieder ran. Spielte viele Diagonalbälle und stand bei den seltenen Heidenheimer Offensiv-Bemühungen in den ersten 45 Minuten goldrichtig. Leistete sich dann aber bei den Gegentoren folgenschwere Unachtsamkeiten. Der Nachmittag wurde plötzlich anstrengend und ungemütlich. Absolut keine Werbung für einen Arsenal-Einsatz. Note: 5
Minjae Kim
Ist 2024 kein Dauerbrenner – will es aber wieder werden. Und so passte ihm die Chance, die Thomas Tuchel ihm drei Tage vor dem Gastspiel beim FC Arsenal gab, freilich gut in den Kram. Weil Heidenheim lange harmlos war, konnte er sich Sicherheit im Spielaufbau holen. Ab und an versprang ein Ball, ein vermeintliches Handspiel (48.) wurde nicht geahndet – und bei beiden Gegentreffern sah er dann nicht gut aus. Im Gedächtnis bleiben ein verlorenes Kopfball-Duell und viel zu viel Platz für Tim Kleindienst und Marvin Pieringer. Note: 6
Alphonso Davies
Der Auftritt gegen den BVB war unterirdisch gewesen, diesmal wirkten schon die ersten Aktionen deutlich zielstrebiger. Dass trotzdem ungenaue Pässe und unnötige Fouls unter seinen Aktionen waren, passt zum derzeitigen Gesamtbild des Kanadiers. Dass er aber unter anderem Serge Gnabry vor dem 2:0 (45.) bediente, macht Hoffnung, dass die Formkurve nach oben zeigt. Später, als das Spiel ein anderes war, defensiv ein paar Mal richtig und wichtig. Aber halt mindestens drei Mal zu wenig. Note: 5
Leon Goretzka
Der erste Schuss wurde geblockt (5.), das brachte Goretzka jedoch nicht aus der Ruhe. War oft eingebunden im Spielaufbau, aber auch im Offensivspiel. Über 45 Minuten ein besserer Auftritt des derzeitigen Dauerbrenners auf der Sechs, dann aber genauso unsicher wie alle anderen - und ohne zündende Idee für den Siegtreffer. Note: 5 (ab 84. Bryan Zaragoza: o.B.)
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Konrad Laimer
Die erste Flanke des Spiels kam von ihm (2.), Einsatz und Willen stimmten. Übernahm wie gewohnt den offensiveren Part vor der Abwehr und spielte auf rechts auch viel Doppelpass mit Kimmich. Machte vor dem 2:0 den Ball fest und lieferte eigentlich einen soliden Auftritt. Das angeknackste Selbstvertrauen nach den beiden schnellen Gegentoren aber merkte man auch ihm an. Ließ ordentlich Körner und fiel in der Endphase eher mit wütenden Gesten als guten Taten auf. Note: 5
Serge Gnabry
Stand zuletzt am 11. November in der Startelf und durfte diesmal recht überraschend über linke Seite kommen. Die ersten Flanken waren zu ungenau, er fand aber immer besser ins Spiel und bediente folgerichtig auch Harry Kane vor dem 1:0 (38.). Das 2:0 (45.) machte er per Kopf höchstselbst, nach dem Ausgleich aber baute auch er ab. Note: 3 (ab 67.: Mathys Tel: o.B.)
Thomas Müller
Agierte in seinem 700. Pflichtspieleinsatz für den FC Bayern als Kapitän – und wollte seine Mitspieler auch führen. Gestikulierte und schrie viel, diskutierte auch hier und da mal – und hatte in der 27. Minute die beste Chance zum 1:0 auf dem Fuß. In der Entstehung des überfälligen Führungstores durch Harry Kane war er später nicht ganz unwesentlich beteiligt. Eine Rolle, die ihm besser gefällt als die des Anpeitschers nach Negativ-Erlebnissen. Als es 2:2 stand, schüttelte er nur noch den Kopf. Und als es 3:2 stand sowieso. Note: 5 (ab 84. Raphael Guerreiro: o.B.)
Jamal Musiala
Übernahm den zentralen Part in der Reihe hinter Harry Kane und hatte von dort aus gute Ideen. Nicht immer aber stimmten die Genauigkeit sowie die Abstimmung mit den Nebenmännern. Brauchte etwas, ehe er richtig im Spiel war. Und musste dann Schadensbegrenzung leisten. Das 3:0 wäre ihm beinahe gelungen und immens wichtig gewesen. Genau wie später das 3:2. Note: 5 (ab 76. Eric Maxim Choupo-Moting: o.B.)
Harry Kane
War oft von drei Heidenheimern umzingelt und somit im Handlungsspielraum begrenzt. Versuchte dennoch, sind ins Offensivspiel einbinden zu lassen, machte viele Bälle fest und tauchte immer wieder an den richtigen Stellen auf. So auch in der 38. Minute, als er nach Gnabry-Hereingabe aus elf Metern ins linke untere Eck zum 32. Saisontreffer vollendete. Auf dem Weg zum 33. verließen ihm beim Stand von 2:2 alleine vor dem Tor die Nerven. Note: 4
Aus Heidenheim berichtet Hanna Raif
Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Sascha Walther


