- schließen
Florian Schimak
Philipp Kessler
Hanna Raif
Der FC Bayern trifft am Wochenende auf Mainz 05. Allerdings stehen aufgrund des Nahost-Konflikts beide Teams schon jetzt im Fokus.
München – Die DFL hat ihre Haltung für den kommenden Spieltag bereits kundgetan. Allen Proficlubs wird am Wochenende eine Schweigeminute empfohlen, um nach den Geschehnissen in Israel der Opfer zu gedenken.
„Damit möchten DFL und DFB ein gemeinsames Zeichen des deutschen Fußballs für den Frieden setzen“, hieß es am Montag vom Dachverband auf „X“ (ehemals Twitter). Wenn die Spieler des FC Bayern und von Mainz 05 am Samstag um 18.28 Uhr das Feld betreten haben, wird in der MEWA Arena also Stille herrschen. Bei allen Beteiligten, auch bei Noussair Mazraoui im Gäste-Trikot – und bei Anwar El Ghazi in jenem der Gastgeber. Der Mainzer allerdings wird dieses nicht mehr tagen.
Nahost-Konflikt: DFL und DFB wollen am Wochenende ein Zeichen setzen
In beiden Vereinen ist es im Laufe der Woche politisch geworden. Während der Pro-Palästina-Beitrag von Mazraoui den FC Bayern schon seit dem Wochenende beschäftigt, hat El Ghazi mit einem inzwischen wieder gelöschten Post auf Instagram beim kommenden Gegner für viel Wirbel gesorgt.
Der 28-Jährige teilte zunächst einen Beitrag, in dem es unter anderem hieß: „Vom Fluss bis zum Meer, Palästina wird frei sein.“ Gemeint ist, dass sich Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer ausdehnen sollte; Israel wird damit gewissermaßen das Existenzrecht abgesprochen. Am Dienstagabend teilten die Mainzer mit, dass El Ghazi umgehend vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt wird.
Nahost-Konflikt vor Topspiel: Mainz 05 stellt El Ghazi nach Pro-Palästina-Post frei
„Die Freistellung ist eine Reaktion auf die einen mittlerweile gelöschten Social-Media-Post des 28-Jährigen von Sonntagabend. In diesem hatte El Hazi in einer Art und Weise Position zum Konflikt im Nahen Osten bezogen, die für den Verein so nicht tolerierbar war“, hieß es im offiziellen Statement der Klubs: „Der Freistellung voran ging ein ausführliches Gespräch zwischen Vorstand und Spieler.“
Der Verein respektiere zwar, „dass es unterschiedliche Perspektiven auf den seit Jahrzehnten währenden, komplexen Nahost-Konflikt“ gebe, man distanzieren jedoch „deutlich von den Inhalten des Posts, da dieser nicht mit den Werten unseres Klubs“ einhergehe.
+++ Mainz 05 stellt Anwar El Ghazi frei +++ pic.twitter.com/A8Fe8ytdeP
— 1. FSV Mainz 05 (@1FSVMainz05) October 17, 2023
FC Bayern wartet auf Erklärung von Mazraoui – Wirbel auch bei Gegner Mainz
Die Bayern haben am Dienstag freilich auch nach Mainz geblickt. Denn sie sind am Mittwoch dran – also dann, wenn Mazraoui, der am Dienstagabend in der Qualifikation für den Afrika Cup noch in Marrakesch auf Liberia traf, zurück an der Säbener Straße ist.
Das Gespräch mit der Clubführung um Präsident Herbert Hainer ist wohl noch für den Mittwoch anberaumt, trotz der Erklärung, die Mazraoui am Sonntag abgegeben hatte, herrscht Redebedarf. Wie unsere Zeitung erfuhr, geht es dabei vor allem um einen offenen Austausch, um Werte und Überzeugungen – eine Strafe für die Verbreitung des Videos, in dem den Palästinensern im Konflikt mit Israel ein Sieg gewünscht wird, stand bis Dienstag nicht im Raum. Vielmehr soll Mazraoui erklären, was er auch öffentlich bekundete: „Der Punkt ist, dass ich nach Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt strebe.“
Instagram-Post Sabrina Duvad: Ärger um Coman-Freundin
Der Zentralrat der Juden hat diese Klarstellung allerdings für unzureichend erklärt. „Leider lässt er weiterhin die klare Verurteilung der Hamas-Barbarei vermissen“, schrieb der Verband in einer Stellungnahme für die Augsburger Allgemeine.
Für das Vorgehen des FC Bayern hingegen, der am Montag reagiert hatte, gab es Lob: „Wir halten es bisher für angemessen.“ Ein weiterer Fall kam gestern hinzu: Sabrina Duvad, Freundin von Kingsley Coman, teilte auf Instagram einen Post, der unter anderem folgenden Inhalt zeigte: „Israel bereitet die nächste Phase des Genozids an den Palästinensern vor.“
Bis zum Anpfiff des Topspiels wird noch viel passieren. Und die Augen werden nicht erst dann auf München und Mainz gerichtet – sie sind es schon. (Hanna Raif, Philipp Kessler)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Ulrich Wagner



