FC Bayern und zwei Weltstars: Gescheitert an zu hohen Erwartungen
VonAdrian Kühnel
schließen
Die besten Spieler der Welt in seinen Reihen zu haben, ist der Anspruch des FC Bayern. Bei zwei Hochbegabten ging der Schuss aber nach hinten los.
München – Als der FC Bayern München im Sommer 2017 James Rodríguez von Real Madrid für eine Gebühr von 13 Millionen Euro und eine Kaufoption von 42 Millionen Euro auslieh, war die Euphorie riesig. Der kolumbianische Zauberfuß, Torschützenkönig der WM 2014, sollte das Münchner Spiel mit seiner Kreativität bereichern.
2020 folgte mit Philippe Coutinho ein weiterer vermeintlicher Coup: Der brasilianische Spielmacher kam per Leihe vom FC Barcelona für eine Gebühr von 8,5 Millionen Euro und einer Kaufoption von 120 Millionen Euro. Beide Transfers weckten bei den Bayern-Fans große Hoffnungen, sie könnten eine Ära prägen.
Doch die Realität sah anders aus. Die Weltstars verließen München nach nur zwei respektive einem Jahr. Während James mit der deutschen Mentalität haderte, scheiterte Coutinho letztlich an zu hohen finanziellen Erwartungen und auch an einem verletzungsbedingten Rückschlag.
Sieben Spieler im letzten Vertragsjahr – Die Laufzeiten der Stars des FC Bayern
James Rodríguez und das deutsche Mentalitätsproblem
„Es gab Tage, da bin ich um 9 Uhr morgens in die Arbeit gegangen und es waren –28 Grad. Da habe ich mich gefragt: ‚Was mache ich eigentlich hier?‘“, erzählte James Rodríguez 2020 in einem Video-Podcast mit dem bekannten Motivationstrainer Daniel Habif. Seine Worte offenbarten das wahre Problem: Der Kolumbianer konnte sich nie wirklich mit der deutschen Mentalität anfreunden.
„Die Deutschen sind kalte Leute“, sagte James, „auch wenn ich beim FC Bayern fantastisch behandelt wurde.“ Der Südamerikaner haderte mit der deutschen Arbeitsweise: „Sie denken immer nur an die Arbeit. Sie sind wie Maschinen, das ist der Wahnsinn. Sie kommen an, sie trainieren und Tschüss. Jeder lebt sein Leben und trainiert, jeder ist seine eigene kleine Maschine.“
Besonders die Sprachbarriere belastete ihn: „Die deutsche Sprache hat mich viel gekostet.“ Seinem Deutschlehrer sagte er bereits nach vier Monaten: „Ich will weder meine noch deine Zeit verschwenden. Ich will das nicht.“
Der entscheidende Unterschied: Heynckes vs. Kovač
James hatte zudem persönliches Pech, dass er mit einem seiner Trainer in München sehr gut zurechtkam, mit seinem anderen jedoch nicht.
Über Jupp Heynckes, unter dem er den Großteil seiner ersten Saison spielte, äußerte er sich ausschließlich positiv: „Heynckes hat mich besser gemacht. Das war ein tolles Gefühl.“ Der Heynckes, der dank seiner einstigen Engagements auf Teneriffa und bei Athletic Bilbao und Real Madrid fließend Spanisch spricht, konnte offensichtlich eine Vertrauensbasis zum Kolumbianer aufbauen.
Mit Niko Kovač gestaltete sich das Verhältnis deutlich sachlicher. „Wir sind beide Profis. Es ist ein normales Verhältnis zwischen Spieler und Trainer“, charakterisierte James die Beziehung gegenüber der Bild-Zeitung. Kovač machte vor der Rückrunde 2018/19 öffentlich deutlich, dass James „um seinen Arbeitsvertrag“ spiele – ein Zeichen für die angespannte Situation.
Wirklich warm wurden James und Kovač miteinander nicht. Trotz Rummenigges Bekenntnis in einem Abendzeitung-Interview. („Ich oute mich nach wie vor als Fan von James. Er hat einen unglaublichen tollen linken Fuß und ist für mich ein Weltstar“) bat James selbst darum, die Kaufoption in Höhe von 42 Millionen Euro nicht zu ziehen.
„Im Prinzip ist die Entscheidung gefallen, weil er vor dem Saisonabschluss zu mir kam und mich gebeten hat, dass wir die Option nicht ziehen“, bestätigte der damalige Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei Sport1.
James ließ zwar in zwei Jahren beim FC Bayern immer wieder sein Potenzial aufblitzen, gewann zweimal die Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal, war aber selten unangefochtener Stammspieler.
Coutinho: Zu teuer für zu wenig Leistung
Philippe Coutinhos Fall gestaltete sich anders. Der Brasilianer kam 2019 als Alternativlösung nach München, nachdem der geplante Transfer von Leroy Sané wegen dessen Kreuzbandverletzung geplatzt war – Sané wechselte erst ein Jahr später von Manchester City zum FC Bayern.
„Es war eine besondere Situation, die von der Marktdynamik getrieben wurde. Er war plötzlich verfügbar und wir konnten reagieren“, erklärte der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidžić die Leihe von Coutinho.
Coutinho selbst blickte später positiv auf seine Zeit an der Isar zurück: „Wir hatten ein Team mit enormer Qualität, für viele eine der besten Mannschaften der Geschichte. Für mich war es eine Ehre und ich bin stolz, Teil dieser Gruppe zu sein.“ Er betonte: „Ich habe drei Trophäen gewonnen, darunter die Bundesliga und die Champions League, also glaube ich nicht, dass es etwas anderes war, als ein Erfolg.“
Doch sportlich konnte der Brasilianer im Team von Trainer Hansi Flick nicht vollständig überzeugen. Auch, da eine Verletzung ihn zurückwarf – Sprunggelenksprobleme kosteten ihn zwei Monate und neun Pflichtspiele. Vor allem aber war die Kaufoption von 120 Millionen Euro in Zeiten der Corona-Pandemie schlichtweg zu hoch für die gezeigten Leistungen.
Der FC Bayern entschied sich gegen eine Festverpflichtung von Coutinho, weil der Brasilianer für die Kaufoption einfach zu wenig geliefert hatte, der deutsche Rekordmeister inmitten der Corona-Pandemie trotz sportlicher Erfolge in eine wirtschaftlich unsichere Zukunft blickte.
James und Coutinho erlebten Wanderjahre nach München
Beide Spieler durchliefen nach ihren Bayern-Jahren turbulente Karrierewege. James kehrte zunächst zu Real Madrid zurück, fand dort unter Coach Zinédine Zidane aber erneut nicht die gewünschte Beachtung. Nur ein Jahr später zog es ihn ablösefrei zum FC Everton.
Bei den Toffees blieb er nur ein Jahr – auch deshalb, da sein Förderer Carlo Ancelotti, der ihn zuvor bereits bei Real und Bayern betreut hatte, als Zidane-Nachfolger nach Madrid zurückkehrte.
Für James folgten Kurzstationen bei Olympiakos Piräus, Al-Rayyan, dem FC São Paulo und Rayo Vallecano. Seit Januar 2025 steht der frühere Bayern-Star bei Club León in Mexiko unter Vertrag.
Coutinho blieb nach seinem Abgang vom FC Bayern noch bis Januar 2022 beim FC Barcelona, ehe er zu Aston Villa wechselte. Anderthalb Jahre später zog es den Brasilianer zu Al-Duhail, wiederum nur ein Jahr später heuerte er in seiner Heimat bei Vasco da Gama an.
Die häufigen Vereinswechsel zeigen, dass beide Spieler nach ihren München-Jahren nie mehr zu alter Stärke fanden.
Die Fälle James und Coutinho offenbaren darüber hinaus wichtige Erkenntnisse für den FC Bayern. Während bei James kulturelle und sprachliche Barrieren das Hauptproblem darstellten, scheiterte Coutinho primär an der Kosten-Nutzen-Rechnung. Beide Beispiele zeigen jedoch: Erfolgreiche Integration internationaler Stars erfordert mehr als nur sportliche Qualität.