Zukunftsplanung FC Bayern: Wer einen Lennart Karl hat, braucht keinen Saïd El Mala
VonPeter Grad
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Lennart Karl und Saïd El Mala zählen zu den großen deutschen Talenten. Beim U21-Länderspiel in Georgien bildeten sie die Flügelzange – mit Erkenntnissen für den FC Bayern. Ein Kommentar.
München – In seiner ersten Bundesligasaison – vor der Spielzeit wechselte er von der drittklassigen Viktoria zum großen Lokalrivalen 1. FC Köln – zählt der 19-jährige Saïd El Mala zu den großen Shooting-Stars im deutschen Fußball. Vier BL-Tore und zwei Assists für den Effzeh veranlassten sogar Bundestrainer Julian Nagelsmann dazu, den offensiven linken Außenbahnspieler für das WM-Qualifikationsspiel in Luxemburg aus der deutschen U21 in die A-Nationalmannschaft hochzuziehen.
Der Marktwert des Deutsch-Libanesen ist innerhalb weniger Monate von drei auf 18 Millionen Euro (transfermarkt.de) nahezu explodiert. So entstand in Windeseile ein riesiger Hype um den Hochtalentierten. Sofort wurde dem FC Bayern – neben quasi allen anderen europäischen Topclubs – ein großes Interesse angedichtet, inklusive möglicher Kölner Ablöseforderungen in „Woltemade-Dimensionen“.
El Mala beim DFB-Pokalspiel gegen Bayern kein Faktor
Dass die Trauben beim Rekordmeister sehr hoch hängen, durfte El Mala aber bereits beim Zweitrundenspiel des DFB-Pokals erleben: Bei der Kölner 1:4-Niederlage war er kein Faktor, wurde früh in der 2. Hälfte ausgewechselt. Seine auffälligste Aktion war ein übermotiviertes rüdes Foul an Dayot Upamecano in der Startphase der Partie, für welches er die Gelbe Karte sah.
In Luxemburg bekam der 19-Jährige – auch dem engen Spiel geschuldet – nicht sein A-N11-Debüt vom Bundestrainer geschenkt. Im Gegenteil: Nach dieser Erfahrung wurde er wieder zur U21 von Antonio Di Salvo zum EM-Qualifikations-Spiel in Georgien geschickt. Dort wartete unter anderem mit Lennart Karl der FCB-Shooting-Star dieser Spielzeit auf ihn.
Nicht nur Bayern-Youngster Karl: Die größten deutschen U17-Talente
U21-Nationalmannschaft: El Mala und Karl ein völlig unterschiedliches Duo
Beim ebenso hochverdienten wie zähen 2:0-Sieg in Georgien bildeten die beiden Shooting-Starts dann von Spielbeginn an die Flügelzange. Und es zeigten sich – nicht nur wegen der ganz unterschiedlichen Physis (El Mala 1,87m, Karl 1,68m) – ziemliche Unterschiede. Während der Kölner große Schwierigkeiten mit dem extrem tief gestaffelten Defensivverbund der Osteuropäer, die größtenteils mit zwei engmaschigen Fünferketten agierten, hatte, kennt Karl dieses Geduldspiel längst von seinen Auftritten im Trikot des Rekordmeisters.
Während El Mala ein ums andere Mal an seinen georgischen Gegenspielern hängen blieb, konnte sich der kleine Münchner immer wieder frei spielen, auch wenn ihm dieses Mal ebenfalls nicht alles gelang. So war es letztendlich nicht überraschend, dass ausgerechnet der 17-Jährige nach Bischof-Ecke und etwas ungewollter Verlängerung von El Mala in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aus spitzem Winkel zum erlösenden 1:0 traf.
Bezeichnend auch für die Rollen der beiden Hochtalentierten in Di Salvos U21: Ohne vorherige Spielbelastung wurde El Mala bereits in der 63. Minute durch Ilyas Ansah (Union Berlin) ersetzt, Karl durfte dagegen über 20 Minuten länger seine Fähigkeiten zeigen und wurde erst gegen Anton Kade (FC Augsburg) ausgewechselt, als der Sieg schon sicher schien.
Lennart Karl bereits „FCB-geeignet“, El Mala noch nicht
Der 17-jährige Karl kann zwar in dieser Saison bislang bei seinen FCB-Pflichtspielen im Vergleich zum 19-jährigen El Mala „nur“ die Hälfte der Torbeteiligungen aufweisen: Zwei überragende Treffer gegen Club Brügge und in Mönchengladbach, ein Assist für Harry Kane. Jedoch erscheint er im Bezug auf das Kompany-System und den Dominanz-Fußball, der den Bayern nicht zuletzt auch immer wieder durch sehr destruktive Gegner aufgezwungen wird, der wesentlich geeignetere Spieler für den Rekordmeister zu sein.
Der Kölner muss über seine Physis, seine Schnelligkeit kommen, bei engmaschigen Verteidigungsreihen verpuffen diese Fähigkeiten. Da ist viel eher das Filigrane des nur 1,68-Meter-kleinen Bayern-Flitzers gefragt. Das Länderspiel der U21 in Georgien hat diese Erkenntnis deutlich bestätigt. El Mala steht am Anfang einer hoffentlich großartigen Fußball-Karriere, der FC Bayern erscheint aber (noch) nicht der richtige Verein für ihn zu sein. Dafür muss er sich noch erheblich weiter entwickeln. Lennart Karl, obwohl anderthalb Jahre jünger, hat ihm da einiges voraus und hat ihn nicht nur im aktuellen Marktwert (20 zu 18 Millionen Euro) übertroffen.