VonIngo Durstewitzschließen
Daniel Schmittschließen
Ein Festival der Unzulänglichkeiten: Frankfurter B-Elf verliert zum Abschluss der Conference League in Schottland.
Jeder blamiert sich so gut er kann, Eintracht Frankfurt kann es besonders gut (was freilich im Umkehrschluss ebenso gilt, siehe Bayern-Gala am Samstag, 5:1, Stichwort zwei Gesichter der Diva). Am Donnerstagabend unterlag eine aufgepimpte hessische B-Elf im abschließenden Gruppenspiel der Conference League dem FC Aberdeen mit 0:2 (0:1). Der indiskutable Auftritt hatte durchaus Züge der Pokal-Schlappe vor neun Tagen beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken. Nur schmerzt diese Pleite im Pittodrie-Stadion gegen international allenfalls zweitklassige Schotten nicht so sehr. Die Eintracht steht als Gruppenzweiter bereits im Sechzehntelfinale, das am Montag ausgelost und im Februar ausgespielt wird. Etwas mehr hätte es auf der Insel dann trotzdem sein können.
Das sah wahrscheinlich auch Ersatztorwart Jens Grahl so, der im zweiten Abschnitt für den leicht am Rücken angeschlagenen Kevin Trapp die Kiste hütete. Er traute sich nur nicht, es zu sagen. Der 35-Jährige stand völlig konsterniert und ratlos vor der TV-Kamera und wägte seine Worte sorgsam ab, schließlich wollte niemand diese bittere Pille höher hängen als sie ist. Schon am Sonntag geht es nach Leverkusen. Da hängen die Trauben hoch, da muss die Eintracht ein anderes Gesicht zeigen, um nicht unter die Räder zu kommen. Ob man dann wieder die andere Elf sehen werde, ist Grahl gefragt worden. Hmm, ja, bestimmt. „Wir werden aufstehen und alles raushauen.“ Was soll er auch anderes sagen, der Torwart? Außer: „Hatten uns das anders vorgestellt, müssen wir jetzt abhaken.“ Nur das mit dem „guten Spiel von uns“ hätte er sich sparen können. Aber was soll’s. Schwamm drüber.
Die ohnehin schon nebensächliche und also in ihrer Trivialität nur schwer zu überbiete Partie begann für die Eintracht so, wie sie schlechter nicht hätte beginnen können. Mit dem größtmöglichen Unglücksfall sogar. Eine gute Minute war erst gespielt, da sprintete Eric Dina Ebimbe, der größte der kleinen Bayern-Helden und der Rotationsmaschine nicht zum Opfer gefallen, einem weiten Ball auf Linksaußen hinterher, die Kugel wurde lang und länger und flog über die Seitenlinie, der 23-Jährige sprang ab im Bemühen, den Ball zu kontrollieren, wurde leicht geschubst, landete mit ziemlichem Karacho auf seinem linken Bein, rutschte unten weg – und blieb vor Schmerzen liegen. Kurz drauf musste er runter: nichts ging mehr. Ausgerechnet Ebimbe, der Spieler des Spiel aus der 5:1-Abreibung gegen die Bayern. Für ihn kam Paxten Aaronson. Wie schlimm die Verletzung genau ist, werden weitere eingehende Untersuchung zeigen. Doch klar ist: Gut sah das nicht aus. Für die beiden ausstehenden Bundesligaspiele in Leverkusen und am Mittwoch gegen Mönchengladbach, im Übrigen ganz und gar nicht trivial, dürfte es eng werden.
Eintracht-Trainer Dino Toppmöller hatte sein Team erwartungsgemäß umgebaut, sechs neue Kräfte rotierten in die Anfangself, neben Oldie Makoto Hasebe, Hrvoje Smolcic, Niels Nkounkou, Jens Petter Hauge und Jessic Ngankam auch der 18 Jahre alte Elias Baum, der sein Startelfdebüt bei den Profis geben durfte. Gar nicht auf dem Spielberichtsbogen stand Fares Chaibi, der sich mit einer Erkältung kurzfristig abgemeldet hatte.
„Wir werden eine sehr gute erste Elf bringen, das Gerüst soll auf dem Platz sein“, hatte der Coach angekündigt. Aber letztlich muss man konstatieren: Der zweite Anzug passt nicht, er zwickt und zwackt. Das reicht nicht, es reicht nicht mal, um eine an Biederkeit kaum zu übertreffende Mannschaft aus Schottland in die Knie zu zwingen. Es war ein ideenloses, unansehnliches Geschwurbel, langatmig und uninspirierend.
Klar war es nicht ganz einfach für die Gäste, die bereits ausgeschiedenen Schotten zogen sich mit Mann und Maus zurück und lauerten nicht mal auf Konter. Sie schossen den Ball einfach weg, wenn sie ihn erobert hatten. Die Eintracht machte aber nichts aus ihrer Dominanz und dem Ballbesitz, der, überspitzt, so bei 98, 99 Prozent gelegen haben dürfte. Und doch ist es ja die Aufgabe von hochdekorierten Profis, Lösungen zu finden gegen solche Kontrahenten, zumal der FC Aberdeen ja nicht aus Jux und Dollerei zu dieser Taktik griff. Schon im Hinspiel (2:1) verbarrikadierten sich die Schotten in der Abwehr. Trainer Toppmöller wird seine Mannen darauf hingewiesen haben.
Und doch schafften sie es nicht, die Platzherren zu überspielen, weil sie zu langsam agierten, zumeist wurde der Ball hin- und hergepasst, und dann hatte ein Abwehrspieler die glorreiche Idee, die Kugel hinter die Kette zu chippen. Ankommen sollte keines dieser Zuspiele. Gerade die, die selten zum Zuge kommen, enttäuschten dabei auf ganz Linie: Smolcic, Hauge, Nkounkou, Aaronson und Ngankam – allesamt mangelhaft bis ungenügend. Auch Routinier Hasebe erwischte nicht seinen besten Tag. Der bald 40-Jährige war auch an der Entstehung des ersten Gegentores beteiligt, erst verlor er den Ball, dann rutschte er aus – und Sekunden später machte Stürmer Lopes das 1:0 (41.) – Spielverlauf auf den Kopf gestellt.
Fortan ging noch weniger. Konnte man anfangs das Bemühen erkennen, ging auch das im Laufe des Spiels flöten. Es war ein Festival der Unzulänglichkeiten, ja eine echte Peinlichkeit. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass die Gastgeber sogar noch einen draufsetzten, Ester Sokler nutzte einen krassen Smolcic-Fehler zum 2:0 (74.). Es war der Schlusspunkt unter einer tranig-trüben Vorstellung der Eintracht mit der Ebimbe-Verletzung als negativem Höhepunkt. Kann nur besser werden. Vielleicht schon am Sonntag.

